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Sprechende Medizin muss gestärkt werden

DDG und VDBD warnen vor Versorgungsengpässen für Menschen mit Diabetes

Professor Andreas Neu, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft Die stark steigende Zahl betreuungsintensiver, häufig älterer Patientinnen und Patienten macht es notwendig, die Sprechende Medizin zu stärken. Das fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in ihrem aktuellen Positionspapier zur Bundestagswahl 2021. Auch der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) sieht einen hohen Bedarf an einer auf den gesamten Menschen ausgerichteten Medizin. Von den fast acht Millionen Menschen mit Diabetes entwickelt ein hoher Anteil im Laufe der Zeit schwer einschränkende Begleiterkrankungen. Je besser sie versorgt sind, umso besser ist ihr Stoffwechsel eingestellt und die oft schwerwiegenden Folgen wie Herzinfarkt, Amputationen, Erblindung oder Nierenversagen lassen sich vermeiden. Dafür bedarf es gut ausgebildeter diabetologischer Fachkräfte. Außerdem müssen Betroffene befähigt werden, aktiv mit der eigenen Krankheit umzugehen. Voraussetzung dafür ist der enge und vertrauensvolle Austausch zwischen Behandlungsteam und Patient.

Bis zum Jahr 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahren sein. Viele von ihnen erkranken früher oder später an verschiedenen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, chronischen Lungenerkrankungen und Krebs. 2040 werden schätzungsweise zwölf Millionen Menschen eine Diabeteserkrankung entwickelt haben, die meisten Diabetes Typ 2. Gleichzeitig wird bis zu diesem Zeitpunkt die Zahl der aktiven Diabetologinnen und Diabetologen deutlich sinken. Ein Drittel ist heute schon älter als 50 Jahre. Um Nachwuchs in ausreichender Zahl auszubilden, muss die Diabetologie deutlich besser im Studium verankert werden. Dazu ist ein Ausbau der klinischen Lehrstühle für Diabetologie zwingend notwendig. "In den letzten Jahren haben sich diese fast halbiert. Bund und Bundesländer müssen dafür sorgen, dass deren Anzahl an den 37 medizinischen Fakultäten in Deutschland wieder deutlich steigt. Sonst laufen wir mittelfristig in ein Versorgungsdefizit", warnt DDG Präsident Professor Dr. med. Andreas Neu. "Je weniger Experten Diabetologie lehren, desto weniger Berufsanfänger werden sich für eine Karriere in der Diabetologie entscheiden."

Erschwerend komme hinzu, dass Kliniken seit Jahren Stellen und Betten in der Diabetologie abbauen, so dass die Weiterbildung des Nachwuchses in allen Gesundheitsberufen dort nicht mehr erfolgen kann. "An allen großen Versorgungskrankenhäusern muss die Diabetologie als selbstständige Einheit erhalten bleiben. Immerhin leidet etwa ein Viertel aller Krankenhauspatienten an Diabetes", fordert DDG Vizepräsident Professor Dr. med. Andreas Fritsche. "Ein wesentlicher Teil der Therapie von Menschen mit Diabetes besteht im Gespräch, in Information und Aufklärung durch ein multiprofessionelles Diabetesteam", so Fritsche. "Genau das sind jedoch Leistungen, für die Kliniken im Rahmen des DRG-Systems praktisch kein Geld erhalten. In unserer Hochleistungsmedizin wird eine informierende, aufklärende und patientenzentrierte Versorgung zu wenig wertgeschätzt. Eine angemessene Vergütung dieser Leistungen muss daher endlich umgesetzt werden, sonst werden künftig Diabetologen und Personal in der Diabetesbehandlung fehlen und sich damit die Versorgung der Patienten deutlich verschlechtern“, so Fritsche.

Auch der VDBD fordert, das Potenzial der Digitalisierung patientenorientiert zu nutzen. "Die Digitalisierung ermöglicht effizientere Prozesse, trägt zur Patientensicherheit bei und unterstützt die Patienteninformation und -kommunikation", sagt Dr. rer. medic. Nicola Haller, Vorstandsvorsitzende des VDBD. "Sie schafft damit Freiräume im Arbeitsalltag, die beispielsweise für das Patienten-Gespräch genutzt werden können." Schon heute machen Diabetesfachkräfte und Diabetologen sehr gute Erfahrungen, indem sie auf digitale Versorgungsmodelle setzen, die von der Telemedizin bis zum digital orientierten Therapiemanagement reichen. Außerdem sind die Behandelnden in der professionellen Kommunikation mit chronisch, oft multimorbiden Kranken, erfahren. Die Kombination dieser beiden Kompetenzen könnte als Modell zukunftsweisend für die Gesamtmedizin sein: Die Digitalisierung intelligent eingesetzt, kann das ärztliche Handeln wertvoll ergänzen und damit dem medizinischen Personal ermöglichen, sich wieder auf das zu fokussieren, was ihren Beruf im Kern ausmacht - die empathische Begleitung von Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes.

Link zu den politischen Positionen der DDG: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/politik

Bildunterschrift: DDG Präsident Professor Dr. med. Andreas Neu
Bildquelle: www.DiabSite.de

zuletzt bearbeitet: 16.07.2021 nach oben

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