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Jeder vierte Patient soll Zusatzbehandlung selbst zahlen

Nur die Hälfte der Ärzte informiert umfassend über "IGeL-Leistungen"

Darf es etwas mehr sein? Jedem vierten Patienten wurde im vergangenen Jahr beim Arztbesuch eine Zusatzbehandlung angeboten, die selbst gezahlt werden sollte. Über die Vor- und Nachteile der "individuellen Gesundheitsleistungen" (IGeL) informierte nur die Hälfte der Mediziner. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Durch das neue Gesetz für Patientenrechte erwarten die Deutschen eine bessere Beratung. 65 Prozent der Befragten halten es für "sehr wichtig", dass Patienten verständlich und auch mündlich über selbst zu zahlende Behandlungskosten aufgeklärt werden.

Beim Ende Februar in Kraft getretenen Patientenrechtegesetz ist für die große Mehrheit (77 Prozent) der Bevölkerung eine gute Arztinformation über Diagnose, Therapie und mögliche Risiken am wichtigsten. Es folgt der Wunsch nach genauer Aufklärung über sogenannte "IGeL-Leistungen", die selbst gezahlt werden müssen. Für 55 Prozent der Patienten ist das Recht auf vollständige Akteneinsicht sehr wichtig. Fast ebensoviel Befragte nennen die neue Beweislast für Ärzte bei groben Behandlungsfehlern.

Mehr IGeL-Leistungen für Frauen

Laut Umfrage der DAK-Gesundheit wurden 26 Prozent aller Patienten im vergangenen Jahr von ihrem Arzt ein- oder mehrmals "IGeL-Leistungen" angeboten, die sie selbst bezahlen müssen. Die Angebote erhielten deutlich mehr Frauen als Männer. Nur die Hälfte der Befragten wurde umfassend über die Vor- und Nachteile der selbst zu zahlenden Zusatzbehandlungen informiert. 31 Prozent derer, denen eine "IGeL-Leistung" angeboten wurde, lehnten diese ab. Grund: Die Patienten konnten in den meisten Fällen den medizinischen Nutzen nicht erkennen.

"Nicht auf Augenhöhe mit Ärzten"

"Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten und Ärzte noch nicht überall auf Augenhöhe sind", sagt Medizin-Experte Dieter Carius von der DAK-Gesundheit. "Problematisch wird es, wenn die Patienten plötzlich Zusatzleistungen aus eigener Tasche zahlen sollen, aber vorher nicht richtig aufgeklärt werden." Die aktuelle Studie zeige bundesweit die hohen Erwartungen der Menschen an ihre behandelnden Ärzte.

Ratgeber: Arzt wichtiger als Internet

Laut Umfrage bleiben auch in Zeiten von Internet und Ratgeberseiten die Mediziner erster Ansprechpartner bei einer Krankheit. So informieren sich bundesweit 87 Prozent der Patienten normalerweise beim Arzt über ihre Erkrankungen. Als Ratgeber folgen persönliche Gespräche mit Verwandten oder Freunden (64 Prozent) und Expertenseiten im Internet (58 Prozent). Selbsthilfegruppen und Verbraucherschutzorganisationen befragen 13 Prozent der Betroffenen.

Große Mehrheit zufrieden mit Beratung

Trotz der unzureichenden Beratung bei IGeL-Leistungen ist die große Mehrheit der Befragten (84 Prozent) insgesamt mit dem eigenen Arzt sehr zufrieden oder zufrieden. Nur zwei Prozent der Befragten war mit der Art und Weise, wie sie über die Behandlung aufgeklärt wurden, überhaupt nicht zufrieden. Für die repräsentative DAK-Studie zum Thema Patientenrechte befragte das Meinungsforschungsinstitut "Forsa" vom 18. bis 21. Februar 2013 bundesweit 1.001 Männer und Frauen ab 18 Jahre.

So informieren sich Patienten in Deutschland über Erkrankungen:

zuletzt bearbeitet: 17.03.2013 nach oben

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