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diabetesDE zum Europäischen Adipositas-Tag

Adipositas stärkster Risikofaktor für Typ-2-Diabetes

Anlässlich des Europäischen Adipositas-Tages (21. Mai) verweist diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe darauf, dass das schwere Übergewicht (Adipositas) ab Body Mass Index (BMI) 30 der stärkste Risikofaktor für die Entstehung des Diabetes Typ 2 ist: 80-90 Prozent der Menschen in Deutschland mit Diabetes Typ 2 sind auch adipös.

Zur Bekämpfung der zunehmenden Zahl Schwerübergewichtiger und des wachsenden Problems Diabetes Typ 2 plädiert diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe für politische Maßnahmen, die die soziale und gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland reduzieren. Die derzeitig weiter auseinanderdriftende soziale Schere fördert sowohl Adipositas als auch Diabetes Typ 2. Außerdem sind effektive bevölkerungsweite Maßnahmen der Primärprävention gemäß WHO notwendig, die alle Menschen gesundheitsfördernd erreichen, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Stellung. Dazu zählt insbesondere eine Zucker-Fett-Steuer, ein Verbot von Marketing für übergewichtfördernde Lebensmittel, das sich an Kinder und Jugendliche richtet, verbindliche Qualitätsstandards für die Kita und Schulernährung sowie eine Stunde Bewegung für jeden Schüler an allen Schulen pro Tag.

Derzeit sind zwei von drei Männern und jede zweite Frau in Deutschland übergewichtig, knapp ein Viertel ist schwer übergewichtig1. In Europa verursachen Übergewicht und Adipositas jedes Jahr um die 337.000 vorzeitige Todesfälle durch Krankheitskosten und verminderte produktive Lebensjahre aufgrund von Übergewicht und Adipositas werden pro Jahr Kosten von 70 Mrd. Euro überschritten. In Zukunft wird besonders der Schweregrad des Übergewichts weiter zunehmen. So schätzt die Europäische Adipositas Gesellschaft (EASO), dass bis zum Jahr 2030 mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Europa und auch in Deutschland adipös sein wird.

"Diabetes Typ 2 und Adipositas sind quasi Zwillinge: sie treten meistens zusammen auf", so Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost, im Vorstand von diabetesDE- Deutsche Diabetes-Hilfe zuständig für die Themen Wissenschaft und Ernährung. "Wir werden es nicht schaffen, den Diabetes-Tsunami zu stoppen, wenn wir den Adipositas-Tsunami nicht stoppen können. Rund 90 Prozent der Patienten mit Diabetes Typ 2 sind adipös; bei Normalgewichtigen tritt die Krankheit nicht oder erst im hohen Alter auf", erläutert der Diabetologe.

Bereits 2008 wurde durch die Ministerien für Gesundheit sowie Ernährung und Landwirtschaft "INFORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung" ins Leben gerufen, mit dem Ziel, eine Trendwende im Vorkommen von Übergewicht und Adipositas bis zum Jahr 2020 herbeizuführen. Jedoch wurden die Maßnahmen nicht flächendeckend umgesetzt und auch nicht an der Zielstellung evaluiert, so dass heute niemand sagen kann, wie erfolgreich INFORM tatsächlich war oder ist. Seit den 1990er Jahren hat auch das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen um mehr als 50 Prozent zugenommen.
Aber auch keinem anderen Land in Europa ist es bislang gelungen, das Voranschreiten von Übergewicht, Adipositas und Diabetes Typ 2 zurückzudrängen.

"Die Auswirkung von Übergewicht und Adipositas auf die Entstehung der chronischen Volkskrankheiten wird immer noch massiv unterschätzt", so Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin in München und Berater des diabetesDE-Vorstands im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas. "Adipositas mit Krankheitswert muss endlich als eigenständige chronische Krankheit anerkannt werden und die Therapie muss eine Regelleistung im gesetzlichen Leistungskatalog der Krankenkassen werde", so der Adipositas-experte.

zuletzt bearbeitet: 19.05.2016 nach oben

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