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Nationale Diabetesstrategie - Kernpunkte eines nationalen Rahmenplans

Expertentenstatement zum Vortrag von Professor Dr. med. Monika Kellerer, Präsitentin der DDG und Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I (Diabetologie, Endokrinologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin, Kardiologie, Allgemeine Innere Medizin) Marienhospital Stuttgart, im Rahmen einer-Pressekonferenz zur Nationalen Diabetes-Strategie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 11. September 2019 in Berlin.

Eine gute Patientenversorgung beginnt mit dem Medizinstudium

Professor Dr. med. Monika Kellerer Mit dem Koalitionsvertrag haben sich die regierenden Parteien verpflichtet, eine Nationale Diabetes-Strategie (NDS) zu initiieren und damit dem Fortschreiten der Volkskrankheit Diabetes entgegenzuwirken. Nun sind seither fast zwei Jahre vergangen. In dieser Zeit sind circa eine Million Diabetes-Neuerkrankungen hinzugekommen, aber die NDS ist bislang noch immer nicht verabschiedet, geschweige denn umgesetzt worden. Vor dem Hintergrund der alarmierenden Prognose duldet die Etablierung einer nationalen Diabetes-Strategie keinen weiteren Aufschub. Die DDG hat zusammen mit diabetesDE und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) zur Umsetzung der NDS ein Eckpunkte-Papier vorgelegt, das den Bundesländern Orientierung und Leitschnur für eigene Maßnahmen bieten kann.

In Deutschland sind derzeit mehr als sieben Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Nach Expertenschätzungen steigt die Zahl der Diabetespatienten in den kommenden Jahren auf bis zu zwölf Millionen. Mit der steigenden Zahl an Diabeteserkrankungen wird auch der Bedarf an fachspezifischer Versorgung wachsen. Im Moment zeichnet sich hier jedoch eine deutlich gegenläufige Tendenz ab.

Anhand der Daten des Statistischen Bundesamtes kann man erkennen, dass sich die Zahl der Krankenhausbetten im Schwerpunkt "Endokrinologie und Diabetologie" im Gegensatz zu fast allen anderen internistischen Schwerpunkten in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch reduziert hat. Während sich im Vergleichszeitraum die Zahl der Betten im Schwerpunkt Endokrinologie/Diabetologie fast halbierten, ist beispielsweise bei den Schwerpunkten Gastroenterologie, Kardiologie und Hämatologie/Onkologie eine Zunahme um das circa Zwei- bis Dreifache zu verzeichnen. Darüber hinaus gibt es nur acht klinische Lehrstühle für Diabetologie an den 36 staatlichen Medizinischen Fakultäten. Auch an den neu geschaffenen medizinischen Fakultäten sind entsprechende Lehrstühle nicht vorgesehen.

Das ist für eine adäquate Patientenversorgung katastrophal. Dazu kommt, dass eine so geringe klinische Präsenz erhebliche negative Auswirkungen auf die medizinische Ausbildung haben wird. Die Universitäten sind die Garanten für den klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchs von morgen. Doch eigenständige klinische Lehrstühle in der Diabetologie sind an den Universitätskliniken kaum noch zu finden. Wenn Politik und Krankenhausleitungen der Marginalisierung klinischer Diabetologie an unseren Universitäten nicht rasch entgegentreten, werden Studierende der Medizin kaum mehr dem Fach Endokrinologie/Diabetologie begegnen und als Folge auch keine klinische und wissenschaftliche Kompetenz für dieses Fach entwickeln können. Das hat gravierende Folgen für die Patientenversorgung: Immer weniger ausgebildetes Personal wird mit einer alarmierenden Zunahme an Diabetes-Neuerkrankungen konfrontiert.

Wenn es an qualifiziertem Nachwuchs für die Diabetologie fehlt, wird eine kompetente und integrative diabetologische Versorgung in Krankenhäusern sowie im ambulanten Bereich kaum mehr möglich sein. Durch suboptimale Behandlung, durch die Aufteilung verschiedener diabetischer Folgeerkrankungen auf mehrere Fachbereiche und nicht zuletzt durch eine längere Krankheitsdauer werden dem Gesundheitssystem hohe Folgekosten entstehen.

Die DDG fordert daher:

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Prof. Dr. Monika Kellerer
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 21.09.2019 nach oben

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