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Neues zum diabetischen Fußsyndrom

Abstract von Prof. Dr. med. Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Krankenhaus Bad Cannstatt des Klinikums Stuttgart; Mitglied im Präsidium der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG); Vorsitzender der AG diabetischer Fuß der DDG und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Aufklärungsinitiative "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? bei der Pressekonferenz der Aufklärungsinitiative "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?", anlässlich des Diabetes Kongresses 2019, am 29. Mai 2019 in Berlin.

Zur Hauptrisikogruppe zählen multimorbide, ältere Diabetespatienten mit pAVK, Neuropathie und Problemkeimen

Professor Dr. med. Ralf Lobmann Bei derzeit rund 7 Millionen Menschen mit manifestem Typ-2-Diabetes liegt die Prävalenz des diabetischen Fußsyndroms (DFS) in der Literatur zwischen 2 und 10 % und die Inzidenz zwischen 2 und 6 %. Folge ist, dass 70 % aller nicht traumatisch bedingten Amputationen bei Menschen mit Diabetes durchgeführt werden. Die Hauptprobleme, die für eine hohe Mortalität und Amputationsrate bei einem DFS verantwortlich sind, liegen neben der häufig bei dieser Hochrisikogruppe auftretenden peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pavk) in der begleitenden Neuropathie sowie häufig vorliegenden Infektionen mit Problemkeimen und der Tatsache, dass es sich oft um multimorbide ältere Patienten handelt.

Anerkannte Behandlungskonzepte bei DFS sind das Wunddebridement, die Druckentlastung, die Infektionsbekämpfung, die Resvaskularisierung, die Stoffwechseleinstellung sowie regelmäßige podologische Mitbehandlungen. Außerdem sollte eine vorliegende Neuropathie behandelt werden. Eine strukturierte Wundbehandlung, wie es sich nun auch in randomisierten Studien (RCTs) nachweisen lässt, führt zunehmend zu guten Heilungsraten; Innovative Verfahren müssen sich jedoch an Studienlage und Outcome messen lassen.

Ein wichtiger Parameter zur Vermeidung von Amputationen stellt der Zeitraum bis zur Vorstellung in einem spezialisierten Wundzentrum dar. Beim DFS sind die Unterschiede der Versorgung zwischen ländlichem und städtischem Raum sehr auffallend. Gerade die aktuellen Strukturverträge greifen besonders gut in Ballungsräumen, führen allerdings in Flächenländern erwartungsgemäß eher zu Problemen beim Aufbau eines strukturierten Netzwerkes.

Ein Lösungsansatz ist das von der AG Diabetischer Fuß und dem Bund der Internisten (BDI) entwickelte telemedizinisch basierte Facharztkonsil für den diabetischen Fuß. In dem Pilotprojekt wird der primär behandelnde Hausarzt die Möglichkeit erhalten, einen DFS Spezialisten kurzfristig telemedizinisch zu konsultieren. Damit ist die frühzeitige Erkennung von (Problem-)Patienten möglich. Das erleichtert und unterstützt den Hausarzt bei der Auswahl und Koordination der notwendigen diagnostischen und therapeutischen Schritte und deren Bewertung. Ziel ist es, bereits zu Beginn der Erkrankung die Behandlungskompetenz zu erhöhen. Dadurch wird der gesamte Heilungsprozess abgekürzt, die Folgen wie Amputationen werden verringert und die Kosten reduziert.

Ein zweites Projekt in Baden-Württemberg befasst sich mit einem telemedizinischen Zweitmeinungsprojekt vor geplanter Amputation. Damit kann zeitnah durch einen Experten die Notwendigkeit einer Amputation bestätigt oder eine Alternative aufgezeigt werden. Dies wird die Rate der Amputationen reduzieren helfen und erhöht auf der anderen Seite die (Entscheidungs-) Sicherheit für den behandelnden Primärarzt sowie für den Patienten und dessen Angehörige.

Die neuen Technologien ermöglichen dabei die Unterstützung im Behandlungsprozess und in vielen Fällen wird es durch die fachliche Unterstützung auch in peripheren Regionen möglich sein, die Versorgungsqualität bei Menschen mit DFS zu verbessern.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Ralf Lobmann
Bildquelle: Nationale Aufklärungsinitiative "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?"
Foto: Marina Conradi

zuletzt bearbeitet: 12.07.2019 nach oben

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