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Nervenschäden infolge von Diabetes

Was das ist und wie man sie verhindert, zeigt ein aktuelles Video

Von den derzeit mehr als sieben Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland leidet im Schnitt jeder Dritte auch an einer Nervenerkrankung. Die "diabetische Polyneuropathie" ist neben Veränderungen an den Blutgefäßen, der Netzhaut des Auges und der Nieren eine häufig auftretende Folgeerkrankung bei einer langjährig schlechten Einstellung eines Diabetes Typ 1 und Typ 2. Zu den Symptomen zählen unter anderem Missempfindungen wie "Kribbeln" auf der Haut, Wadenkrämpfe, Muskelschwäche oder Taubheitsgefühle in den Füßen. Im siebten Video der zweiten Staffel der Video-Reihe "Diabetes kostet Lebenszeit" spricht ein Betroffener über sein Leben mit dieser Begleiterkrankung. Die gemeinnützige Gesundheitsorganisation diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe veröffentlicht jeden zweiten Donnerstag ein Video zu einer diabetesspezifischen Folgeerkrankung.

Rund ein Drittel der Menschen mit Diabetes entwickelt im Laufe der Erkrankung Schäden an den Nerven - so auch Norbert Kuster, Landesvorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M) e. V. Nordrhein-Westfalen: "Im Laufe der Jahre sind bei mir Folgeerkrankungen wie Polyneuropathie zum Diabetes hinzugekommen. Das bedeutet, dass ich an den Füßen nur noch eine sehr eingeschränkte Wahrnehmung habe und dass ich Probleme bekomme, wenn ich zum Beispiel einem Zug hinterherrenne." Ursache für eine Neuropathie kann ein über Jahre schlecht eingestellter Diabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten sein. Die Nervenschäden entwickeln sich meist lange unbemerkt. Nehmen Diabetes-Patienten erste spürbare Beschwerden wahr, so liegen oft bereits schwerere Schäden vor.

Bei der "peripheren Polyneuropathie" sind zumeist die Nerven der Füße und Beine, manchmal jedoch auch die Nerven in Händen und Armen betroffen. Häufig leiden die Betroffenen an Schmerzen in den Gliedmaßen; manchmal verläuft die Neuropathie jedoch auch schmerzfrei oder sogar ohne jegliche Beschwerden. Besonders an den Füßen kann die Gefühllosigkeit schwerwiegende Folgen haben: Ein Patient, der beispielsweise in den Zehen und an den Füßen nichts spürt, bemerkt gar nicht, dass er Druckstellen, Geschwüre, starke Hornhautbildung, Verletzungen oder Verbrennungen hat. "Selbst kleine Verletzungen an den Füßen dürfen nicht unterschätzt werden. Innerhalb weniger Tage können daraus schwere Infektionen mit tiefen Wunden entstehen, die im schlimmsten Fall zum Absterben des Gewebes und Amputationen führen können", sagt Professor Dr. med. Thomas Haak, Vorstandsmitglied von diabetesDE und Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim. "Grund für eine Amputation bei Menschen mit Diabetes ist bei 85 Prozent ein solches diabetisches Fußsyndrom".

Um der diabetischen Neuropathie und dem diabetisches Fußsyndrom vorzubeugen, sollten Menschen mit Diabetes auf gute Blutzuckerwerte achten, wenig Alkohol trinken, Übergewicht abbauen und nicht rauchen. "Außerdem sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Die eigene Kontrolle zu Hause reicht nicht aus", ergänzt Kuster, bei dem die Neuropathie selbst erst spät entdeckt wurde. Mindestens einmal jährlich sollten Diabetes-Patienten zur Kontrolluntersuchung gehen. "Bei der Untersuchung prüft der behandelnde Arzt die Berührungsempfindlichkeit, die Tiefensensibilität und die Muskelreflexe. Weiterhin misst er die Schwelle von Kälte- und Wärmeempfinden an den Füßen. Anhand der Werte lässt sich feststellen, ob bereits eine periphere Neuropathie vorliegt", so der Diabetologe. Neben jährlichen ärztlichen Untersuchungen der Füße sind zur Vorbeugung eines diabetischen Fußsyndroms sorgfältige Fußpflege und geeignetes Schuhwerk wichtig. Professor Haak rät Menschen mit Diabetes und einer bereits bestehenden Neuropathie von Barfußgängen und Sandalentragen ab. Stattdessen seien spezielle Schuhe und das Verhindern von Druckstellen auf der Fußsohle durch weiche Fußbettung im Sommer unverzichtbar.

Die Video-Reihe "Diabetes kostet Lebenszeit" ist 2018 mit insgesamt zwölf Videos gestartet. Darin formulieren Betroffene - Prominente und weniger Prominente, Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 - kurz und prägnant in einer Minute ihre gesundheitspolitischen Forderungen. In der zweiten Staffel kommen Menschen zu Wort, die nicht nur an Diabetes mellitus, sondern darüber hinaus an einer oder sogar mehreren Begleit- und Folgeerkrankungen leiden. Auch diese kosten Lebenszeit. Die Videos werden jeweils im Abstand von zwei Wochen veröffentlicht - immer donnerstags. Das siebte Video mit Norbert Kuster ist online unter www.diabetesde.org/lebenszeit abrufbar.

zuletzt bearbeitet: 05.07.2019 nach oben

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Lindsay Boullin

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