Prinzipien der Health On the Net Foundation.

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AOK zur Kritik am Disease-Management:
Qualität wird sich durchsetzen
Der AOK-Bundesverband hat es bedauert,
dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die geplanten neuen
Behandlungsprogramme für chronisch Kranke blockieren will. Mit dieser Drohung hat
die Dachorganisation der rund 110.000 deutschen Kassenärzte am Donnerstag
(27. Juni) auf das Scheitern eines Spitzengespräches mit den Krankenkassen im
Bundesgesundheitsministerium (BMG) am Vorabend reagiert. Beim Streit zwischen
KBV und Kassen geht es um die Behandlung von Patientendaten in den so genannten
Disease-Management-Programmen, die am 1. Juli starten sollen.
"Die AOK ist dennoch zuversichtlich, dass das BMG in der zum 1. Juli zu
erwartenden Rechtsverordnung Datenschutzregelungen festlegt, die das
Datenschutzinteresse der Patienten und die für eine Verbesserung der Behandlung
chronisch Kranker notwendige Datenerhebung gleichermaßen berücksichtigt",
sagte Rolf Hoberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.
Er zeigte sich zuversichtlich, dass es schnell zur praktischen Umsetzung der
Programme kommt: "Viele Ärztegruppen und Kassenärztliche Vereinigungen sind
dringend daran interessiert, entsprechende Verträge mit den Kassen abzuschließen.
Qualität wird sich gegen die vorgeschobene Kritik durchsetzen."
Hoberg bedauerte, dass trotz großer Kompromissbereitschaft der Kassen bei dem
Spitzengespräch kein für die Patienten hilfreiches Ergebnis erzielt werden konnte.
Leider fördere die KBV mit dieser Haltung den Verdacht, dass sie nicht alles tun
wolle, um die defizitäre Behandlung chronisch Kranker schnellstens zu verbessern,
sagte Hoberg. Der KBV gehe es offenbar allein darum, durch konsequentes Verheimlichen
von Behandlungsergebnissen jede Erfolgskontrolle zu verhindern. Hoberg warf der
KBV-Spitze vor, sie greife jetzt auch die Berücksichtigung der Kosten von in
DMP-Programmen behandelten Patienten im Risikostrukturausgleich der GKV an, weil
sie offenbar befürchte, ihre fadenscheinige Sorge um den Datenschutz könne als bloß
vorgeschoben erkannt werden. Hoberg dazu: "Ohne Berücksichtigung im RSA kann
keine große Kasse mit Millionen von Diabetikern die neuen Programme
bezahlen."
Um den Streit zwischen Kassen und KBV zu schlichten, hatte das
Bundesgesundheitsministerium in die Rechtsverordnung, die die Anforderungen an die
Behandlungsprogramme regelt, einen Kompromiss eingearbeitet, der beiden Positionen
gerecht wird. Danach sollen die Ärzte Daten über die Erstdiagnose und Daten zu
weiteren Behandlungsschritten nur dann an die Kassen weitergeben, wenn die
Patienten damit einverstanden sind. Diesen Kompromiss haben die Ärzte in letzter
Minute an einem Detail scheitern lassen. So hätten die Ärzte es angelehnt, gegenüber
den Kassen anzugeben, ob ein eingeschriebener Patient Raucher ist. Stattdessen, so
zitiert die Deutsche Presseagentur einen BMG-Mitarbeiter, hätten sie darauf bestanden,
dass es nur heißen dürfe "Raucherentwöhnung empfohlen".
AOK-Mediendienst
Presseservice Gesundheit - Politik aktuell
Nr. 10 - 27.06.2002
27.06.2002
Archiv 2002
- Nachrichten zur Gesundheitspolitik
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