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Das ABC der Hautveränderungen bei Patienten mit Diabetes

Abstract zum Vortrag von Dr. Ralf Hartmann bei einem Symposium der BERLIN-CHEMIE AG im Rahmen der Herbstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 10. November 201 in Wiesbaden.

Diabetiker leiden häufig an ausgeprägtem krankhaftem Juckreiz

Bei Menschen mit Diabetes kann es durch die schlechte Stoffwechsellage zu einer großen Anzahl von Hautveränderungen kommen. Vor allem hartnäckige und ungewöhnlich schlecht heilende Hautveränderungen können erste Hinweise auf einen beginnenden, noch nicht diagnostizierten Diabetes sein. Die häufigsten Krankheitsbilder bei Patienten mit Diabetes sind Hautinfektionen und Hauterkrankungen, die durch diabetische Komplikationen auftreten.

Die dermatologische Diagnostik sollte darauf zielen, die betroffenen Hautstellen genau zu kontrollieren und zügig die Therapie einzuleiten. Aufgrund des gestörten Immunsystems können bei Patienten mit Diabetes mellitus bereits kleine Hautverletzungen, Insektenstiche oder aufgesprungene Haut, zu schwerwiegenden Hautinfektionen führen.

Diabetiker leiden häufig an ausgeprägtem krankhaftem Juckreiz. Die Haut ist in ihrer Abwehrfunktion eingeschränkt und Bakterien und andere Krankheitserreger können leicht in die Haut eindringen. Zusätzlich verursachen die Patienten beim Versuch den quälenden Pruritus durch intensives Kratzen kleine Hautverletzungen, die als Eintrittspforte für Keime wie z. B. Staphylococcus aureus dienen. Diabetikern wird eine intensive Hautpflege empfohlen. Zu lange und zu heiß duschen sollte vermieden werden, auch sollte danach immer eine rückfettende Lotion oder Creme aufgetragen werden.

Aufgrund der gestörten Immunabwehr leiden Patienten mit Diabetes oft an Pilzinfektionen. Nagelpilzinfektionen z. B. mit Schimmelpilzen, aber auch Genitalmykosen sind bei Diabetespatienten nicht selten. Ein weites Feld an Hautkomplikationen stellen vor allem Wundheilungsstörungen dar. Eine Übersichtsarbeit konnte zeigen, dass ein gestörter Blut-Glucose-Stoffwechsel die Hauptursache für Wundheilungsstörungen bei operativen Eingriffen an der Hüfte oder am Ellenbogen sein kann.[1,2] Diabetespatienten sollten aufgrund dieser Komplikationsgefahr, während und nach Operationen immer unter besondere Beobachtung gestellt werden. Bestimmte großflächige Wundheilungsstörungen können meist nur durch eine hochdosierten Kortisontherapie eingedämmt werden. Das hat wiederum einen schlechten Einfluss auf die Blutzuckereinstellung. Des Weiteren muss auch eine chirurgische Resektion des infizierten Materials durchgeführt werden.

Eine häufige Erkrankung bei Patienten mit Diabetes ist das "Diabetische Fußsyndrom", welches oft der Grund für eine stationäre Behandlung ist. Auch hier entstehen aus trivialen Hautverletzungen Ulzera, die sich zu großflächigen Nekrosen entwickeln können, deren Progression als letzte Konsequenz nur durch eine Amputation verhindert werden kann. Das charakteristische, meist kreisrunde Ulkus befindet sich an typischen Stellen mit erhöhter Druckbelastung wie an der Fußsohle oder im Zehenbereich. Aufgrund des verminderten Schmerzempfindens durch die Nervenschädigungen (Folgeerkrankung des Diabetes) belasten die Patienten weiterhin den betroffenen Fuß, denn sie nehmen die Verletzung oft wochenlang nicht wahr und verschlimmern damit das Krankheitsbild. Bei schlecht eingestelltem Diabetes können die Chancen bei 50:50 in den nächsten fünf Jahren stehen, den betroffenen Zeh oder Unterschenkel zu retten.

Ekzeme, Pilzerkrankungen, Pyoderma gangraenosum - Diabetespatienten leiden aufgrund schlechter Stoffwechsellage an zahlreichen Hautveränderungen, die unbehandelt schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen können. Somit ist ein wichtiger Grundsatz um Hautinfektionen beim Diabetiker vorzubeugen, die bestmögliche Diabetestherapie mit dem Patienten anzustreben.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Quellen

  1. Biancari F. et al. Cochrane Database
  2. Tanner J. et al Cochrane Database

zuletzt bearbeitet: 08.03.2019 nach oben

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