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Ohne Gesundheitsfachberufe geht es nicht

Expertentenstatement zum Vortrag von Dr. Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD), Berlin, im Rahmen einer-Pressekonferenz zur Nationalen Diabetes-Strategie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 11. September 2019 in Berlin.

Bessere Rahmenbedingungen für Diabetesberaterinnen schaffen

Mit dem Koalitionsvertrag 2018 hat sich die Regierungskoalition nicht nur zu einer Nationalen Diabetes-Strategie, sondern auch zu einer Aufwertung der Gesundheitsfachberufe verpflichtet. Der Berufsverband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe VDBD und die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft DDG begrüßen in einem gemeinsamen Positionspapier die Neuordnung der Gesundheitsfachberufe (s. gemeinsame Stellungnahme "Gesamtkonzept zur Neuordnung und Stärkung der Ausbildung der Gesundheitsfachberufe" vom 27.06.2019).

Im Falle der Diabetesberatung bedeuten Aufwertung und Neuordnung aus Sicht des VDBD:

Konkret fordert der VDBD - unterstützt von der DDG - die Überführung der Weiterbildung zur Diabetesberaterin DDG in einen dreijährigen dualen Ausbildungsberuf auf der Basis eines auf Bundesebene geregelten Berufsgesetzes. Damit soll ein "Integrated Care-Therapeut" als attraktives Berufsbild geschaffen werden, um der chronischen Erkrankung Diabetes mellitus in ihrer Komplexität mit den assoziierten Folge- und Begleiterkrankungen und der Versorgung aller Altersklassen gerecht zu werden.

Auch wenn in der Öffentlichkeit kaum bekannt, sind Diabetesberaterinnen eine tragende Säule in der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie arbeiten in Delegation stationär oder ambulant sowie angestellt oder als Selbständige. Zu den Aufgaben einer Diabetesberaterin gehören unter anderem Anamnese diabetesbezogener Daten, Schulung und Begleitung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1, Typ 2 oder Gestationsdiabetes und Sonderformen, Umsetzung der ärztlich angeordneten Therapie, patientenzentrierte Beratung nach aktuellen wissenschaftlichen Standards sowie Empowerment des Patienten für ein erfolgreiches Selbstmanagement. Diabetesberaterinnen ermöglichen eine informierte und gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten, die in allen medizinischen Leitlinien und im Patientenrechte-Gesetz gefordert wird. Aktuell leben mehr als sieben Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland (Heidemann 2017).

Die rund 4.700 Diabetesberaterinnen, die in den letzten drei Dekaden die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen haben, decken schon heute in manchen Regionen Deutschlands nicht den Bedarf an qualifizierten Diabetesfachkräften. Diabetesberaterinnen sind aber nicht nur eine tragende Säule in der bisherigen Versorgung von Diabetespatienten, sie spielen auch eine entscheidende Rolle in der erfolgreichen Umsetzung innovativer digitaler Versorgungskonzepte. Der VDBD sieht in der Digitalisierung und in E-Health-Anwendungen großes Potenzial für eine verbesserte Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus und deren Lebensqualität durch neue Diagnose- und Behandlungsansätze.

Angesichts der prognostizierten nahezu Verdoppelung der Zahl der Menschen mit Diabetes mellitus auf rund 12 Millionen bis 2040 (Tönnis 2019) und der bereits bestehenden Versorgungslücken in ländlich strukturierten Gebieten sind insbesondere die telemedizinischen Versorgungskonzepte von Bedeutung, die medizinische Leistungen der Gesundheitsversorgung über räumliche Entfernungen hinweg mit Hilfe des Einsatzes digitaler Technologien ermöglichen. Dazu gehört beispielsweise das telemedizinische Diabetes-Coaching, das von qualifizierten Diabetesberaterinnen umgesetzt wird.

Der VDBD stellt sich den aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen und ist digitalen und innovativen Versorgungsmodellen gegenüber aufgeschlossen. Um auch zukünftig unter veränderten Vorzeichen die gegenwärtige Versorgungsqualität von Diabetespatienten aufrechterhalten zu können, sind strukturelle Veränderungen und das Aufbrechen veralteter Denkmuster notwendig. Mit anderen Worten: es muss ein inhaltlich und monetär attraktives Berufsbild geschaffen werden, das über die reine Diabetesberatung hinausgeht und auch Diabetes assoziierte Folge- und Begleiterkrankungen im Sinne eines "Integrated Care-Therapeuten" einbezieht. Denn ohne qualifizierte Gesundheitsfachkräfte wird es nicht gehen!

Der VDBD (Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V.) ist der Berufsverband von Diabetesberaterinnen DDG, Diabetesassistentinnen DDG und weiterer qualifizierter Fachkräfte, die sich gezielt für Menschen mit Diabetes mellitus und assoziierte Erkrankungen engagieren. Derzeit zählt der Verband rd. 3.950 Mitglieder (www.vdbd.de).

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Literatur

  • Gesundheitsberufe neu denken. Gesundheitsberufe neu regeln. Eine Denkschrift der Robert-Bosch-Stiftung. 2013.

  • Heidemann C, Kuhnert R, Born S, Scheidt-Nave C. 12-Monats-Prävalenz des bekannten Diabetes mellitus in Deutschland: Robert Koch-Institut, Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung; 2017.

  • Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 19. Legislaturperiode. Ein neuer Aufbruch für Europa.

  • Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land (PDF).

  • Krüger-Brand, H E. Digitale Gesundheitskompetenz: Datensouveränität als Ziel. In: Deutsches Ärzteblatt, Vol. 116, Nr. 10, 2019 A-468/B-382/C-378.

  • Stellungnahme des VDBD und der DDG (PDF) im Rahmen der schriftlichen Beteiligung der Verbände Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Gesamtkonzept zur Neuordnung und Stärkung der Ausbildung der Gesundheitsfachberufe", 27.06.2019.

  • Tönnies, T. et al. Projected number of people with diagnosed Type 2 diabetes in Germany in 2040. Diab Med 2019.

zuletzt bearbeitet: 03.10.2019 nach oben

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