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Übergewicht, hohe Blutzuckerspiegel und Insulinresistenz

Menschen mit Diabetes Typ 1 können "Doppeldiabetes" entwickeln

Die Therapie des Diabetes Typ 1 hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht: Dank moderner Insuline, der intensivierten konventionellen Insulin- und Pumpentherapie und neuen Methoden der Blutzuckerkontrolle müssen Betroffene bei ihren Mahlzeiten und Insulingaben keine strengen Zeit- und Mengenvorgaben mehr einhalten. Auch Verbote sind Vergangenheit: Menschen mit Diabetes Typ 1 dürfen wie Stoffwechselgesunde grundsätzlich alles essen. Dabei sollten sie jedoch auf eine ausgewogene Ernährung und einen aktiven Lebensstil achten. Süßigkeiten und hochkalorische Lebensmittel sollten schon in jungem Alter Ausnahmen und tägliche körperliche Bewegung die Regel sein, rät diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. Denn wie auch immer mehr bislang stoffwechselgesunde Kinder und Jugendliche in westlichen Industrieländern haben zunehmend bereits junge Menschen mit Typ-1-Diabetes Übergewicht oder gar Adipositas. Wie von Diabetes Typ 2 Betroffene können auch sie eine Insulinresistenz entwickeln und aufgrund dessen an einem "Doppeldiabetes" erkranken.

Grundsätzlich gilt: Weder bei Typ-1-, noch bei Typ-2-Diabetes sind spezielle Ernährungsweisen vorgeschrieben oder bestimmte Lebensmittel verboten. "Auch Zucker ist nicht untersagt, mehr als 25 Gramm täglich sollten aber sowohl stoffwechselgesunde als auch an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 erkrankte Menschen nicht verzehren", sagt Professor Haak, Vorstandsmitglied von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim. Denn Zucker besteht aus schnell verdaulichen Kohlenhydraten und sorgt für einen raschen Blutzuckeranstieg. Hohen Blutzuckerspiegeln müssen Menschen mit Diabetes Typ 1 mit jeweils individuell angepassten Insulingaben entgegenwirken. "Eine auf den Punkt korrekte Dosierung ist nicht immer einfach, da zahlreiche Faktoren den Blutzuckerspiegel mitbeeinflussen", erklärt der Diabetologe. Eine zu hohe Insulingabe könne dann eine Unterzuckerung nach sich ziehen.

Zudem sind Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen, oft nicht nur sehr zucker-, sondern auch fetthaltig und damit sehr kalorienreich. „Übergewicht betrifft mittlerweile auch viele junge Menschen mit Typ-1-Diabetes“, sagt Professor Haak. Das zeigte auch die Auswertung US-amerikanischer Diabeteszentren (T1DX-Register) mit Daten von 11.435 Patienten unter 18 Jahren und der deutschen Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) mit 21.501 jungen Betroffenen aus Deutschland und Österreich in 2015.[*] Der Vergleich der Daten des T1DX-Registers und der DPV ergab, dass zwölf Prozent der Kinder und Jugendlichen Adipositas und 24 Prozent Übergewicht hatten, ein normales Gewicht hingegen insgesamt 64 Prozent. "Von Übergewicht betroffene Menschen mit Diabetes Typ 1 weisen instabilere Blutzuckerwerte auf und benötigen mehr Insulin", sagt Dr. rer. medic. Nicola Haller, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) und Diabetesberaterin im Ärztehaus Vincentinum in Augsburg. Auf Dauer kann eine Insulinresistenz wie bei Diabetes Typ 2 die Folge sein, aus der schließlich sogar ein "Doppeldiabetes" entstehen kann.

Mittlerweile ist außerdem bekannt, dass auch Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes häufiger Übergewicht haben. Als eine mögliche Ursache wird vermutet, dass sich zeitweise hohe Blutzuckerspiegel im Mutterleib langfristig auf den Stoffwechsel des Kindes auswirken und später die Entstehung eines metabolischen Syndroms begünstigen können.[**] "Menschen mit Diabetes Typ 1 sollten daher mit einer ausgewogenen Ernährung und einem aktiven Lebensstil Übergewicht und starken Blutzuckerschwankungen vorbeugen", rät Nicola Haller.

Quellen

*Stephanie N DuBose et al. Obesity in Youth with Type 1 Diabetes in Germany, Austria, and the United States. The Journal of pediatrics; doi: https://doi.org/10.1016/j.jpeds.2015.05.046

**Pitchika A et al. Associations of maternal type 1 diabetes with childhood adiposity and metabolic health in the offspring: a prospective cohort study. Diabetologia 2018; doi: 10.1007/s00125-018-4688-x.

zuletzt bearbeitet: 31.10.2018 nach oben

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