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Lipodystrophien unter der Lupe

Abstract zum Vortrag von Dr. Matthias Kaltheuner bei einem Symposium der BERLIN-CHEMIE AG im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 10. November 2018 in Wiesbaden.

Von der Diagnostik bis zur Pathophysiologie

Dr. med. Matthias Kaltheuner Lipohypertrophien (LHT) sind Fett-, aber auch Bindegewebsvermehrungen im subkutanen Fettgewebe, die durch mechanische, hormonelle und chemische Einflüsse der Insulininjektionen oder -infusionen entstehen. Ein vom Typ-1-Diabetes Betroffener spritzt alleine in der Bauchregion über 40.000 Mal innerhalb von 40 Jahren. Insulinpumpenträger haben zu ca. 2 % pro Jahr behandlungsbedürftige Katheterabszesse und eine dauerhafte Insulinzufuhr. Die Bauchregion wird insofern fortlaufend "verbraucht" bezüglicher gut funktionierender Insulinresorptionsstellen.

In der Studie von Heise et.al. konnte bei einzelnen Patienten eine völlige Wirklosigkeit der Insulininjektion in ausgeprägten LHTs nachgewiesen werden.[*] Im Alltag dürften eher die moderaten Wirkunterschiede, sowohl bezüglich der Maximalwirkung, als auch der Wirkdauer von Bedeutung sein.

Die Palpation und die Inspektion auf LHTs sind bislang die Standardmethoden zur Diagnostik. Eine Sonographie der Subkutis kann zusätzliche Informationen liefern, wird aber in der Routineversorgung kaum angewandt, auch da die Interpretation nicht einfach ist. Insofern besteht Unsicherheit in der Diagnostik.

Nach Wärmebildaufnahmen besteht der Verdacht, dass auch die physiologische Durchblutung in der Bauchregion inhomogen ist. Ausgeprägte Fälle von LHTs zeigen große Temperaturunterschiede.

Da die derzeitige technologische Entwicklung auf eine subkutane Glukosemessung und subkutane Insulinapplikation setzt, sind die Gewebsveränderungen im Sinne der LHTs von großer mindestens potentieller Bedeutung. Kenntnisse über die Bedeutung, Diagnostik und Prävention könnten sehr wichtig werden.

Da vorhandene LHTs nicht revidiert werden können, ist die Prävention durch Spritzstellenwechsel sehr wichtig. Es gehört zur Routineversorgung von Insulin behandelten Patienten, quartalsweise nach LHTs zu untersuchen und den Spritzstellenwechsel zu besprechen. Die Verwendung kurzer und dünner Nadeln mit Einmalbenutzung gilt als präventiv wirksam.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Quellen

* Famulla S, et. al. Diabetes Care. 2016 Sep; 39(9): 1486-92

Bildunterschrift: Dr. med. Matthias Kaltheuner
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 16.03.2019 nach oben

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