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Risiken durch schnelle Stoffwechselregulierung bei Diabetes

Moderate Blutzuckersenkung besser verträglich

Sinkt der HbA1c-Wert innerhalb von drei Monaten um mehr als zwei Prozent, könnte dies das Risiko für schmerzhafte Nervenschäden, Netzhautschädigungen oder Nierenerkrankungen erhöhen. Dies berichten Wissenschaftler der Harvard Medical School im Fachjournal 'Brain'.

Seit vielen Jahren werden Diabetes-Patienten dazu angehalten, ihren Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c konsequent zu senken. Es ist unbestritten, dass ein zu hoher HbA1c-Wert für viele Folgeerkrankungen durch Schädigungen der Blutgefäße verantwortlich ist. Wenn sich jedoch die Ergebnisse einer im Januar veröffentlichten Studie bestätigen, wird künftig möglicherweise eine langsamere Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozent im Zeitraum von drei Monaten empfohlen.

Die amerikanischen Neurologen werteten die Daten von 910 Diabetes-Patienten aus. Von diesen erreichten 168 Patienten innerhalb von drei Monaten eine deutliche Blutzuckerkontrolle. Allerdings erlitten in dieser Gruppe 62 Prozent eine behandlungsbedingte Nervenschädigung. Bei ihnen zeigten sich Anzeichen einer Schädigung des autonomen Nervensystems, sowie Netzhaut- und Nierenkomplikationen (Mikroalbuminurie). In der größeren Gruppe der 742 Patienten, deren HbA1c-Wert im gleichen Zeitraum um weniger als zwei Prozent sank, traten diese Komplikationen nur in 4,2 Prozent der Fälle auf.

Ob die Stoffwechselregulierung dabei durch Medikamente oder durch Ernährungsumstellung erfolgte, war für das Ergebnis nicht relevant.

Unklar bleibt, welche Mechanismen hinter dieser Beobachtung stecken könnten. Die Fachwelt schlägt weitere Studien vor, um abzuklären, ob die Höhe des HbA1c- Ausgangswertes ebenfalls eine Rolle spielt, oder ob eine noch langsamere Senkung eventuell noch bessere Ergebnisse erzielen würde.

Quellen

  • Gibbons CH. et al.: Treatment-induced neuropathy of diabetes: an acute, iatrogenic complication of diabetes. In: Brain 2015; 138 (1):43-52.

  • Low P. et al.: Scientific commentaries: Tretament-induced neuropathy of diabetes: an energy crisis? In: Brain 2015; 138 (1):2-10

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Häufiger als angenommen: Polyneuropathie durch Diabetes-Behandlung. - Pressemitteilung vom 3. Februar 2015 (letzter Abruf: 10.02.2015)

zuletzt bearbeitet: 29.03.2015 nach oben

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