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Nachwuchs in der Diabetologie fördern!

Expertenstatement von Professor Dr. Annette Schürmann, Sprecherin des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD) und Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), im Rahmen der Pressekonferenz zum Diabetes Kongresses 2019 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), am 31. Mai 2019 in Berlin.

Mit Stipendiaten- und Mentoring-Programm Versorgungsengpässen vorbeugen

Professor Dr. Annette Schürmann Wir gehen derzeit von etwa 6,5 Millionen Menschen in Deutschland aus, die an Diabetes erkrankt sind, jedes Jahr kommen ungefähr 500.000 Neuerkrankte dazu. Demgegenüber hat die Zahl der Lehrstühle für Diabetologie deutlich abgenommen. Während es zu Beginn meiner Karriere noch etwa 20 waren, gibt es heute an den 33 medizinischen Hochschulen in Deutschland nur noch 8 klinische Lehrstühle für Diabetologie und Stoffwechsel. Der Rückgang ist sicher darin begründet, dass erfahrene Diabetologen in den Ruhestand gegangen sind und dass die Diabetologie als "sprechende Medizin" nicht so rentabel ist wie andere Fachrichtungen. Darüber hinaus sind aufgrund der Ökonomisierung in der Medizin auch an Krankenhäusern Abteilungen mit den Schwerpunkten Endokrinologie und Diabetes geschlossen worden. Als Folge dieser Einschnitte sind Defizite in der Medizinerausbildung entstanden, die schließlich nicht nur die Versorgung der an Diabetes erkrankten Patienten gefährden, sondern auch den wissenschaftlichen Fortschritt einschränken.

Das Stipendiaten- und Mentoring-Programm der DDG

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) reagiert seit 2007 auf diese Situation, indem sie die Kongressbesuche im Frühjahr und Herbst für junge Menschen aus Medizin und Naturwissenschaften mit Reisestipendien unterstützt. Das Stipendiaten-Programm selbst hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Zunächst stieg die Zahl der vergebenen Stipendien, und seit 2015 bietet die DDG in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) den 150 (Frühjahr) bzw. 50 (Herbst) Studenten, Doktoranden und jungen Assistenzärzten ein Mentoring-Programm an. Mehrere Professoren, Ärzte aus Schwerpunktpraxen und Kollegen aus der Industrie stehen als Mentoren den Stipendiaten zur Verfügung und geben einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand der Diabetes-Erkrankungen und die verschiedenen Karrieremöglichkeiten, aber auch Tipps für das gute Schreiben von Abstracts und Publikationen. Durch den Besuch der anderen Veranstaltungen auf dem Kongress erfahren die jungen Leute Neues aus der Grundlagenforschung, von klinischen Studien, Therapieansätzen und der Versorgungsforschung.

Dadurch, dass den Stipendiaten während des gesamten Diabetes Kongresses ein eigener Raum zur Verfügung steht, in dem die Treffen mit den Mentoren, gemeinsame Mittagessen mit Diskussionen und das Abschlusssymposium stattfinden, ist das Netzwerken untereinander optimal. Beim Abschlusssymposium sind die Stipendiaten selbst aktiv und berichten sich gegenseitig, was sie auf dem Kongress gelernt haben, stellen Verständnisfragen an die Mentoren und diskutieren diverse Aspekte der Diabetologie. Eine Gruppe von Stipendiaten findet sich bereits zu Beginn der Tagung zusammen, um in der Erstellung von Blogs unterwiesen zu werden und während der folgenden Tage Kurznachrichten über den Kongress zu posten. Die besten Beiträge werden mit dem Erscheinen in der Diabetes Zeitung belohnt.

AG Nachwuchs für Klinik und Forschung

Nachdem sich auf dem Frühjahrskongress 2017 in Hamburg die verschiedenen Arbeitsgruppen der DDG den Stipendiaten vorgestellt hatten, wurde die Idee geboren, die AG Nachwuchs für Klinik und Forschung zu gründen. Diese Initiative wurde von Prof. Jochen Seufert und mir begeistert unterstützt. In den konstruktiven Sitzungen, die gleich auf den folgenden Kongressen stattfanden, formulierte die junge AG ihre Ziele. Sie unterstützt den DDG Vorstand darin, die Lehre und Karrieremöglichkeiten im Bereich der Diabetologie zu verbessern, um in Zukunft genügend interessierte Mediziner und Naturwissenschaftler für die Praxis, Klinik und Forschung zu gewinnen. Sie setzt sich für die standardmäßige Verankerung der Diabetologie im Medizinstudium ein und organisiert seit Gründung ein eigenes Symposium auf den DDG Tagungen. Heute Nachmittag um 16:30 Uhr findet das "Nachwuchssymposium - Translation in der Diabetesforschung“ unter Leitung der beiden AG-Vorsitzenden Jonas Kortemeier und Dr. Thomas Laeger statt.

1. Aachener Diabetestag

Da es ein Hauptziel der AG Nachwuchs ist, die Diabetologie stärker in die Lehre der Universitäten zu integrieren, wurde ein Pilotprojekt initiiert. Die AG Nachwuchs - federführend die Brüder Micha und Jonas Kortemeier zusammen mit Thomas Laeger - organisierte für den 5. April 2019 den 1. Aachener Diabetestag, der ein voller Erfolg war: Etwa 70 Medizin- und einige Biologie- und Biotechnologiestudenten erwartete ein vielfältiges Programm mit Vorträgen und Workshops, in denen aktuelle Kenntnisse über Typ-1- und Typ-2-Diabetes, ihre Folgeerkrankungen und Behandlungsstrategien vermittelt wurden. Einen weiteren Fokus der Veranstaltung bildeten Karrieremöglichkeiten in Forschung und Klinik sowie das Thema Diabetologie im Staatsexamen und in der ärztlichen Basisprüfung.

Nachwuchsförderung im DZD

Das DZD investiert ebenfalls in den klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchs. So findet seit 2013 einmal im Jahr die DZD Research School statt. Etwa 80 junge Wissenschaftler erhalten von renommierten internationalen Referenten eine Einführung in wichtige aktuelle Aspekte der Diabetesforschung. Die DZD Research School findet vor den internationalen Diabeteskongressen (EASD-Tagungen) oder dem "International Symposium on Insulin Receptors and Insulin Action" statt und ist inzwischen ein Highlight für Teilnehmer und Referenten.

Das DZD-Next bündelt die Nachwuchsförderung des DZD, unterstützt die Ausbildung von international konkurrenzfähigen jungen Ärzten und Wissenschaftlern und macht den Wissenschaftsstandort Deutschland für talentierte Nachwuchskräfte attraktiv. Es werden spezielle Programme und Kurse angeboten, die wichtige Aspekte der translationalen Diabetesforschung vermitteln sowie in Management, Führung und Kommunikation weiterbilden.

Die verschiedenen Initiativen, das Mentoring-Programm, der Diabetes Kongress und das DZD-Next bieten dem ärztlichen und wissenschaftlichen Nachwuchs ideale Plattformen, mehr über das vielfältige Fachgebiet zu erfahren und sich mit Kommilitonen und Kollegen zu vernetzen. Die DDG und das DZD hoffen auf diese Weise dazu beizutragen, junge Kollegen für die Diabetologie zu begeistern und angehende Diabetologen zu fördern.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. Annette Schürmann
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 12.06.2019 nach oben

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