Prinzipien der Health On the Net Foundation.

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Aus Kostengründen werden Betroffene gefährdet!
Das Disease Management Programm
Diabetes darf nicht zum Vorwand genommen werden, reine Kostenreduktion,
Leistungsausgrenzung oder Rationierung unter dem Deckmantel einer
Evidence Based Medicine
zu rechtfertigen. Obgleich die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (mit mehr als
6.400 Mitgliedern) mit ihren Ausschüssen und Arbeitsgemeinschaften sowie ihre
im gesamten Bundesgebiet flächendeckend ehrenamtlich tätigen Regionalgesellschaften
ihre Expertise und Zusammenarbeit anbot, haben die Krankenversicherer einschließlich
des AOK-Bundesverbandes eine vernünftige Umsetzung evidenz-basierter Medizin
verhindert.
Daher hat die Deutsche Diabetes-Gesellschaft rechtzeitig zum diesjährigen
Kongress der DDG die "Nationale Versorgungs-Leitlinie" Diabetes mellitus
Typ 2, ein Konsensuspapier der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, der
Fachkommission Diabetes Sachsen, der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin,
der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, der Arbeitsgemeinschaft
der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der
Bundesärztekammer entwickelt und vorgelegt. Zusätzlich wurden Praxis-Leitlinien
der DDG publiziert.
In diesen Leitlinien werden gesichertes Wissen in Handlungsanweisungen zur
bestmöglichen Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
umgesetzt. Diese Leitlinien sind die Basis zur Betreuung der mehr als
6 Millionen Menschen mit Diabetes in unserem Land.
Sie soll u.a. die medizinischen Fachkräfte, angefangen von den Hausarzt-Praxen
über die Diabetiker-Schwerpunktpraxen bis zu Krankenhäusern und medizinischen
Rehabilitations-Einrichtungen in ihrer täglichen Arbeit unterstützen.
Die "Nationale Versorgungs-Leitlinie" und die evidenz-basierten
Leitlinien der DDG müssen somit auch Basis für die jetzt einzuführenden
Disease Management Programme (DMP) Diabetes sein.
DMP's müssen zwischen Kostenträgern (Krankenkassen) und Kassenärztlichen Vereinigungen
(Ärztliche Selbstverwaltungsorganisationen) vereinbart werden und sollen dann für
alle KV-Bereiche verbindlich sein. Sie sollen auch der Kostendämpfung dienen.
Das jetzt bekannt gewordene Disease Management Programm (DMP) der AOK, das
in zwei Regionen in Baden-Württemberg erprobt wird, steht in vielen Punkten
außerhalb der "Nationale Versorgungs-Leitlinie". Damit wird versucht,
auf Kosten einer sachgerechten und wissenschaftlich fundierten Betreuung Geld
einzusparen. Ein Anstieg von schwerwiegenden Folgeerkrankungen des Diabetes
in den nächsten Jahren wird geradezu gefördert!
Eine nationale Initiative Diabetes muss ein Qualitätsinstrument zur Verbesserung
der Versorgung von Menschen mit Diabetes sein. Seine Ziele sind daher:
- Verbesserung der Versorgungsqualität
bei gleichzeitiger Kostenstabilisierung
- Aktive Einbindung von gut informierten
und geschulten Patienten
- Regionalgesellschaften der Deutschen
Diabetes-Gesellschaft
- Einbindung evidenz-basierten Leitlinien
und der Möglichkeit ärztlicher Umsetzung
- Weniger reparative und mehr präventive
Medizin
- Qualitätsmanagement und
Qualitätsentwicklung in allen Versorgungsstufen.
Das jetzt vorgelegte Disease
Management Programm Diabetes Typ 2 ist aus folgenden Gründen abzulehnen:
- Nationale und internationale
evidenz-basierte Leitlinien werden in wesentlichen Teilen nicht
berücksichtigt.
- Die Blutzuckereinstellung spielt
bei der Therapie des Diabetes und seiner Folgeerkrankungen eine untergeordnete
Rolle.
- Nur eine Minderheit von
Typ 2 Diabetikern sollen diabetologisch evidenz-basiert therapiert
werden.
- Die strukturierte Dokumentation
bildet nur ungenügend die Qualität der Versorgung ab und lässt keine
Schlüsse über die Effektivität einer Intervention zu.
- Der administrative und logistische
Aufwand wird schätzungsweise 5 Milliarden Euro verschlingen,
anstatt in die Verbesserung der Versorgung einzufließen.
Das ist ein Spiel mit Gesundheit und
Wohlbefinden von Menschen mit Diabetes zugunsten von Kostenreduzierung für die
AOK, die Vorreiter für andere Krankenkassenarten in Deutschland sein will.
Angesichts auch der in Zukunft notwendigen und auf gesicherten Kenntnissen
basierenden Betreuung von Menschen mit Diabetes fordern wir für unsere
Patienten und als Betroffene, die Nationale Versorgungs-Leitlinie als Basis
der zu entwickelnden Disease Management Programmen zugrunde zu legen:
Unterstützt und getragen durch:
Deutsche Diabetes-Gesellschaft, Berufsverband Deutscher Diabetologen, Bundesverband
Niedergelassener Diabetologen, Regionalgesellschaften der Deutschen
Diabetes-Gesellschaft, Deutscher Diabetiker Bund, Deutsche Gesellschaft für
Endokrinologie, Berufsverband Deutscher Endokrinologen, Deutsche Gesellschaft
für Innere Medizin, Berufsverband Deutscher Internisten, Verband der Diabetesberatungs-
und Schulungsberufe, Verband der Krankenversicherten Deutschlands.
17.05.2002
Archiv 2002
- Nachrichten zur Gesundheitspolitik
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