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Diabetes und Lebensqualität

Abstract zum Vortrag von Professor Dr.  med. Dirk Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum der RWTH Aachen, im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 27. Februar 2018 in Berlin.

Das bisher nicht erfasste Leid der Patienten

Professor Dirk Müller-Wieland Die Lebenszeit von Patienten mit Diabetes mellitus ist in aller Regel verkürzt. So ist diese bei einem Patienten mit Typ-2-Diabetes, der zum Beispiel 60 Jahre alt ist, im Durchschnitt um sechs Jahre verkürzt, bei Vorliegen einer kardiovaskulären Erkrankung sogar um zwölf Jahre. Die verfrühte Sterblichkeit ist circa zur Hälfte durch kardiovaskuläre Ursachen bedingt, die andere Hälfte sind Folgen weiterer Multimorbidität. So ist ein Ziel der Diabetestherapie und bisheriger Therapiestudien, die Komplikationen der Multimorbidität oder der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern, wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Qualität des Lebens zu erhalten beziehungsweise das persönliche Leid der Patienten und damit ihre krankheitsbezogene Last zu reduzieren, wird in Studien völlig unzureichend erfasst.

Die krankheitsbezogene Einschränkung der Lebensqualität ist sehr individuell und für den betroffenen Patienten relevant. Sie wird vor allem auch durch den Patienten inklusive seiner persönlichen Erwartungen und Ängste getrieben. Für die Erfassung patienten-relevanter Endpunkte, die auch diese persönliche Beeinträchtigung sensitiv und krankheitsspezifisch beinhaltet, gibt es bisher leider nur unzureichende Methoden. Die krankheitsbezogene Gesundheitslast sollte aber berechtigterweise auch aus Sicht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bei der Evaluierung und Nutzenbewertung therapeutischer Strategien, zum Beispiel neuer Medikamente oder neuer Medizinprodukte, miterfasst werden. Die DDG sieht sich hierbei auch in der Verantwortung, bei der Definierung und Evaluierung eines diesbezüglichen methodischen Standards aktiv mitzuwirken.

Der eine Betroffene hat vor allem Angst vor der unbemerkten Unterzuckerung, die andere fürchtet um ihren Führerschein, der alte Patient um seine soziale Unabhängigkeit und ein Schüler, dass er nicht alles mitmachen kann und immer an den Diabetes denken muss, und die Eltern vom Kleinkind fürchten sich vor der Lebensentwicklung ihres Kindes.

Die Lebensqualität und gute Therapie nicht nur von Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, sondern auch der vielfältigen anderen Diabetesformen (es sind allein mehr als zehn verschiedene MODY-Formen bekannt) werden in naher Zukunft durch Digitalisierung erleichtert und verbessert. Dies entwickelt sich nicht nur durch die neuen technischen Möglichkeiten, sondern auch durch die bessere patientenrelevante Evaluierung großer Datensätze.

Hier liegt der Schlüssel in der patientenzentrierten Verbindung von Daten, Methoden und Studien- sowie Versorgungsergebnissen, die durch die klinisch relevante Vernetzung einen Mehrwert für die künftige Prävention, Differentialdiagnostik, Verlaufsbeurteilung und Therapie nicht nur der häufigen, sondern auch der seltenen Diabetesformen bringen wird. Hier müssen die Weichen gestellt werden, nicht nur durch die Organe der Selbstverwaltung, sondern auch durch die Gesundheitspolitik einer neuen Regierung.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 01.03.2018 nach oben

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