Prinzipien der Health On the Net Foundation.

|
| |
Nationales Programm für Versorgungsleitlinien bei der Bundesärztekammer (NPL)
A. Zielsetzung
Angestoßen durch die Beratungen des
Koordinierungsausschusses gem. § 137f SGB V zur Definition von
Anforderungen an strukturierte Behandlungsprogramme übernimmt die Bundesärztekammer
die Schirmherrschaft für ein "Nationales Programm für Versorgungsleitlinien
bei der Bundesärztekammer (NPL)". Strukturierte Behandlungsprogramme
müssen auf einheitliche Therapieempfehlungen gestützt werden, für die in
Deutschland die notwendigen evidenzbasierten Konsensusleitlinien bislang nicht
in jeder Hinsicht zur Verfügung stehen. Das Nationale Programm schafft mit den
zu erstellenden Versorgungsleitlinien die Grundlagen für eine Empfehlung des
Koordinierungsausschusses. In der Folge sind diese Grundlagen entsprechend dem
nach den Kriterien der Evidenzbasierten Medizin besten, jeweils aktuell verfügbaren
Stand der medizinischen Erkenntnisse zu aktualisieren.
Durch den Konsensfindungsprozess im Rahmen des "Nationalen Programmes für
Versorgungsleitlinien bei der Bundesärztekammer (NPL)" wird die
Implementierung evidenzbasierter Handlungsempfehlungen der wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften, der Arzneimittelkommission der deutschen
Ärzteschaft und weiterer Verfasser in besonderem Maße gefördert.
Ziel ist es, Schlüsselempfehlungen deutscher Leitlinien und evidenzbasierte
Handlungsempfehlungen verschiedener Herausgeber zu einer bestimmten, prioritären
Versorgungsproblematik in Form einer nationalen Versorgungsleitlinie aufeinander
abzustimmen und zusammenzufassen. Dabei wird besonderer Wert auf die Anforderungen
der Gremien gelegt, die gemäß SGB V für die Nutzung evidenzbasierter Leitlinien
zur Entwicklung von Versorgungskriterien bzw. Disease-Management-Programmen
verantwortlich sind.
Das "Nationale Programm für Versorgungsleitlinien bei der
Bundesärztekammer (NPL)" ergänzt bestehende Programme (z.B. der AWMF, der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft), indem Versorgungsleitlinien
insbesondere auf Implementierung der wissenschaftlichen Evidenz in die
Versorgungsroutine zielt.
B Vorgehen, Verfahren
1. Themenpriorisierung
Der Anstoß zur Themenauswahl zur Entwicklung einer nationalen Versorgungsleitlinie
erfolgt vorrangig im Rahmen der Beschlussempfehlungen des Koordinierungsausschusses
gem. §§ 137f e und f SGB V.
2. Einleitung des Abstimmungsprozesses
Die in der Erarbeitung von überregionalen Leitlinien zu einer bestimmten Thematik
ausgewiesenen Herausgeber und Verfasser von Leitlinien und evidenzbasierten
Handlungsempfehlungen werden vom Präsidenten der Bundesärztekammer zu einem
ersten Abstimmungsgespräch geladen. In der Regel ist die AWMF bzw. die jeweilige
Fachgesellschaft Ansprechpartner. Im Vorfeld hat eine interne Abstimmung zwischen
wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaft und jeweiligem Berufsverband über
die Federführung zu erfolgen.
Ziel dieser Abstimmung ist vorrangig die Klärung der Frage, ob die verschiedenen
Verfasser/Herausgeber sich auf eine durch die Bundesärztekammer moderierte gemeinsame
Erstellung einer "Nationalen Versorgungsleitlinie" einigen können.
Dabei sind folge Vorgaben(1) zu beachten:
- Berücksichtigung der Leitlinien-Methodik
von AWMF und ÄZQ
- Berücksichtigung der Kriterien der
Evidenzbasierten Medizin
- Darlegung der Evidenzen zu den
Schlüsselempfehlungen der Versorgungsleitlinie (gem. Methodik des Schottischen
Leitlinien-Netzwerkes)
- Formale Vorgaben der Veröffentlichung
der Versorgungsleitlinie
- Obligatorische, interne Abstimmung
zwischen Fachgesellschaften und jeweiligen Berufsverbänden im Vorfeld zu
Federführung
- Das Abstimmungsergebnis ist zu
protokollieren.
- Die Autorenschaft der erstellten
Versorgungsleitlinie liegt bei der Bundesärztekammer und bei den Herausgebern der
zu Grunde liegenden Leitlinien/ evidenzbasierten Handlungsempfehlungen.
An den Beratungen kann die von den
Selbstverwaltungspartnern des Koordinierungsausschusses benannte Arbeitsgruppe
"Inhaltliche Anforderungen an Disease-Management-Programme" des
Arbeitsausschusses "Disease-Management-Programme" beteiligt werden.
3. Ablauf und Darlegung des Abstimmungsprozesses
Der Abstimmungsprozess zwischen Verfassern,
Herausgebern sowie externen Experten und/oder potenziellen Nutzern der
Versorgungsleitlinie wird durch neutrale Experten moderiert. Beschlüsse sind
generell einstimmig zu fassen. Kommt eine Einigung nicht zustande, sind abweichende
Voten mit Autorenschaft und zu Grunde liegender Evidenz darzulegen.
Der zeitliche und inhaltliche Ablauf des Abstimmungsprozesses sowie das
Abstimmungsergebnis werden in einem Protokoll festgelegt.
4. Externe Bewertung und Pflege der Versorgungsleitlinie
Die Versorgungsleitlinie wird einer
Bewertung durch das Leitlinien-Clearingverfahren der Selbstverwaltungsorganisationen
im Gesundheitswesen unterworfen. Für jede Versorgungsleitlinie wird die zu Grunde
liegende Evidenzbasis allgemein zugänglich gemacht. Die Verfasser/Herausgeber
sind über notwendig werdende Aktualisierungen zu informieren.
5. Zusammenarbeit
Bei der Erstellung von Versorgungsleitlinien
ist bei Bedarf der Sachverstand des Deutschen Cochrane-Zentrums, des Deutschen
Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und weiterer aus-gewiesener wissenschaftlicher
Institutionen einzubeziehen.
6. Durchführung, Finanzierung
Die Bundesärztekammer delegiert die
organisatorische Realisierung des Nationalen Leitlinienprogramms bei der
Bundesärztekammer an die Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (ÄZQ).
Dabei ist zu gewährleisten, dass kein Interessenkonflikt zwischen dem
beschriebenen Projekt und dem Leitlinien-Clearingverfahren bei der ÄZQ
entsteht. Bei der Bundesärztekammer bzw. der ÄZQ anfallende Kosten, die in
unmittelbarem Zusammenhang mit der Organisation des Konsensusprozesses für
Leitlinien entstehen, sind durch eine abgesicherte neutrale Drittfinanzierung
zu tragen.
Literaturhinweise:
- AWMF, ÄZQ (2001) Das Leitlinien-Manual.
Z>ärztl Fortbild Qualitätssicherung (ZaeFQ)>95 (Supp.I)>I-84
- Sackett DL Richardson WS et al.
Evidenzbasierte Medizin. EbM-Umsetzung und Vermittlung. Deutsche Ausgabe von R. Kunz,
L. Fritsche, Germering, Zuckschwerdt 1999
- Kunz R, Ollenschläger G et al. Lehrbuch
Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis, Köln, Deutscher Ärzteverlag 2000
- Scottish Intercollegiate Guideline
Network (SIGN). SIGN Guideline 50: A guideline developers' handbook.
SIGN Publication No. 50. SIGN Executive, Royal College of Physicans of Edinburgh,
9 Queen Street, Edinburgh EH2 IJQ, United Kingdom, Page 6-3,
February 2001

Stand: 20.03.2002
Archiv 2002
- Nachrichten zur Gesundheitspolitik
|
|