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Schwer einstellbare Hypertonie

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Walter Zidek, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der DHL, Sprecher der Sektion "Versorgungsstrukturen/Hypertoniezentren DHL", Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat, Klinikdirektor im CC13 - Schwerpunkt Nephrologie, Endokrinologie und Transplantationsmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, im Rahmen der Vorab-Pressekonferenz zur 11. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem 41. Kongress der Deutschen Hochdruckliga (DHL) am 7. November 2017 in Berlin.

Eine große Herausforderung für die Therapie und die Versorgungsstrukturen!

Professor Dr. med. Walter Zidek Die schwer einstellbare Hypertonie ist in der Praxis ein häufiges Problem. Bekanntlich haben etwa 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in der westlichen Welt einen erhöhten Blutdruck. Wenn man von 10 bis 20 Prozent schwer einstellbaren Hypertonikern ausgeht (die Zahlen schwanken naturgemäß), ist dies ein relevantes Problem in der Allgemein- und internistischen Praxis. Nicht nur auf der diesjährigen wissenschaftlichen Tagung der Deutschen Hochdruckliga, sondern auch bereits in den letzten Jahren nimmt dieses Thema einen wichtigen Platz in der Diskussion ein. Ohne ein rationales Konzept verschlingt der schwer einstellbare Hypertoniker erhebliche Ressourcen in der Praxis, nicht zuletzt auch durch umfangreiche Diagnostik, die nicht zur Lösung des Problems führt.

Auf die inhaltlichen Aspekte der schwer einstellbaren Hypertonie will ich im Folgenden nur kurz eingehen; für diesen Rahmen sind vor allem auch die Versorgungsstrukturen von Interesse, die zur Lösung des Problems schwer einstellbare Hypertonie in der Praxis angeboten werden.

Um die Expertise im Bereich des Hypertoniemanagements zu stärken, hat die Deutsche Hochdruckliga schon vor Jahren zwei wichtige Qualifizierungs- und Fortbildungsinstrumente eingeführt, nämlich den Hypertoniespezialisten und die Hypertoniezentren. Der Hypertoniespezialist ist an eine besondere, durch die Hochdruckliga überprüfte Expertise in der Hypertoniebehandlung gekoppelt. Ein Hypertoniezentrum erfordert die Zusammenarbeit von Hypertoniespezialisten mit einer Reihe von Disziplinen, die bei der Abklärung und Behandlung spezieller Patientengruppen wesentliche Beiträge leisten, wie zum Beispiel Gynäkologie, Kardiologie und Endokrinologie.

Die Behandlung schwer einstellbarer Hypertoniker hat sich in den letzten Jahren durch zahlreiche neue Erkenntnisse erheblich verändert: Wir wissen zum einen, dass ein großer Teil dieser Patienten erhebliche Probleme der Adhärenz zeigt, das heißt der Einnahmetreue bezüglich der Hypertoniemedikamente. Es ist in der Praxis oft nicht einfach, diese Patienten zu identifizieren, und auch nicht leicht, die Haltung dieser Patienten zur Medikation zu verändern. In einem anderen Teil schwer einstellbarer Hypertoniker ist die ärztliche Behandlung insuffizient. Auch hier liegt eine wichtige Aufgabe der Deutschen Hochdruckliga, durch Fortbildung nicht nur auf den Jahrestagungen die Behandlung dieser nach den Erkältungskrankheiten häufigsten internistischen Krankheit noch klarer zu machen. In der Praxis ist eines der häufigsten Defizite in der Behandlung dieser Patienten, die Rolle der Kochsalzelimination durch entsprechende diuretische Therapie zu unterschätzen.

Schließlich gibt es auch, wenngleich seltener als die beiden zuvor geschilderten Fälle, Hypertoniker, die an selteneren Formen des Bluthochdrucks leiden, zum Beispiel durch Nierenerkrankungen oder endokrinologische Erkrankungen. Die rechtzeitige Identifizierung dieser Patienten ist für Lebenserwartung und -qualität oftmals entscheidend. Ungleich häufiger als durch diese selteneren Erkrankungen wird allerdings die Einstellung der Hypertonie durch Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz oder das metabolische Syndrom und auch durch die obstruktive Schlafapnoe erschwert.

Dieser Überblick verdeutlicht, dass die schwer einstellbare Hypertonie nach wie vor eine große Herausforderung für die Versorgungsstrukturen in Praxis und Klinik darstellt. Hier liefert die Deutsche Hochdruckliga durch strukturierte Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote wesentliche Hilfestellung. Auf der Jahrestagung ginge es zudem auch darum, für die Praxis brauchbare Empfehlungen im Umgang mit diesen schwierigen Patienten zu geben.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Walter Zidek
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

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zuletzt bearbeitet: 10.01.2018 nach oben

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