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Akute Belastungen für Diabetesfachberufe

VDBD ruft zur Selbstfürsorge auf

Dr. rer. medic. Nicola Haller, Vorsitzende des VDBD Diabetesfachkräfte sind elementar, wenn es um ein gelungenes Selbstmanagement der Erkrankung im Alltag der Betroffenen geht. Sie beraten und schulen Menschen mit Diabetes, beantworten Fragen und motivieren. Doch wie auch viele andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen leiden auch Diabetesfachkräfte zunehmend unter Mehrbelastungen, bedingt etwa durch Fachkräftemangel und einen hohen Arbeitsdruck. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die anhaltende Corona-Pandemie und damit einhergehende Maßnahmen, wie der bundesweite zweite Lockdown seit dem 16. Dezember 2020. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. warnt vor zunehmenden psychischen Belastungen und ruft zur stärkeren Selbstfürsorge auf. Angehörige von Diabetesfachberufen könnten an ihre Belastungsgrenzen geraten.

Studien zeigen, dass das Risiko für psychische Erkrankungen bei Angehörigen der Gesundheitsfachberufe während der COVID-19-Pandemie besonders gestiegen ist[1]. "Grade jetzt werden in vielen Kliniken Diabetesabteilungen zu Corona-Abteilungen umgerüstet, um Ressourcen zu schaffen und Diabetesberaterinnen, die ja im Grundberuf zum Großteil Gesundheits- und Pflegefachkräfte sind, auf diese Stationen abgezogen", sagt Dr. rer. medic. Nicola Haller, Vorsitzende des VDBD. "Es ist selbstredend, dass die Pandemiebekämpfung oberste Priorität hat. Doch der ohnehin schon bestehende Druck auf die Gesundheitsfachberufe wird damit noch stärker."

Doch nicht nur in den Kliniken, auch in Hausarzt- und diabetologischen Schwerpunktpraxen verursacht die Coronavirus-Pandemie durch hohe Krankenstände und Kapazitätsfragen verstärkte Belastungen für das medizinische Personal. In dem Berufsalltag von Diabetesberater/innen und Diabetesassistenten/innen spielt die Motivationsarbeit mit den Betroffenen eine große Rolle. Sie animieren die Menschen mit Diabetes dazu, Lebensstilveränderungen in die Tat umzusetzen und eigenverantwortlich die Kontrolle des Blutglukosespiegels zu übernehmen. Doch andere positiv zu stärken, wenn man selbst schwere Lasten auf den Schultern tragen muss, fällt vielen Diabetesfachkräften zunehmen schwerer. Dazu kommt, dass durch Lockdown und Pandemie auch die Patientinnen und Patienten selbst psychische Belastung erfahren, wie die Sorge um die eigene Gesundheit und die von Familie und Freunden oder vor finanziellen Engpässen. So leidet die so wichtige Motivationsarbeit in der Praxis durch die psychischen Belastungen auf beiden Seiten.

Doch auch wenn nun bundesweit Impfkampagnen gegen COVID-19 implementiert werden - eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist noch nicht in Sicht. "Die Gesundheit und das Wohlergehen des medizinischen Personals ist entscheidend für die Bewältigung der globalen Pandemie selbst, doch aktuell drohen bei vielen Beschäftigten psychische Erkrankungen wie Depression oder Burn Out", so Dr. Haller. Selbstfürsorge sei hier das Stichwort, andernfalls sei dieser Marathon kaum durchzuhalten. Es gelte, sich bewusst Möglichkeiten zu schaffen, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Egal, wie diese Momente aussehen mögen – Musik hören, Sport machen, telefonieren, nichts tun - es geht nicht darum, produktiv zu sein oder etwas vermeintlich Sinnvolles zu tun.

Momente, in denen man sich ausschließlich dem eigenen seelischen und körperlichen Wohlergehen widmet - für viele Menschen, die auch beruflich täglich andere umsorgen, gerate diese Zeit viel zu häufig in Vergessenheit, schlussfolgert Dr. Haller. "Umso wichtiger ist es, sich das Thema Selbstfürsorge für 2021 ganz oben auf die Prioritätenliste zu schreiben."

Quellen

  1. Lai J, Ma S, Wang Y, et al. Factors Associated With Mental Health Outcomes Among Health Care Workers Exposed to Coronavirus Disease 2019. JAMA Netw Open. 2020;3(3):e203976. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.3976

Bildunterschrift: Dr. rer. medic. Nicola Haller
Bildquelle: www.DiabSite.de

zuletzt bearbeitet: 21.12.2020 nach oben

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