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Schwitzen statt sitzen - Sport nicht nur als Zuschauer erleben

Deutschland muss aktiv werden gegen Übergewicht und Diabetes Typ 2

Fußball-Kulttrainer Christoph Daum Wenn am Donnerstag, den 14. Juni 2018, das erste Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen wird, sitzen Millionen kleine und große Fans vor dem Bildschirm. Deutschlands Bürger sind zwar sportbegeistert, aber auch Sportmuffel: Knapp die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland bezeichnet sich als Sportmuffel oder Antisportler. Zwei von drei Männern und jede zweite Frau sind übergewichtig, knapp ein Viertel ist sogar adipös, also schwer übergewichtig. 15 Prozent der Kinder in Deutschland haben Übergewicht, über sechs Prozent sind adipös. Das sind mehr als doppelt so viele wie Anfang der 1990er Jahre. Adipositas ist zur häufigsten chronischen Erkrankung im Kindes- und Jugendalter geworden und zugleich ein hoher Risikofaktor für die Entstehung eines Diabetes Typ 2. Daran leiden bereits jetzt 6,7 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Auf einer Pressekonferenz am 12. Juni 2018 in Berlin erörtert die gemeinnützige Organisation im Vorfeld der Fußball-WM die Bedeutung täglicher Bewegung für die Vorbeugung von Übergewicht und Diabetes Typ 2 unter anderem mit Fußball-Kulttrainer und Sportwissenschaftler Christoph Daum und weiteren Experten.

Wäre "Sitzen" eine Sportart, hätte Deutschland auch in dieser Disziplin gute Chancen auf einen Weltmeistertitel. "Im Durchschnitt sitzen wir 7,5 tunden täglich", sagt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe und niedergelassener Diabetologe aus Hamburg-Bergedorf. "Zwei Drittel der Menschen hierzulande bewegen sich im Alltag nicht einmal eine Stunde pro Tag." Nur jeder fünfte Erwachsene erreiche die WHO-Empfehlung von mindestens 2,5 Stunden körperlicher Aktivität pro Woche. Dabei beginne der Bewegungsmangel schon im Kindesalter. "Nur etwa jedes vierte Kind beziehungsweise Jugendlicher erreicht die WHO-Empfehlung, sich 60 Minuten am Tag zu bewegen", so der Diabetologe.

Neben Bewegungsmangel hat auch der Verzehr hochkalorischer Lebensmittel einen hohen Anteil an der Entstehung von Übergewicht und Diabetes Typ 2: Im Zuge der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft werben unter anderem Coca-Cola, McDonald's und Ferrero für ihre kalorienreichen Produkte. "Der Werbe-Etat der verführenden Lebensmittelindustrie ist während der Fußball-WM besonders hoch", betont Kröger. Gerade Kinder und Jugendliche konsumieren gerne Lebensmittel, die in Zusammenhang mit der WM und ihren Idolen, den Sportlern, beworben werden.

Verbraucher unterschätzen jedoch, wie viele Kalorien sie und ihre Kinder damit zu sich nehmen, erklärt Dr. Kröger: "Ein klassisches Fast Food-Menü mit 0,3 Liter Coca-Cola plus ein Big Mac enthält 1023 Kalorien. Dafür müsste ein erwachsener Mann (50 Jahre alt, 180 cm groß, 90 Kilogramm schwer) 13 Mal seinen Grundumsatz aufwenden, um diese Kalorien innerhalb einer Stunde wieder abzuarbeiten. Das hieße konkret: 118 Mal die Längsseite eines Fußballfeldes zügig gehen und dabei 27.300 Schritte zurücklegen oder 85 Minuten Fußball spielen. Eine Frau (50 Jahre alt, 165 cm groß, 65 Kilogramm schwer) müsste 19 Mal ihren Grundumsatz aufwenden und etwa 243 Mal zügig das Fußballfeld mit 36855 Schritten ablaufen oder 110 Minuten Fußball spielen."

Welche Programme, Motivationsanker und politische Maßnahmen aus der "Sitz-Falle" führen, erläutern Experten auf der Pressekonferenz "Sportmuffel-Weltmeister Deutschland?!" am 12. Juni 2018 in Berlin. Dort wird auch Agata Mongioví-Bonafé, Sängerin und ehemalige Teilnehmerin der TV-Show "The Biggest Loser", berichten, wie sie 48 Kilo verlor und damit auf Diabetes-Medikamente verzichten konnte.

Bildunterschrift: Christoph Daum
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

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zuletzt bearbeitet: 07.06.2018 nach oben

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