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Gesundheitsförderung positiv, aber Zuckersteuer fehlt

Diese Ampel hat ernährungspolitisch eine gelbe Färbung

Diabetes-Organisationen fordern eine Steuer auf Zucker. Die gemeinnützige Gesundheitsorganisation diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe und der Landesverband NRW der Deutschen Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M) begrüßen das im Koalitionsvertrag der neuen Regierung genannte Vorhaben eines Nationalen Präventionsplans, der unter anderem konkrete Maßnahmenpakete zu Diabetes vorsieht. Auch die Entscheidung, die Patientenvertretung mit einer Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu stärken, sehen die Organisationen positiv. Angesichts der aktuell 8,5 Millionen betroffenen Menschen mit Diabetes und der Zahl von 1700 täglichen Neuerkrankungen ist es allerdings unverständlich, dass die Zuckersteuer wohl in letzter Minute auf Einwirkung der FDP gestrichen wurde.

"Wir fordern seit Jahren konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Diabetes-Pandemie. Gut ist daher, dass der Koalitionsvertrag nun unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung diese im Rahmen eines Nationalen Präventionsplans vorsieht", sagt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. "Positiv zu bewerten ist auch, dass es an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben soll, auch wenn hier noch nicht klar ist, ob die Formate sich auch auf YouTube und Social Media beziehen."

Kritisch sieht die Organisation allerdings, dass der Koalitionsvertrag keine Zuckersteuer vorsieht. "Da hat die neue Regierung einen wichtigen Aspekt liegengelassen und zu sehr eine gelbe Färbung der Ampel zugelassen", kommentiert Kröger die fehlende Zuckersteuer, die zum Beispiel im April 2018 in Großbritannien eingeführt wurde und dort nachweislich zu einem niedrigeren Zuckergehalt in Getränken geführt hat. Gleichzeitig ist der Absatz von Wasserflaschen und zuckerarmen Getränken in Großbritannien um 40 Prozent gestiegen.[*] "Das hätten wir uns auch für Deutschland gewünscht, ganz klar, denn wir wissen seit langem, dass zu viel Zucker Übergewicht und Diabetes Typ 2 fördern kann."

Positiv dagegen sehen die Organisationen den breit angelegten, dringend benötigten Ausbau der Pflege in der Ausbildung und Honorierung. "Die Versorgung von Pflegebedürftigen gestaltet sich zurzeit noch so, dass die Pflegekräfte auf die Versorgung von Diabetikern sehr oft nicht ausreichend vorbereitet sind. Hierdurch entsteht oft eine lange Fehlversorgung, die den Stoffwechselhaushalt der diabetischen Patienten sehr schädigen kann und hierdurch unter Umständen schwerwiegende Folgeschäden (unter anderem Erblindung, Amputationen, Herzinfarkt oder Schlaganfall) auslöst", sagt Norbert Kuster, Landesvorsitzender der Selbsthilfeorganisation DDH-M NRW. Besonders betroffen seien hiervon insulinpflichtige Diabetiker, die es über Jahrzehnte gewohnt waren, ihre Therapie eigenverantwortlich gut zu managen: "Diese Pflegereform ist die Chance, das zu ändern."

Quellen

* Bandy et. al, Reductions in sugar sales from soft drinks in the UK from 2015 to 2018, BMC Medicine 2020

Bildunterschrift: Diabetes-Organisationen fordern eine Steuer auf Zucker.
Bildquelle: www.DiabSite.de

zuletzt bearbeitet: 25.11.2021 nach oben

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