Prinzipien der Health On the Net Foundation.

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BARMER-Fachsymposium:
"Disease Management - Qualitätsoffensive für die bessere Versorgung chronisch Kranker
Zwischenbilanz zur Umsetzung Ausblick auf die Wirkung der Programme"
Vortrag: "Qualität für Patienten, Gerechtigkeit im Wettbewerb"
Zehn-Punkte-Programm der BARMER zum Disease Management
Seite 2.
3. Evidenz basierte Medizin als Orientierungsrahmen der Therapiefreiheit
Disease-Management-Programme schränken die ärztliche Therapiefreiheit nicht ein.
Für die BARMER ist klar: Die Forderung nach Evidenz basierter Medizin bedeutet eine
verstärkte und aktuelle Wissenschaftlichkeit medizinischer Entscheidungen. Es geht
also darum, der Therapieentscheidung des Arztes neutrale, aber wissenschaftlich
objektivierte Grundlagen zu geben. Diesen Orientierungsrahmen bieten Leitlinien,
definiert und aktualisiert von wissenschaftlicher Kompetenz, nicht diktiert von den
Krankenkassen!
Evidenz basierte Leitlinien sind nicht nur für den Arzt, sondern auch für die
Krankenkasse verbindlich. Dies gilt in besonderer Weise für die
Wirtschaftlichkeitsprüfung. Die Wirtschaftlichkeit der Versorgung eines Patienten
lässt sich nach Ansicht der BARMER nur sektorübergreifend richtig bewerten.
4. Kein Wettbewerb um medizinische Standards
Qualität und medizinische Standards sind unteilbar. Um medizinische Wahrheiten kann
es keinen Wettbewerb der Krankenkassen geben. Daraus resultiert für die BARMER
die Forderung, dass Disease-Management-Programme für alle gesetzlichen Krankenkassen
einheitlichen Kriterien der Zulassung, der Einschreibung und der Erfolgskontrolle
sowie des Benchmarkings unterworfen sein müssen. Diese Anforderungen müssen in der
Risikostrukturausgleichs-Verordnung als rechtlicher Grundlage der
Disease-Management-Programme klar definiert werden.
Das Wettbewerbsfeld der Krankenkassen ist die begleitende Patienteninformation, die
Vermittlung geeigneter Schulungen, die Motivation der Patienten, Erinnerungsdienste
und vieles andere mehr.
5. Optimierte Vernetzung statt Partikularinteressen
Disease-Management-Programme konzentrieren sich auf die bessere medizinische
Versorgung chronisch kranker Patienten. Erfolg haben können sie nur, wenn alle an
der medizinischen Versorgung Beteiligten vernetzt zusammenarbeiten. Erforderlich ist
damit ein partnerschaftliches Miteinander in der ambulanten, stationären und
rehabilitativen Versorgung, aber auch zwischen Haus- und Fachärzten im
niedergelassenen Bereich. Dabei sollte der Hausarzt eine Lotsenfunktion für den
Patienten übernehmen. Insgesamt müssen die Schnittstellen dieser Zusammenarbeit
klar definiert und eine durchgängige Dokumentation organisiert sein, um
Partikularinteressen oder -ängsten den Boden zu entziehen.
Vernetzung und Integration der Versorgung bedingt auch die technische Vernetzung
aller Akteure. Disease-Management-Programme müssen zu einem Motor moderner
Kommunikationswege im Gesundheitswesen wie der Telemedizin werden.
6. Die Kassenärztlichen Vereinigungen in der Verantwortung
Den Kassenärztlichen Vereinigungen fällt als Vertragspartner in der ambulanten
Versorgung naturgemäß eine Schlüsselrolle bei der Einführung von
Disease-Management-Programmen zu. Ihnen hat der Gesetzgeber den so genannten
Sicherstellungsauftrag übergeben. Damit verbunden ist die Erwartung einer
wirtschaftlichen ambulanten medizinischen Versorgung nach dem aktuellen Stand
der Wissenschaften - dem Zeugnis des Sachverständigenrates zufolge ein heute
nicht erreichtes Ziel. Die BARMER sieht die Kassenärztlichen Vereinigungen daher
in einer Bringschuld, die zugleich eine Chance für die Zukunft ist. Gemeinsam mit
den Ärzten möchte die BARMER die Chance der Disease-Management-Programme nutzen
und möglichst schnell und flächendeckend eine verbesserte medizinische Versorgung
der chronisch Kranken - zunächst für Asthma/COPD, Brustkrebs, koronaren
Herzerkrankungen und Diabetes mellitus - erreichen.
7. Kostenersatz ja, Kostenexplosion nein
Disease Management ist eine weithin optimierte Regelversorgung. Es geht nicht um
neue ärztliche Leistungen, sondern um die geregelte Neuordnung und Vernetzung
von Diagnose- und Therapieschritten. Finanziert werden daher die ärztlichen
Leistungen im Disease Management auch zukünftig aus der ärztlichen
Gesamtvergütung.
Allerdings muss für zusätzlichen Aufwand des Arztes ein angemessener Kostenersatz
vereinbart werden. Dazu bekennt sich die BARMER ausdrücklich. Einer Regelung bedürfen
die Einschreibung, einschließlich der Erstdokumentation, sowie die quartalsweise
Folgedokumentation. Der Kostenersatz sollte über alle Kassenarten hinweg bundesweit
einheitlich vereinbart werden, da es sich um die gleichen Arten von Aufwand
handelt.
Aus Sicht der BARMER wirkt die Vergütung zusätzlichen Aufwandes additiv zur
Gesamtvergütung. Allerdings darf der Grundsatz der Beitragssatzstabilität nicht
durchbrochen werden. Eine Gefahr, die die BARMER durch die Vermeidung von
Folgekomplikationen als auch durch die Erschließung aktueller Einsparpotenziale
für beherrschbar hält.
Des weiteren muss der Verwaltungsaufwand durch eine durchgängige elektronische
Dokumentation mit entsprechenden Schnittstellen zur Praxis-Software in vertretbarem
Rahmen gehalten werden. Darauf aufbauende Arztinformationssysteme können zudem
qualitative Hilfe bei der Durchführung von Disease-Management-Programmen
bieten.
27.03.2002
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Archiv 2002
- Nachrichten zur Gesundheitspolitik
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