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Pro und Contra zu SGLT-1/2-Hemmern bei Typ-1-Diabetes

Gespaltene Meinung des Beratergremiums der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA)

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Im DGE-Blog wurde am 19. November 2018 über die Studien und Expertenmeinungen bezüglich einer Zulassung von Dapagliflozin und Sotagliflozin als add-on-Therapie zu Insulin bei Typ-1-Diabetes berichtet[1]. Zwei Tage später fand dazu in London die Sitzung einer ad-hoc-Expertengruppe der Europäischen Medizinprodukte-Agentur (EMA) statt, der auch der Referent angehörte. Eine auf dem Ergebnis der Sitzung am 21. November 2018 beruhende Stellungnahme des zuständigen EMA-Komitees CHMP ist noch nicht bekannt geworden. Wie im Blogbeitrag berichtet, hatten sich aber schon vorher viele Kommissionsmitglieder auf Grund der bereits bekannten Studiendaten eine ablehnende Meinung gebildet. Man wird sehen, wie die Europäische Kommission als zuständige höchste Behörde entscheiden wird.

Jetzt hat Mitte Januar 2019 auch das Beratergremium der FDA getagt: Die Abstimmung über eine Zulassung von Sotagliflozin bei Typ-1-Diabetes ergab mit 8 Pro- und 8 Kontra-Stimmen ein gespaltenes Resultat.[2] Es wurden von der einreichenden Firmengruppe Sanofi/Lexington bei der FDA für Sotagliflozin, vorgesehener Handelsname Zynquista, die etwa gleichen Daten vorgetragen wie im November 2018 bei der EMA.

Vorteile: Abnahme des HbA1c um 0.3 - 0. 4 % -Punkte, der Insulintagesdosis um 4-9 Einheiten und des Gewichts um 2-3 kg in 24 Wochen. Die Blutzuckervariabilität nahm ab, die Zufriedenheit der Patienten zu.

Nachteile: Dem stand ein signifikante Zunahme des Risikos von potenziell tödlichen diabetischer Ketoazidosen (DKA) in drei Studienreihen gegenüber, die in etwa der Hälfte der Fälle schon bei Blutzuckerspiegeln von 250 mg/dl und darunter, selbst bei Normoglykämie beobachtet wurden: bei 56 von 1748 Patienten (3 %) vs. 5 von 1229 Patienten (0.4 %). Die DKA nahmen kontinuierlich zu, sie traten nicht nur zu Beginn der add-on-Therapie auf. In der "real world", so wurde diskutiert, würde die Zahl an DKA gewiss noch größer sein als in den sorgfältig von Diabetologen überwachten und kontrollierten Studienpopulationen.

Die Autoren der Zulassungsstudien und die pharmazeutischen Hersteller-Firmen schlugen Maßnahmen zur Verhinderung der DKA vor, die denen glichen, die im Beitrag vom 19. November 2018 angeführt wurden.[1] Diese wurden aber, ebenso wie von den EMA-Experten, vielfach kritisch bis negativ eingeschätzt.

Eine FDA-Entscheidung über Sotagliflozin bei Typ-1-Diabetes wird für Ende März 2019 erwartet.

Helmut Schatz

zuletzt bearbeitet: 24.01.2019 nach oben

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