Prinzipien der Health On the Net Foundation.

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Arzneimittel: Was Leitlinien in der Praxis wirklich bringen können
(Wuppertal, 23.01.2002) Disease Management:
Der Begriff kommt aus dem Englischen und steht für die Strategie, vor allem die
Behandlung chronischer Erkrankungen zu verbessern. Basis des Krankheitsmanagements
sind Leitlinien für die medizinische Betreuung. Sie geben den wissenschaftlich
begründeten Rahmen vor, in dem Patient und Arzt gemeinsam die individuellen
Behandlungsziele festlegen und Diagnostik und Therapie durchgeführt werden.
Die BARMER setzt sich mit Nachdruck für dieses Reformkonzept ein, weil dadurch das
partnerschaftliche Miteinander im Gesundheitswesen ausgebaut, die Qualität der
medizinischen Versorgung gesteigert und die Wirtschaftlichkeit erhöht werden kann.
Zugleich ermöglicht es mehr Verteilungsgerechtigkeit im Finanzausgleich der
Krankenkassen, dem Risikostrukturausgleich.
Dabei geht es auch um die richtigen Arzneimittel - und da lässt sich in dem
deutschen Gesundheitswesen noch einiges verbessern. Gerade mit einem Disease
Management bietet sich die Chance, die Arzneimitteltherapie effizienter zu
gestalten, so Dr. Eckart Fiedler, Vorstandsvorsitzender der BARMER Ersatzkasse,
und verweist auf den Ansatz, Leitlinien und Therapieempfehlungen stärker zu
berücksichtigen. Neue Belege dafür lieferte die BARMER mit einer Analyse ihrer
Arzneimitteldaten. "Die Auswertung hat gezeigt: Nicht nur die Auswahl, auch
die Anwendung von Arzneimitteln ist verbesserungsbedürftig", bilanziert
Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität
Bremen, der die BARMER-Daten ausgewertet hatte, am Beispiel der chronischen
Herzinsuffizienz.
Seit Jahren wird in internationalen Behandlungsleitlinien darauf hingewiesen, dass die
so genannten ACE-Hemmer das schwache Herz der Patienten am besten unterstützen. Sie
belasten die Patienten am wenigsten und erhöhen dabei auch deren Lebenserwartung.
Dennoch zeigen Statistiken der Pharmaindustrie, dass immer noch auf das Herz
einwirkende Digitalisglykoside und Diuretika die am meisten verordneten Mittel sind.
Ein ähnliches Bild zeigen die BARMER-Daten. Demnach werden die herzwirksamen
Digitalisglykoside und - vor allem Weißdornextrakt enthaltende - pflanzliche
Herzmittel häufiger als ACE-Hemmer verordnet, die nach den gängigen Leitlinien zur
Behandlung von Herzinsuffizienz eingesetzt werden sollten.
Eine Ursache für diesen Trend sieht Glaeske u.a. auch im Preis der Präparate. So
kosten Digitalisglykoside mit 0,13 e am wenigsten, dagegen sind ACE-Hemmer mit
0,55 e und pflanzliche Herzmittel mit 0,48 e sehr viel teurer. "Das
Bild ändert sich jedoch drastisch, wenn man die Gesamtkosten für die Behandlung
der Herzinsuffizienz betrachtet, inklusive des Krankenhauses." Dabei fällt
auf: Patienten, die mit Digitalisglykosiden oder pflanzlichen Herzmitteln
behandelt werden, haben einen zehnmal so hohen Anteil an Krankenhauspatienten
mit Herzinsuffizienz wie die mit ACE-Hemmern behandelten Patienten.
Die Konsequenz daraus: Würden alle Patienten mit ACE-Hemmern versorgt, stiegen zwar
die Arzneimittelkosten, zugleich aber könnte der Aufwand für Krankenhausbehandlungen
deutlich verringert werden. Allein bei der BARMER reduzierten sich die
Behandlungskosten um mehr als die Hälfte. Die entsprechenden Zahlen sind
beeindruckend: Statt wie bisher rund 42,2 Millionen e für die Behandlung
von Patienten mit Herzinsuffizienz, müssten bei einer leitlinienorientierten
Behandlung nur noch etwa 18,2 Millionen e aufgewandt werden. "Dieses
Beispiel zeigt, dass man besser mit als an Arzneimitteln spart", so
Gerd Glaeske, der dabei zugleich darauf verweist, dass eine solche Sichtweise
durch die heutige Trennung in Ausgabensektoren (zum Beispiel nach ambulant
und stationär) erschwert wird. "Unabhängig davon zeigt das Beispiel der
Herzinsuffizienz, dass Leitlinien, nicht nur die Kosten beeinflussen, sondern
auch den betroffenen Menschen zu einer höheren Lebensqualität verhelfen können",
so Dr. Eckart Fiedler. Ein sinnvoller Wettbewerb um die Qualität der
Behandlung ist das Ziel von Disease-Management-Programmen, so Fiedler.
Pressemitteilung: BARMER Ersatzkasse (BEK)
23.01.2002
Archiv 2002
- Nachrichten zur Gesundheitspolitik
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