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Neue Entwicklungen bei Insulinen und Tabletten für Menschen mit Diabetes

Weitere Neuigkeiten vom 50. Europäischen Diabeteskongress 2014 in Wien

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Nach Rückkehr von Wien sollen noch in Ergänzung zum DGE-Blogbeitrag vom 18. September 2014 einige neue Entwicklungen bei den Insulinen und den oralen Antidiabetika besprochen werden: Das ultrarasche Insulinpräparat der Firma Biodel Inc. (BIOD-531) wurde bereits erwähnt.

Tim Heise, Neuss, stellte die Resultate mit dem von Novo Nordisk in einem speziellen Galenik-Verfahren entwickelten FIAsp-Insulins dar. Dem Aspartinsulin (=NovoRapid®) wurden bei der Herstellung Nikotinamid und Arginin zugesetzt. Es wird dadurch rascher resorbiert. An 36 Typ-1-Diabetespatienten setzte seine Wirkung noch rascher als mit NovoRapid® ein und bewirkte einen geringeren postprandialen Blutzuckeranstieg (Abstract 120).

Ein weiteres ultrarasch wirkendes Präparat, ein Hyaluronidase-Insulin, wird schon seit einiger Zeit überprüft. In Wien stellte Jay S. Skyler jetzt die CONSISTENT-1 Studie mit Hyaluronidase-Insulin in der Insulinpumpe vor (Abstract 149). Es erwies sich als gut verträglich und mit einer verringerten Hypoglykämierate. Wurde der Bolus vor der Mahlzeit gegeben, so war der Hypoglykämie-Vorteil ausgeprägter als bei einem Bolus nach der Mahlzeit. Umgekehrt war es mit dem Blutzuckerverlauf (bei SMBG-Messung): Kein Unterschied bei präprandialem Bolus, wohl aber bei Gabe nach dem Essen.

Bei der oralen Therapie des Typ-2-Diabetes wurden mehrere Kombinationstherapie-Studien vorgestellt. Es zeichnet sich ein Trend zu frühen Dreifach-Kombinationen ab: Schon vor 1 Jahr hatte Ralf deFronzo (beim ADA  013) eine initiale Tripletherapie geprüft, damals mit Glibenclamid, Exenatid und Pioglitazon (DGE-Blogbeitrag vom 26. Juni 2013). Jetzt präsentierte er die Ergebnisse einer Phase-III-Studie mit dem SGLT-2-Hemmer Empaglifozin (Jardiance®) und dem DPP-4-Hemmer Linagliptin (Trajenta®), zusätzlich zu Metformin gegeben. Unter der Dreifach-Therapie sank HbA1c um 1-1.2 % ab, unter den Einzelsubstanzen um 0.6-0.7 %. Es zeigte sich ein guter, aber kein additiver Effekt.

Julio Rosenstock berichtete über die Ergebnisse an Typ-2-Patienten mit schlechter Einstellung unter Metformin. Er verwendete Saxagliptin (Onglyza®) und Dapaglifozin (Forxiga®). Hier ergaben sich HbA1c-Absenkungen, startend von höheren Ausgangswerten, um etwa 1.5 % gegenüber 0.9 % und 1.2 % mit den Einzelsubstanzen.

Man wird sehen, ob sich diese neue Therapiestrategien bewähren und durchsetzen werden oder nicht.

Helmut Schatz

Literatur

Abstracts des EASD-Kongresses 2014 in Wien (www.EASD.org)

zuletzt bearbeitet: 21.09.2014 nach oben

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