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Wie die kultursensible Diabetesberatung gelingen kann

Bei der 7. VDBD-Tagung in Frankfurt am Main steht der Patient im Fokus

Dr. Nicola Haller, Vorsitzende des VDBD Die Diagnose Diabetes bedeutet in der Regel einen tiefen Einschnitt im Leben eines Betroffenen: Vor allem müssen bisherige Ernährungsgewohnheiten überdacht und neues Wissen erworben werden. Damit diese Lebensstiländerungen auch langfristig umsetzbar sind, sollten therapeutische Maßnahmen und Ernährungsempfehlungen unbedingt auf das persönliche Lebensumfeld des Patienten abgestimmt sein und dessen kulturelle Gewohnheiten berücksichtigen. Gerade die Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund, die einen anderen Sprachhintergrund oder von der deutschen Kultur abweichende Essgewohnheiten haben, stellt für Diabetesberaterinnen und -berater eine besondere Herausforderung dar. Was eine kultursensible Beratung leisten muss und wie sie gelingen kann - darüber werden Experten bei einer Podiumsdiskussion sprechen, die im Rahmen der 7. Jahrestagung des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) am 28. März 2020 in Frankfurt am Main stattfindet.

Vollkornbrot, Bratwurst, Kartoffeln mit Fleisch und Soße - wer nach typisch deutschen Lebensmitteln sucht wird früher oder später auch auf diese Gerichte stoßen. Wie viele Broteinheiten sie enthalten ist daher in jeder heimischen Nährwerttabelle leicht nachzulesen. "Die entsprechenden Werte für Bulgur, Yams oder Kochbananen dagegen hat womöglich nicht jede Diabetesberaterin sofort zur Hand", sagt die VDBD-Vorsitzende Dr. Nicola Haller. Schon hier werde deutlich, dass die Begleitung von Patienten mit Migrationshintergrund, die im Arbeitsalltag von Diabetesberaterinnen eine immer größere Rolle spiele, nicht allein mit standardisierten Empfehlungen und Vorschriften gelingen könne.

Neben der Wahl der Lebensmittel können sich auch die Tagesrhythmen und die Gestaltung der Mahlzeiten stark unterscheiden, was Anpassungen im Therapieplan notwendig macht - aber auch zu Missverständnissen führen kann. "In anderen Kulturen gibt es oft keine strenge Einteilung in Frühstück, Mittag- und Abendessen", sagt Haller. Im arabischen Raum etwa sei es durchaus üblich, frühmorgens zum ersten Kaffee einige Datteln oder getrocknete Feigen zu essen. Das werde jedoch nicht unbedingt als Mahlzeit empfunden. Obwohl die süßen Früchte den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen, kann es daher vorkommen, dass sie bei der Aufzählung der verzehrten Lebensmittel einfach weggelassen werden - denn das eigentliche Frühstück findet erst später statt.

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Hürden wie diese lassen sich zum Beispiel mit Listen landestypischer Lebensmittel umgehen, die abgefragt werden können

Bei Sprachbarrieren empfiehlt es sich zudem, mit Bildern zu arbeiten. So lassen sich auch die Mengen visualisieren, die bei unterschiedlichen Lebensmitteln einer Broteinheit entsprechen. "Mit unterstützenden Materialien und vor allem mit Offenheit anderen Kulturen gegenüber lässt sich hier viel erreichen", sagt Dr. Gottlobe Fabisch, die neben der Geschäftsführung des VDBD auch die der VDBD-AKADEMIE innehat. Das Programm beinhaltet unter anderem Veranstaltungen zum Thema "Kultursensible Schulung und Migration". Hier werden länderspezifische Kenntnisse zu Lebensart, Religion sowie Ess- und Trinkgewohnheiten vermittelt, aber auch das Krankheitsverständnis besprochen, welches kulturell sehr unterschiedlich geprägt sein kann. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer praktische Tipps, wie die Inhalte der Diabetesschulung auch bei geringem Sprachniveau sicher vermittelt werden können. "Kultursensibel beraten heißt letztlich, sich auf den anderen einzulassen und unvoreingenommen auf Augenhöhe zu kommunizieren", sagt Fabisch. So werde Wertschätzung vermittelt - und die Motivation und Therapietreue nicht nur bei migrierten Patienten deutlich gesteigert.

Weitere Vorträge auf der Tagung werden sich unter anderem mit dem ambulanten Glukoseprofil beschäftigen, mit Therapieanpassungen bei besonderen Krankheitsbildern sowie mit der Digitalisierung in der Diabetesbehandlung und -beratung. Außerdem wird Prof. Dr. Norbert Runkel zur S3-Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen" referieren.

Interessierte können sich auf der Homepage der VDBD-AKADEMIE für die Tagung anmelden. Die Teilnahmegebühr beträgt für VDBD-Mitglieder 50,00 Euro und für Nicht-Mitglieder 80,00 Euro. Alle Informationen zur Tagung sind im Internet unter www.vdbd-akademie.de abrufbar.

Bildunterschrift: Dr. rer. medic. Nicola Haller
Bildquelle: www.DiabSite.de

zuletzt bearbeitet: 21.02.2020 nach oben

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