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Nationale Diabetes-Strategie vor dem Aus?

Pressemitteilung: Diabetes-Portal DiabSite

Koalition streitet über zuckerhaltige Lebensmittel

Barbara Bitzer, Geschäftsfürerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft In Deutschland leben mehr als 7 Millionen Menschen mit Diabetes (auch "Zuckerkrankheit" genannt). CDU und SPD hatten deswegen im Koalitionsvertrag 2018 beschlossen, eine "Nationale Diabetes-Strategie" auf den Weg zu bringen. Dieser deutschlandweite Rahmenplan soll Eingang in Gesetze zu Gesundheit, aber auch zu Ernährung und Erziehung finden, mit dem Ziel, der Erkrankung vorzubeugen und das Versorgungsangebot für Diabetiker/innen nachhaltig zu verbessern. "Aktuell liegt die Strategie auf Eis.", sagt Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Seit Jahren fordern Diabetesorganisationen eine Zucker- und Fett-Steuer, mehr Sport in Schulen, Werbeverbote für ungesunde Produkte und gesünderes Kantinenessen. Doch während Finnland, Großbritannien und Österreich längst einen nationalen Diabetesplan beschlossen und umgesetzt haben, fehlt er bis heute in Deutschland.

Warum droht die Nationale Diabetes-Strategie zu scheitern?

Streit gibt es um den Vorschlag der SPD, Zucker in Lebensmitteln zu reduzieren und Süßigkeiten bei Kindern und Jugendlichen nicht zu bewerben. Die Gesundheitspolitiker von CDU und CSU haben diesem Vorschlag zugestimmt. Doch die Ernährungspolitiker der Union möchten beide Punkte gestrichen sehen. Hintergrund dafür dürfte die Haltung von Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sein. Sie vermeidet grundsätzlich verbindliche Vorgaben für Lebensmittelhersteller und stellt die Eigenverantwortung der Verbraucher in den Vordergrund.

Auf die Zuckerreduktion mittels gesetzlicher Vorgaben für die Hersteller und das Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel will die SPD-Gesundheitspolitikerin Bärbel Bas nicht verzichten. Sie ist allerdings bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen, wie sie Inforadio mitteilte.

Ein Kompromissvorschlag ist noch nicht in Sicht. Diabetes-Organisationen fürchten deshalb, dass die gesamte Nationale Diabetes-Strategie letzten Endes an der starken Lobby der Industrie scheitern könnte.

Barbara Bitzer appelliert an die entsprechenden Ernährungspolitiker, ihre Blockadehaltung aufzugeben und das im Koalitionsvertrag verankerte Versprechen zu erfüllen, Diabetes endlich gezielter zu bekämpfen.

Quellen

Bildunterschrift: Barbara Bitzer, Geschaftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft.
Bildquelle: www.DiabSite.de

Autor: hu; zuletzt bearbeitet: 18.02.2020 nach oben

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