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Mit Diabetes unbeschwert reisen

aus: subkutan - Mitgliederzeitschrift im Deutschen Diabetiker Bund

Badefreuden in der Brandung Ein paar Tage oder noch besser ein paar Wochen Urlaub sind wichtig, um sich vom Alltag zu erholen und seine Batterien wieder aufzuladen. Ob Strandurlaub, Faulenzen auf Balkonien, Radtour oder Abenteuerurlaub in den entlegendsten Ecken der Welt - den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Das trifft auch auf Menschen mit Diabetes zu. Mit der richtigen Vorbereitung steht der schönsten Zeit des Jahres nichts mehr im Wege.

Der wohl schwierigste Teil der Vorbereitungen ist die Wahl des Reiseziels. Bei allen anderen Dingen, wie Impfschutz, Auslandsversicherung, Ausweise, kann man sich von vielen Seiten problemlos Informationen und Ratschläge einholen. Bei Fragen rund um das Thema Reisen mit Diabetes können Sie sich auch gerne an Ihren DDB-Landesverband wenden.

Andere Länder, andere Sitten ...

Asiatisches Motiv ...und eben auch andere Speisen, Gesundheitssysteme und Sicherheitsbestimmungen. Vor der Abfahrt beziehungsweise dem Abflug sollten ausreichend Informationen über das jeweilige Zielland eingeholt werden. Verschärfte Sicherheitskontrollen können den Urlaub bei unzureichender Vorbereitung schon frühzeitig am Flughafen beenden. Insulinpflichtige Diabetiker müssen sich immer entsprechend ausweisen können. Die dafür notwendigen Papiere sind von Land zu Land unterschiedlich.
Das Kofferpacken sollte ebenfalls gut durchdacht und geplant sein. Was gehört ins Handgepäck, was in den Koffer (siehe Kasten)?

Was darf ins Handgepäck? (Beginn Einschub)

Seit November 2006 wurden die Handgepäckbestimmungen bei Abflügen aus der Europäischen Union - egal mit welchem Ziel - bezüglich der Mitnahme von Flüssigkeiten und der maximal zulässigen Handgepäckgröße neu geregelt.
Flüssigkeiten oder vergleichbare Produkte in ähnlicher Konsistenz - dazu gehören beispielsweise Gels, Sprays, Shampoos, Lotionen, Cremes, Zahnpasta - dürfen künftig nur noch in geringen Mengen in kleinen Einzelbehältnissen mitgenommen werden. Zugelassen sind Behälter bis 100 Milliliter, die in einem durchsichtigen und wiederverschließbaren Plastikbeutel von maximal einem Liter Fassungsvermögen transportiert werden.
Medikamente und Spezialnahrung, die während des Fluges an Bord benötigt werden, kann man auch außerhalb des Beutels mitnehmen. Die Passagiere müssen diese an der Kontrollstelle ebenfalls getrennt vom übrigen Handgepäck vorlegen und den Bedarf plausibel begründen.

(Ende Einschub)

In den letzten Jahren ist das Reisen mit Diabetes um einiges leichter geworden. Die Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Hotels haben sich auf die vielfältigen Wünsche ihrer kleinen und großen Gäste eingestellt. Der Service geht von speziellen Menüs an Bord des Flugzeugs bis hin zur entsprechenden Aufbewahrung des Insulins und gut geschultem Personal. Ratsam ist es, sich im Vorfeld über das Gesundheitssystem des Landes zu informieren. Fast alle Krankenkassen verfügen über Listen von Apotheken, Ärzten und/oder Krankenhäusern vor Ort.

Jedes Jahr fahren viele Deutsche in den Sommerurlaub. Seit einiger Zeit erfreuen sich besonders weit entfernte, exotische Länder großer Beliebtheit. Zwar bringt Diabetes so manche Einschränkung mit sich, doch ein Grund, zu Hause zu bleiben, ist er nicht. Selbst ein Abenteuertrip ist möglich, wenn bestimmte vorbereitende Maßnahmen ergriffen und einige Regeln befolgt werden.

Zunächst sollte, wie auch bei gesunden Menschen, je nach Reiseziel überprüft werden, welche Impfungen vorhanden sind und welche benötigt werden. Für einen möglichst sicheren Schutz sollten diese ein paar Wochen vorher erfolgen, damit sie während des gesamten Urlaubs auch wirken. Zudem gibt es ein paar Impfungen, wie gegen Hepatitis, die dafür mehrere Injektionen benötigen. Ebenso sollten einige Bescheinigungen im Vorfeld besorgt werden. Zum einen gehört dazu neben dem deutschen auch ein internationaler Diabetiker-Ausweis. Am besten nimmt man einen in der Landessprache des Urlaubsziels, zumindest jedoch einen englischen mit. Besonders hilfreich ist es, auch die Medikamente sowie deren Dosierung dort zu notieren. Trägt man diesen Ausweis während der Reise ständig bei sich, wissen in einem Notfall auch die Helfer schnell Bescheid, was zu beachten ist.

Insulinpflichtige Diabetiker brauchen vom behandelnden Arzt eine Bescheinigung, dass sie auf Insulin angewiesen sind und eine Spritze mit sich führen müssen. Vor allem bei Flugreisen ist dies unerlässlich, da spitze Gegenstände nicht mit an Bord genommen werden dürfen. Auch hier empfiehlt es sich, diese Bestätigung zumindest in Englisch ausstellen zu lassen, um Missverständnissen oder Verständigungsproblemen vorzubeugen. Und ohne greifbaren Pen und Blutzuckermessgerät sollte kein insulinspritzender Diabetiker länger unterwegs sein.

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Für den Notfall gerüstet

Generell sollten neben der Reiseapotheke immer zwei komplette Diabetes-Ausrüstungen im Urlaub dabei sein. Geht beispielsweise ein Pen kaputt, ist es im Ausland oft schwierig, einen gleichwertigen Ersatz zu bekommen. Ebenso sind reichlich Insulin sowie Teststreifen wichtig. Durch klimatische Veränderungen, körperliche Anstrengung, fremdes Essen und gesundheitliche Probleme, zum Beispiel durch ein ungewohntes Klima, können unerwartete Blutzuckerschwankungen auftreten.

Verteilen Sie Ihre Ausrüstung auf Ihr Gepäck. Besonders, wenn man mit dem Flugzeug verreist, können die Koffer schon mal woanders ankommen. Unter Umständen kann es einige Stunden, wenn nicht sogar Tage dauern, bis man seine Sachen wieder in Empfang nehmen kann. Deshalb sollten sie immer einen kompletten Satz im Handgepäck mit sich führen. Wenn Sie mehrere Zeitzonen durchfliegen, sind Sie meist auch darauf angewiesen, zwischendurch zu messen.

Bei Reisen in warme Länder empfiehlt es sich, eine entsprechende Kühltasche für das Insulin mitzunehmen. Bei Unternehmungen in kältere Gebiete sollte das Insulin möglichst am Körper getragen werden. So ist es stets in der richtigen Temperatur und kann bei Bedarf ohne unnötige Aufwärmzeit sofort verwendet werden. So steht auch längeren Touren nichts mehr im Weg.

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Fragen Sie Ihren Arzt!

"Informieren Sie Ihren Arzt möglichst genau über die bevorstehende Reise", empfiehlt Dr. Steffen Hilfer, Arzt beim AOK-Bundesverband. "Lassen Sie sich ausreichend Medikamente verordnen. Wenn Sie eine Reise mit Zeitverschiebung antreten, fragen Sie Ihren Arzt, wie Sie die Medikamenteneinnahme anpassen sollen." Rechtzeitig erkundigen sollten sich Patienten auch nach den Sicherheitsbestimmungen an Grenzen und Flughäfen: Für manche Medikamente werden ganz spezielle Papiere verlangt.

Einige Arzneimittel - zum Beispiel starke Schmerzmittel und einige Psychopharmaka - fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und dürfen nur unter bestimmten Bedingungen in andere Länder eingeführt werden. "Informieren Sie sich vor der Reise über die Bestimmungen bei den jeweiligen Botschaften in Deutschland", rät Hilfer.

Wer Probleme an der Grenze oder bei den Sicherheitskontrollen vermeiden will, sollte eine beglaubigte Kopie der ärztlichen Verschreibung und eine ärztliche Bescheinigung in deutscher und englischer Sprache bei sich haben, die Angaben über die Einzel- und Tageseinnahme enthält. Das wird anerkannt für Reisen bis zu 30 Tagen in die Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens; zur Zeit sind das Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Einheitliche Bestimmungen für die Einfuhr in andere Länder gibt es allerdings nicht.

(Ende Einschub)

Öfter messen

Besonders im Urlaub ist eine häufige Kontrolle des Blutzuckers unerlässlich. Zahlreiche Faktoren, wie ungewohnte Speisen, Zeitverschiebung oder körperliche Betätigung machen die Werte oft unberechenbar. Misst man öfter, braucht man sich keine Gedanken über Zeitumrechnung und die richtige Zahl der BE zu machen, sondern kann schnell auf Schwankungen reagieren. Zusätzlich zu diesen Regeln empfiehlt es sich, den behandelnden Arzt vor Antritt der Reise zu befragen. Dieser kann auch noch den einen oder anderen Tipp geben.

Mit Beginn der Urlaubszeit ist auf den Flughäfen wieder Hochbetrieb. Weiter, länger und in die entferndtesten Ecken der Welt soll die Reise gehen. Binnen kürzester Zeit werden nicht selten Tausende Kilometer zurückgelegt und mehrere Zeitzonen einfach überflogen (siehe S. 21). Um beispielsweise von München nach Honolulu zu kommen, muss man in den sauren Apfel beißen und gut 25 Stunden Flug in Kauf nehmen. Etwa 93 Prozent der Fluggäste macht auf solch einer Distanz der sogenannte "Jetlag" zu schaffen. Fluggäste klagen dann oft über Schlafstörungen, Hungergefühl zu ungewöhnlichen Zeiten, häufiges Erwachen, langsamere Reaktionsgeschwindigkeit, Müdigkeit und Schlappheit.

Der Jetlag-Effekt wird bei Flügen in westlicher Richtung im Allgemeinen als stärker empfunden als bei Flügen nach Osten, weil man in westliche Richtung "gegen die Zeit" fliegt. Bei Flügen nach Norden oder Süden tritt dementsprechend kaum Jetlag auf. Für gewöhnlich hilft viel Trinken, der Verzicht auf Alkohol, häufiges Aufstehen oder kleinere gymnastische Übungen, vor der Reise ausgeruht sein, leicht verdauliche kohlenhydratreiche Kost zu sich nehmen und sich nach Ankunft am Zielflughafen auf die dortige Uhrzeit einstellen. Das heißt, erst zur gewohnten Zeit am Zielort Schlafen gehen. Je nach gesundheitlicher Verfassung und Höhe der Zeitverschiebung benötigt der Urlauber 2 bis 14 Tage, um sich vollends an den neuen Tages-Nachtrhythmus zu gewöhnen. Für Diabetiker stellen Zeitumstellungen ebenfalls kein unüberwindliches Problem dar. Hier gilt: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und erspart unnötig Stress und Zeit!

Fliegen mit Insulin

Flughafen Während Langstreckenflügen muss die Insulindosierung neu angepasst werden. Bei einem Flug von Osten nach Westen werden die Tage länger, der Insulinbedarf steigt. Von Westen nach Osten verkürzen sich die Tage, der Insulinbedarf sinkt. Eine genaue Dosierungsformel gibt es nicht und muss daher mit dem Arzt vorher abgesprochen werden. Wichtig ist eine häufige Kontrolle der Blutzuckerwerte (alle drei Stunden mindestens), daher ein zweites komplettes Set im Handgepäck verstauen. Häufiges Aufstehen, Bewegung, sowie viel Trinken sind auch bei Diabetikern unablässig.
Gute Reise!

Tipps für den Urlaub mit Insulinpumpe

Im Urlaub will und soll man sich richtig erholen. Gute Vorbereitung ist deshalb wichtig. Trotz guter Planung können aber im Urlaub Dinge geschehen, die Sie eigentlich nicht eingeplant haben. Mit einigen Tipps wollen wir Ihnen helfen, dass Ihr Urlaub wirklich schön wird.

Tipp 1

Wollen Sie in den Urlaub fliegen? Denken Sie an eine Bescheinigung, in der Ihnen Ihr Arzt bestätigt, was Sie als Insulinpumpenträger alles im Handgepäck haben müssen.

Tipp 2

Im Flugzeug findet immer wieder ein Druckausgleich statt. Sie kennen das, wenn sich die Ohren plötzlich verschließen oder überraschend wieder aufgehen. Genauso geht es Ihrer Insulinpumpe. Problem: Sie kann nicht selbstständig ihre "Ohren" schließen und öffnen. Achten Sie deshalb bitte darauf, dass beim Fliegen die beiden Luftlöcher im Adapter offen sind.

Tipp 3

Ihre Reise geht in eine andere Zeitzone. Dann muss sich nicht nur Ihr Organismus an den neuen Rhythmus anpassen, sondern auch Ihre Insulinpumpe. Ändert sich die Zeit um maximal zwei Stunden - unabhängig davon, in welcher Richtung -, können Sie die Uhrzeit der Pumpe einfach umstellen. Bis zu vier Stunden empfiehlt es sich, die Pumpe jeweils in 2-Stunden-Schritten jeden Tag an die neue Zeit anzupassen. Über vier Stunden Zeitverschiebung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder stellen Sie die Zeit wieder in 2-Stunden-Schritten über mehrere Tage auf die neue Zeit um; oder Sie stellen Ihre Basalrate konstant auf die niedrigste in 24 Stunden eingestellte Dosis ein - und sobald Sie sich an die neue Zeit gewöhnt haben, programmieren Sie wieder die variable Basalrate in der Pumpe.

Tipp 4

In fremden Ländern gehören Speisen, die man nicht kennt, zum Urlaub dazu. Den Kohlenhydratgehalt solcher Nahrungsmittel korrekt einzuschätzen, das ist gar nicht so einfach. Dosieren Sie Ihr Insulin in solchen Situationen vorsichtig - und korrigieren Sie gegebenenfalls anschließend zu hohe Werte.

Tipp 5

Auch im Urlaub können einen Krankheiten erwischen. Hier gelten die gleichen Regeln wie zu Hause. Bei Erkältungskrankheiten mit Fieber steigt in der Regel Ihr Insulinbedarf, Basalinsulin und BE-Faktoren müssen Sie also erhöhen. Bei Magen-Darm-Verstimmungen steigt der basale Insulinbedarf normalerweise auch; aufgrund des Energieverlustes durch Brechen und Durchfall seien Sie hier aber vorsichtiger mit dem Anpassen der Insulindosis - um keine Unterzuckerungen auszulösen. Genauso wichtig wie die Blutzuckereinstellung und das Vermeiden von Unterzuckerungen in dieser Situation ist, dass Sie Ihren Flüssigkeitshaushalt im Griff haben. Trinken Sie viel Wasser (abgekocht) oder Tee, das oder den Sie mit Elektrolyten ergänzt haben. Bei Unterzuckerungen hilft es, die Flüssigkeiten mit Traubenzucker zu versetzen. Auch eingetauchter Zwieback, Löffelbiskuits oder Salzstangen sind hierbei gute Kohlenhydratlieferanten.

Tipp 6

Ihr Diabeteszubehör ist verloren gegangen oder defekt? Je nachdem, in welchem Land Sie sich befinden, ist es mehr oder weniger schwierig, Ersatz zu bekommen. Wenn Sie in eine Apotheke oder zum Arzt gehen, ist es wichtig, dass Sie wissen, wie Ihr Medikament und Ihr Zubehör in der Landessprache heißen. Suchen Sie sich die Begriffe am besten vor dem Urlaub in einem Wörterbuch heraus oder fragen Sie direkt bei Ihrem Hersteller nach.

Tipp 7

Alles, was Ihnen in Bezug auf Ihren Diabetes im Urlaub unklar ist, besprechen Sie am besten rechtzeitig vorher mit Ihrem Arzt und Ihrer Diabetesberaterin. Auch Tipps und Hinweise aus Selbsthilfegruppen und Zeitschriften helfen Ihnen, sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.

Quelle: www.diaexpert.de

Redaktion subkutan

Quellen

subkutan - Mitgliederzeitschrift im Deutschen Diabetiker Bund und www.diabetes-gate.de (Seite offline)
Bildquellen: Privat und Stock.XCHNG

zuletzt bearbeitet: 14.07.2007, zuletzt aktualisiert 04.07.2017 nach oben

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