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Deutsche Diabetes Gesellschaft - Jahrestagung 2021

Pressemitteilung: Dexcom Deutschland GmbH

Mit rtCGM und iCGM Hypoglykämien vermeiden statt behandeln

Smartphone und -watch + Dexcom G6. Der DDG-Kongress fand dieses Jahr erneut online statt und trug den Titel "Präzisionsmedizin - eine Reise in die Zukunft der Diabetologie". Hier setzte auch das Digitale Dexcom Symposium (DDS) an: "Bolen, Pumpen, Loopen: Neue interoperable Lösungen des Dexcom G6 mit 3 starken Partnern. Unser Auftrag: Time in Range und Hypowahrnehmungsstörungen verbessern!" Unter diesem Motto führte Sandra Schlüter (Diabetespraxis Northeim) als Moderatorin durch die Veranstaltung, in der Interoperabilität von Diabetestechnologien - insbesondere die Verknüpfung von Sensor und Insulinpumpe - ein großes Thema war. In diesem Zusammenhang ging es unter anderem um Messgenauigkeit und die telemedizinische Nutzung interoperabler Systeme (iCGM) im Beratungs- und Diabetesalltag. Aus psychologischer und diabetologischer Sicht beleuchteten die Referenten die Themen Hypoglykämie und Wahrnehmungsstörungen, schilderten die Herausforderungen und Lösungen in der Schwangerschaft mit Diabetes und zeigten, auf welche Weise iCGM und rtCGM wie das Dexcom G6 eine Unterstützung im Diabetesmanagement sein können.

iCGM-Systeme sind jetzt Alltag - und Messwerte wichtiger denn je

Technologische Unterstützer wie z. B. ein Glukose-Monitoring-System (rtCGM) oder interoperable CGM-Systeme (iCGM) sind längst Bestandteil der Diabetesberatung und des täglichen Diabetesmanagements. Die Einsatzmöglichkeiten zur Erleichterung des Diabetesalltages erklärte Dipl. oec. troph. Heike Recktenwald (Dexcom), praktische Anwendungsbeispiele lieferte Dr. Oliver Schubert-Olesen (Diabeteszentrum Hamburg City). "Die essentielle Grundlage für ein erfolgreiches Diabetesmanagement und für die Vernetzung mit Insulinpumpen sind die genauen Messwerte des iCGM-Systems in allen Glukosebereichen, die als Grundlage für alle weiteren manuellen Therapieentscheidungen oder automatischen Insulinanpassungsschritte eines AID-Systems dienen. Ein messgenauer, zuverlässiger Sensor[1] ist daher unverzichtbar", erklärte Frau Recktenwald. Soll ein rtCGM aber auch als iCGM in der Diabetesbehandlung eingesetzt werden, muss es einer Reihe strenger, von der FDA (U. S. Food and Drug Administration) definierter Anforderungen[2] gerecht werden - Dexcom G6 erfüllt und übertrifft diese Vorgaben.[3] Neben der hohen Messgenauigkeit[1] braucht es intelligente Algorithmen für die zuverlässige Kommunikation zwischen den Geräten: Das Zusammenspiel beider Komponenten ist entscheidend für die Leistung z. B. einer Insulinpumpe, welche die übermittelten Glukosewerte zur Berechnung der Insulindosis nutzt. Das Dexcom G6 hat bereits von Haus aus ein ganzes Ökosystem zur individuellen Therapiegestaltung (etwa die prädiktive Warnung "Urgent Low Soon" , Share-Funktion , cloudbasierte Software Dexcom CLARITY[6]). Das Netzwerk wächst immer weiter und so kann das Dexcom G6 bereits mit verschiedenen etablierten Insulinpumpen interoperieren – namentlich der t:slim X2 Insulinpumpe (Tandem, vertrieben durch VitalAire) und der Accu-Chek Insight (Roche). Seit kurzem ist auch die Kommunikation mit mylife™ Assist[7]  (Ypsomed) möglich.

Was die Algorithmen können: Unterstützung bei Basal- und Bolusabgabe

Um die Verbindung zwischen dem Dexcom G6 und dem jeweiligen Insulinabgabesystem zu schaffen, haben die Hersteller verschiedene technische Lösungen gewählt, wie etwa ein Software-Update oder einen neu programmierten Algorithmus. Entsprechend individuell sind auch die Funktionalitäten, die die neu entstandenen iCGM-Systeme mitbringen.

Die t:slim X2 Insulinpumpe von Tandem kann dank Basal-IQTM Technologie bereits selbst auf Grundlage der Dexcom G6-Messwerte die Abgabe der Basalrate unterbrechen oder fortsetzen. Mit dem Control-IQTM wird der Schritt zum Hybrid-Closed-Loop-System vollzogen, das bedarfsgerecht zusätzliche Insulineinheiten im Sinne einer Insulinkorrektur bei hohen Werten - wie z. B. bei Fehleinschätzungen der Kohlenhydratmenge bei einer Mahlzeit - abgeben kann. Roches Accu-Chek Insight kommt mit dem selbstlernenden Algorithmus DBLG1 (Diabeloop), der sich über die Nutzungsdauer immer besser den Bedürfnissen der Nutzer anpasst, berichtete Dr. Oliver Schubert-Olesen, Diabeteszentrum Hamburg, aus seinem aktuellen Praxistest. "Mit dieser neuen Technik kann jeder zum Looper werden, ohne Mechaniker oder Programmierer sein zu müssen. Damit ist es möglich, dass man auf 80 Prozent Zeit im Zielbereich kommen kann." Ypsomed integriert mit dem aktuellen Update der mylife™ App (mylife™ Assist[7]) die Sensordaten des Dexcom G6 in die mylife App. Dort stehen dann unter anderem die Glukoseverläufe und ein Bolusrechner zur Verfügung, mit dessen Hilfe sich ein Vorschlag für die benötigte Insulinmenge berechnen lässt. Die Nutzer müssen das Insulin händisch über die Pumpe anfordern.

Die Insulinverabreichung verändert sich mit der neuen Technik also ganz entscheidend. In diesem Zusammenhang betonte auch Dr. Schubert-Olesen noch einmal die Relevanz der Messgenauigkeit und lenkte dann zusätzlich das Augenmerk auf die Bedeutung der Trendpfeile, die immer wichtiger werden, während die BE-Berechnung mehr und mehr in den Hintergrund tritt.

Welche Vorteile bringt die Interoperabilität zwischen Sensor und Pumpe im Diabetesalltag? Dr. Schubert-Olesen brachte praktische Beispiele und aktuelle Studienergebnisse mit: signifikant mehr Time in Range (TiR) bei Verwendung des Dexcom G6-Sensors zusammen mit der t:slim X2 Insulinpumpe mit Control-IQ™ 8]. Deutlich weniger Zeit im hypoglykämischen Bereich (< 70 mg/dl, < 60 mg/dl, < 50 mg/dl) mit dem Basal-IQ™ Algorithmus im Vergleich zur Sensor Augmented Pump Therapy (SAP) - und das ohne Rebound-Hyperglykämien.[9] Eine schwangere Frau mit Diabetes Typ 1 seit 19 Jahren und einem geschätztem HbA1C[10] von 5,0 % und einer TiR von 89 % in der 28. Schwangerschaftswoche. Dabei seien die Ergebnisse in der Praxis noch besser als in den Studien. Der Grund, da ist er überzeugt, sind die Schulungen für den kompetenten Umgang mit den neuen Möglichkeiten.

Schwangere als wichtige Zielgruppe

Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf (Perinatalzentrum St. Joseph Krankenhaus & Charité Berlin, und Mitautorin der DDG Leitlinie Diabetes und Schwangerschaft) zeigte in ihrem Vortrag die Studienlage zum potenziellen Einsatz von Insulinpumpen und rtCGM-Systemen in der Schwangerschaft auf. Die CONCEPTT-Studie weist darauf hin, dass Frauen mit Diabetes im 3. Trimenon (34. SSW), einem Schwangerschaftsabschnitt mit besonders hohem Insulinbedarf, mithilfe eines rtCGMs mehr Zeit im Zielbereich verbringen.[11] Ein rtCGM-System in der Schwangerschaft wurde bisher nicht selbstverständlich seitens der Krankenkasse erstattet, so Prof. Dr. Schäfer-Graf, daher sei der G-BA Beschluss vom 16. Januar 2020[12] von Bedeutung, der formuliert, dass Frauen in der Schwangerschaft der Einsatz eines rtCGMs zu empfehlen ist.

Dr. Schubert-Olesen, Diabeteszentrum Hamburg, der selbst viele schwangere Frauen mit Diabetes betreut, ergänzte, dass ein rtCGM-System in der Schwangerschaft unverzichtbar sein könne, da die strengen Therapieziele[13] mit Hilfe der technologischen Unterstützung, einer gezielten Schulung und Begleitung durch das Diabetesteam in der Schwangerschaft erfolgreich erreicht werden können sowie Komplikationen für Mutter und Kind vermieden werden können. Die CONCEPPT-Studie zeige zudem eine HbA1c-Senkung mithilfe eines CGMs (Blutzuckerselbstkontrolle in der Vergleichsgruppe)[11] sowie eine 5 %-ige Senkung der Zeit oberhalb des Zielbereiches (TAR) in der 34. Schwangerschaftswoche.[14] Diese signifikante Senkung der TAR stehe in Assoziation mit der Senkung von neonatalen Komplikationen (LGA, neonatale Hypos und NICU-Raten).[14] Die CGM-Gruppe verbrachte zudem zu Beginn der Schwangerschaft 6 % der Zeit im hypoglykämischen Bereich (1,4 h/Tag), was sich bis zur 34. Schwangerschaftswoche auf 3 % (0,7 h/Tag) mit Hilfe eines rtCGM-Systems reduzierten ließ; P = 0,10.[14]

Hypoglykämien reduzieren mit rtCGM und Wahrnehmungstrainings

PD Dr. Dominic Ehrmann (Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim, FIDAM) zeigte den teilnehmenden Diabetes-Teams, wie verbreitet Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen sind: Etwa die Hälfte aller Menschen mit einer Diabetesdauer von über 25 Jahren hat eine solche Wahrnehmungsstörung und damit ein sechsfach erhöhtes Risiko für schwere Hypoglykämien.[15] "Die perfekte Hypo-Wahrnehmung gibt es nicht. Das zeigen uns rtCGM-Studien: Selbst bei Menschen, die laut Clark- und Gold-Score als "hypo-aware" gelten, treten unbemerkte Hypoglykämien auf." Studien zeigen, dass rtCGM-Systeme wie das Dexcom G6 ein signifikanter Vorteil bei der Vermeidung von Hypoglykämien sind.[16,17] Sie können im Kampf gegen die Hypo-Wahrnehmungsstörung also indirekt unterstützen, da sie helfen können, den Teufelskreis aus Hypoglykämien, die das Risiko für mehr Hypoglykämien erhöhen, zu durchbrechen. Damit das klappen kann, braucht es neben der modernen Technik auch solide Schulungen: "Wir müssen Bewusstsein schaffen, warum es wichtig ist, niedrige Werte zu vermeiden - und müssen gleichzeitig sicherstellen, dass die Menschen richtig damit umgehen können, wenn sie hohe Werte auf dem rtCGM sehen, statt aus Frust über hohe Werte lieber niedrige Werte in Kauf zu nehmen." Dabei sieht er noch Aufklärungsbedarf bezüglich des allgemeinen Risikobewusstseins im Hinblick auf niedrige Werte.[18] Wenn Technik und Training Hand in Hand gehen, können die Funktionen von rtCGM und iCGM viel bewirken: Beispielsweise können Warnungen (wie die prädiktive Hypoglykämiewarnung "Urgent Low Soon") und Alarme sowie Trendpfeile die eigene Wahrnehmung unterstützen, da diese prädiktive Information bei der kurzfristigen Lebensstilplanung helfen kann und es der Einzelperson ermöglichen kann, Maßnahmen zur Vermeidung von Hypo- und Hyperglyämien[19] zu ergreifen - die prädiktive Vorwarnung des Dexcom G6 hilft auch dabei, Rebound-Hyperglykämien zu reduzieren, wie eine aktuelle Studie zeigt.[20]

Fazit: Viel Potenzial für Therapieverbesserung bei Diabetes

Die Technik ist da, wir müssen sie nur nutzen - so lässt sich die aktuelle Situation in der Diabetestherapie zusammenfassen. Weder rtCGM noch iCGM oder Apps ersetzen die fachliche Betreuung durch das Diabetesteam, können effizient angewendet aber deutlich entlasten und dabei helfen, die individuellen Therapieziele zu erreichen. Das Dexcom G6 bietet durch eine individuell definierte interoperable Nutzung mit anderen Systemen viele Einsatzmöglichkeiten im Diabetesalltag und ermöglicht Menschen mit Diabetes mehr Lebensqualität[21] und Freiheiten im Alltag. Diabetesteams profitieren von einer effizienten Datenanalyse der Glukosewerte mittels Softwarelösungen und Online-Datenaustausch. Kontaktlose telemedizinische Konsultationen sind besonderes unter Corona-Bedingungen sehr beliebt und ermöglichen eine zeitnahe Abstimmung mit den Betroffenen, die nachhaltig positive klinische Effekte durch eine schnellere und moderne Patientenbetreuung zeigen.

Quellen

  1. Shah VN et al. Performance of a Factory-Calibrated Real-Time Continuous Glucose Monitoring System Utilizing an Automated Sensor Applicator. Diabetes Technol Ther. 2018;20(6):428–433

  2. FDA. Review of De Novo request for classification of the Dexcom G6 Continuous Glucose Monitoring System. S. 1ff. Letzter Zugriff am 09.07.2021

  3. FDA. FDA authorizes first fully interoperable continuous glucose monitoring system, streamlines review pathway for similar devices..

  4. Bedienungsanleitung Dexcom G6: Verwendung Ihres G6. Gebrauchsanweisungen. © 2018 Dexcom, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

  5. Zur Übertragung von Daten ist eine Internetverbindung erforderlich. Zum Folgen ist die Verwendung der Follow-App erforderlich. Follower sollten die Messwerte der Dexcom G6 App oder des Empfängers vor dem Treffen von Behandlungsentscheidungen immer bestätigen. Liste kompatibler Geräte.

  6. Fur die Nutzung von Dexcom CLARITY ist eine Lizenz erforderlich, um mit dem deutschen Antikorruptionsgesetz konform zu sein. Fachkreisangehörige oder Einrichtungen verpflichten sich, Dexcom unter 0800 724 6447 zu kontaktieren oder www.dexcom-community.de/clarity aufzurufen, um diese Lizenz zu erwerben.

  7. Kompatibel mit iOS- und Android-Geräten. Die Funktion mylife Assist ist aktuell nur für Android verfügbar. Für iOS folgt sie in Kürze.

  8. Scaramuzza A. Control-IQ technology enhanced by educative path in diabetes children. Diabetes Research and Clinical Practice. 2020; 169: 108525

  9. Forlenza GP et al. Predictive Low-Glucose Suspend Reduces Hypoglycemia in Adults, Adolescents, and Children With Type 1 Diabetes in an At-Home Randomized Crossover Study: Results of the PROLOG Trial. Diabetes Care. 2018 Oct; 41(10): 2155-2161

  10. Geschätzter HbA1c-Wert basierend auf Glukosedaten: erfordert mind. 12 Tage Sensorverwendung mit mind. 66 % Tragezeit.

  11. Feig DS et al. CONCEPTT Collaborative Group. Continuous glucose monitoring in pregnant women with type 1 diabetes (CONCEPTT): a multicentre international randomised controlled trial. Lancet. 2017 Nov 25;390(10110):2347-2359.

  12. Zu den Voraussetzungen im Einzelnen vgl. Beschluss des G-BA vom 16. Januar 2020 Letzter Zugriff am 13.07.2021

  13. Battelino T et al, Diabetes Care. 2019 Aug;42(8):1593-1603. doi: 10.2337/dci19-0028. Epub 2019 Jun 8

  14. Murphy H. Intensive Glycemic Treatment During Type 1 Diabetes Pregnancy: A Story of (Mostly) Sweet Success!

  15. Lin YK et al. Hypoglycemia unawareness and autonomic dysfunction in diabetes: Lessons learned and roles of diabetes technologies. Journal of Diabetes Investigation. 2020; 11 (6): 1388–1402

  16. Heinemann L et al. Real-time continuous glucose monitoring in adults with type 1 diabetes and impaired hypoglycaemia awareness or severe hypoglycaemia treated with multiple daily insulin injections (HypoDE): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet. 2018; 391(10128):1367–1377

  17. Pratley RE et al. Wireless Innovation for Seniors With Diabetes Mellitus (WISDM) Study Group. Effect of Continuous Glucose Monitoring on Hypoglycemia in Older Adults With Type 1 Diabetes: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2020; 323(23): 2397-2406

  18. Cook AJ et al. Cognitions Associated With Hypoglycemia Awareness Status and Severe Hypoglycemia Experience in Adults With Type 1 Diabetes. Diabetes Care. 2019; 42 (10): 1854-1864

  19. Lawton J et al. Patients' and caregivers' experiences of using continuous glucose monitoring to support diabetes self-management: qualitative study. BMC Endocr Disord. 2018 Feb 20;18(1):12

  20. Acciaroli G et al.Mitigation of Rebound Hyperglycemia With Real-Time Continuous Glucose Monitoring Data and Predictive Alerts. J Diabetes Sci Technol. 2021 Jan 5; doi  10.1177/1932296820982584.

  21. Gilbert TR et al. Change in Hemoglobin A1c and Quality of Life with Real-Time Continuous Glucose Monitoring Use by People with Insulin-Treated Diabetes in the Landmark Study. Diabetes Technology & Therapeutics 2021; 23(S1): 35-39

Bildunterschrift: Smartphone und -watch + Dexcom G6.
Bildquelle: Dexcom Deutschland GmbH

zuletzt bearbeitet: 12.10.2021 nach oben

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