Prinzipien der Health On the Net Foundation.

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BARMER-Fachsymposium:
"Disease Management - Qualitätsoffensive für die bessere Versorgung chronisch Kranker
Zwischenbilanz zur Umsetzung Ausblick auf die Wirkung der Programme"
Vortrag: "Qualität für Patienten, Gerechtigkeit im Wettbewerb"
Zehn-Punkte-Programm der BARMER zum Disease Management
Seite 3.
8. Disease-Management-Programme erfordern Verteilungsgerechtigkeit im Risikostrukturausgleich
Aktuell sehr drastische Kritik gegen die Verknüpfung von Disease-Management-Programmen
mit dem Risikostrukturausgleich geht am Kern vorbei. Tatsache ist, dass oft gut
gemeinte Reformansätze der Vergangenheit - wie die Integrationsversorgung oder
Strukturverträge - vor allem scheiterten, weil sie keine Berücksichtigung im
Risikostrukturausgleich fanden.
Der daraus resultierende Teufelskreis ist bekannt: Im Risikostrukturausgleich
werden bislang nur die durchschnittlichen Versorgungskosten einer Alters- und
Geschlechtsgruppe ausgeglichen. Eine Krankenkasse erhält für ihre Versicherten
gleich hohe Gutschriften, egal ob diese gesund oder chronisch krank sind. Damit
werden Krankenkassen mit einem unterdurchschnittlichen Anteil chronisch Kranker
bevorteilt, während große Versorgerkassen für ihren Einsatz um chronisch Kranke
benachteiligt werden. Ein an sich sinnvoller Wettbewerb um die bessere medizinische
Versorgung chronisch Kranker führt damit zum finanziellen Ruin der
Versorgerkassen.
Jetzt wird erstmals korrigiert: Durch die Verknüpfung mit dem Risikostrukturausgleich
fordern die Disease-Management-Programme die Innovationskraft der Krankenkassen
zu Gunsten einer besseren medizinischen Versorgung ihrer chronisch Kranken. Erst
diese Verknüpfung sorgt dafür, dass die Finanzmittel im Risikostrukturausgleich
gerechter verteilt werden - dorthin nämlich, wo die chronisch Kranken betreut
werden.
Im Gegensatz dazu übrigens sieht die BARMER in dem an der Morbidität orientierten
Risikostrukturausgleich ab 2007 ein kritisch zu bewertendes Instrument. Durch einen
"blinden" Ausgleich von Kosten wird der Weg zu einer besseren
medizinischen Versorgung unattraktiv.
9. Krankenkassen: Interessenvertreter der Versicherten
Die BARMER sieht künftig ihre Rolle vor allem in der noch intensiveren Information
der Versicherten und der Begleitung ihrer Versorgung. Zu den Serviceaufgaben
gehören:
- Information über
Disease-Management-Programme, ihre Bedeutung und Systematik,
- Individuelle telefonische Beratung
durch medizinisches Fachpersonal als helfende Ergänzung zum Arzt,
- Hilfe auf dem Weg zu persönlichen
Gesundheitszielen, die von Patient und Arzt vereinbart wurden, z.B. durch Tipps
zur Ernährung,
- persönliche Erinnerungsdienste, etwa
für den nächsten Arzttermin oder eine Vorsorgeuntersuchung,
- Vermittlung von
Schulungsangeboten.
Diese Dienste stärken der Compliance und
erhöhen die Qualität der Versorgung. Durch die immer wiederkehrende Qualitätsprüfung
innerhalb des Disease Managements (Akkreditierung und Reakkreditierung) können es
sich Krankenkassen nicht leisten, sich allein um die Einschreibung von Versicherten
zu bemühen. Sie müssen ihre Programme vielmehr qualitativ so attraktiv halten, dass
die Patienten auch dauerhaft aktiv daran mitwirken.
Der Wettbewerb der gesetzlichen Krankenversicherung konzentriert sich künftig damit
in besonderer Weise auf den chronisch Kranken. Dieser Wettbewerb hat nach Auffassung
der BARMER allein das Ziel, die Behandlung chronisch Kranker zu verbessern, auch
indem das Verhältnis zwischen Arzt und Patient gestärkt wird.
10. Datenfluss beschränkt auf das Notwendige
Die freiwillige Entscheidung von Patient und Arzt, an Disease-Management-Programmen
teilzunehmen, ist Grundlage dafür, dass Daten für die Steuerung des Disease
Managements - und nur dafür - an die Krankenkassen fließen. Der Gesetzgeber
hat den Krankenkassen erweiterte Kompetenzen hinsichtlich der Datennutzung zugebilligt.
Dies schafft erst die Voraussetzung für eine effiziente Steuerung der Versorgung,
ihre Evaluation und die motivierende Information der Patienten.
Die BARMER plädiert jedoch dafür, nirgendwo - auch nicht bei den
Krankenkassen - Datenfriedhöfe anzulegen. Sie respektiert die Sorge vieler
Ärzte und ihrer Patienten, dass aus dem Sprechzimmer hochsensible Daten dringen,
die die Intimsphäre des Patienten über die Maßen ausleuchten. Die BARMER hält es
für ausreichend, für jede Indikation im Rahmen des Disease Managements einen
minimalen Datensatz festzulegen, der allein die für die Steuerungsaufgaben der
Krankenkassen notwendigen Daten enthält.
Disease-Management-Programme bieten die Chance zu einer Qualitätsoffensive, durch
die Strukturdefizite des deutschen Gesundheitswesens durch mehr und aktuellere
Wissenschaftlichkeit und ohne ein Übermaß an Verwaltungsaufwand beseitigt werden
können. Möglich wird dies, weil sie den Patienten strikt in den Mittelpunkt stellen
und Qualität fördernde Maßnahmen mit dem Risikostrukturausgleich verbinden. Gelingen
kann der jetzt möglich große Schritt aber nur, wenn das Wohl der Patienten nicht nur
als Argument in der gesundheitspolitischen Debatte wahr-, sondern auch tatsächlich
ernst genommen wird. In diesem Sinne ruft die BARMER auf: Weg von sinnloser
Konfrontation, hin zu einem echten Miteinander!
27.03.2002
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Archiv 2002
- Nachrichten zur Gesundheitspolitik
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