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Nationale Diabetes-Strategie

Expertentenstatement zum Vortrag von Sabine Dittmar, Mitglied des Deutschen Bundestages, Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und Ärztin, im Rahmen einer-Pressekonferenz zur Nationalen Diabetes-Strategie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 11. September 2019 in Berlin.

Politische Kräfte bündeln und wirksame Maßnahmen implementieren

Die Vermeidung von chronischen Krankheiten, die durch den Lebensstil, durch Umwelt- und Arbeitsbedingungen und die soziale Lage bedingt oder beeinflussbar sind, und die gute Versorgung von chronisch kranken Menschen haben eine hohe gesundheitspolitische Priorität. Mit dem Koalitionsvertrag haben sich CDU, CSU und SPD deshalb verpflichtet, verstärkt gegen sogenannte Volkskrankheiten vorzugehen und dazu auch eine Nationale Diabetes-Strategie zu initiieren. Als Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker der Koalitionsfraktionen im Bundestag beraten wir derzeit die wesentlichen Bestandteile, die eine Nationale Diabetes-Strategie der Bundesregierung aus unserer Sicht haben sollte. Dem Ergebnis unserer Beratungen kann und möchte ich nicht vorgreifen.

Unabhängig davon will ich auf drei mir persönlich wichtige Aspekte eingehen: Die hohen Risiken insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien für eine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus Typ 2 sowie die Entwicklung der Erkrankungszahlen hier geben nach wie vor Anlass zur Sorge. Wir sehen, dass die Krankenkassen unter den veränderten Rahmenbedingungen des Präventionsgesetzes 2015 erhebliche Anstrengungen unternommen haben, mit gesundheitsfördernden Maßnahmen stärker in den Alltag von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien vorzudringen.

Der erste Präventionsbericht der Nationalen Präventionskonferenz macht aber noch einmal deutlich, dass messbare und nachhaltige Erfolge nur dann erzielt werden können, wenn Gesundheitsförderung ressortübergreifend in allen Politikfeldern und von allen verantwortlichen Akteuren verbindlich als Aufgabe wahrgenommen wird. Die Nationale Präventionskonferenz fordert einen "gesamtgesellschaftlichen Aufbruch". Das müssen wir ernst nehmen. Wir werden den Bericht der Nationalen Präventionskonferenz wie im Koalitionsvertrag vereinbart mit dem Koalitionspartner beraten, um zu Eckpunkten zur Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes zu kommen.

Gesundheitsförderung ist auch eine ernährungspolitische Aufgabe. In der Diskussion über Diabetesprävention können Ernährungsfragen deshalb nicht unbeachtet bleiben. Andernfalls bearbeiten wir weiter vor allem die Symptome und weniger die Ursachen für chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2. Als Gesundheitspolitikerin und Ärztin wünsche ich mir insofern mehr Mut bei Nährwertkennzeichnung, Werbebeschränkungen und der Reduktion von Zucker in zuckergesüßten Getränken.

Dringenden Handlungsbedarf sehe ich bei der Versorgung von stark übergewichtigen und adipösen Menschen. Auch hier sind zunehmend Kinder und Jugendliche betroffen. Die Risiken für chronische Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck sind für stark übergewichtige und adipöse Menschen besonders hoch, die psychosozialen Belastungen enorm. Es müssen dringend die notwendigen Voraussetzungen für eine leitliniengerechte Behandlung von Menschen mit starkem Übergewicht und Adipositas in der gesetzlichen Krankenversicherung geschaffen werden.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

zuletzt bearbeitet: 25.09.2019 nach oben

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Dr. phil. Axel Hirsch

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