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Prävention von Langzeitschäden beginnt bereits im Kindes- und Jugendalter

Abstract zum Vortrag von Claudia Geis im Rahmen einer Pressekonferenz der Bayer Vital GmbH zur 46. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 1. Juni 2011 in Leipzig.

Kreative Kinderdiabetes-Projekte können psychosoziale Probleme mindern

Claudia Geis Bereits heute ist eines von 600 Kindern in Deutschland an Typ-1-Diabetes erkrankt, insgesamt leiden hierzulande 25.000 junge Menschen bis 20 Jahren an der häufigsten Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Und es werden immer mehr: Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Häufigkeit in der Gruppe der unter 15-Jährigen bis 2020 um 70 Prozent steigen wird.

Dabei sind sich nationale und internationale Kinderdiabetesleitlinien einig: Psychosoziale Faktoren stellen auch künftig die wichtigsten Determinanten für das Therapieverhalten und die Stoffwechseleinstellung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes dar. Deshalb steht im Fokus der Fachgesellschaften nicht nur eine bessere medizinische Versorgung (noch immer werden nur 60 Prozent der Kinder in speziellen Kinderdiabetologien behandelt), sondern auch die Forderung nach psychosozialen Unterstützungsangeboten für die betroffenen Familien.

Diabetes Kids Umfrage: Kinder leiden besonders unter psychischen Auswirkungen

Den Handlungsbedarf bestätigt auch die große "Diabetes Kids Umfrage 2010", an der zwischen Oktober und November rund 620 Familien teilnahmen. Die Befragten - allesamt Mitglieder der größten deutschsprachigen Online-Gemeinschaft für Kinder mit Diabetes und deren Familien - berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen im Hinblick auf Komplikationen, Folgeerkrankungen, Ängste, Sorgen, Unterstützungsangebote und Diabetestherapien. Und das mit teils Besorgnis erregenden Ergebnissen: Obwohl in der vermutlich überdurchschnittlich informierten und aktiven Gruppe der Diabetes Kids-Mitglieder immerhin 77 Prozent in kinderdiabetologischer Betreuung sind, leiden viele bereits unter den gesundheitlichen Folgen des Diabetes.

Mit deutlichem Abstand vor Hautveränderungen, Augen- und Nierenproblemen rangieren die psychischen Auswirkungen ganz oben: Fast jedes zehnte Kind fühlt sich dadurch belastet. Dabei wiegt die Angst vor Folgeschäden am schwersten, gefolgt von der Furcht vor Injektionen. Die regelmäßigen Blutzuckermessungen hingegen werden als am wenigsten unangenehm empfunden. Und sie zeigen einen positiven Effekt: Je häufiger die Kinder messen, desto niedriger ist ihr HbA1c-Wert. Ein ebenso deutliches Bild zeigte sich bei der verwendeten Insulinart: Kinder, die schnell wirksame Insulinanaloga verwenden, hatten einen deutlich niedrigeren Langzeitwert (HbA1c-Mittelwert von 7,28) als Kinder, die kein solch modernes Insulin verwenden (HbA1c-Mittelwert von 7,62).

Diabetes betrifft nicht nur das kranke Kind

"Insgesamt belegt unsere Umfrage", so das Resümee von Michael Bertsch, dem Initiator von diabetes-kids.de, "dass der Alltag der Kinder stark belastet ist". So musste jedes Fünfte bereits wegen Stoffwechselentgleisungen ins Krankenhaus und immerhin knapp 15 Prozent haben schon Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit erlebt. Doch nicht nur die Kinder selbst, sondern die ganze Familie leidet unter dem Diabetes. Bis weit in das Jugendalter hinein tragen die Eltern die alleinige Verantwortung für die tägliche Diabetestherapie ihres Kindes. Die Bewältigung der Erkrankung ist nicht nur fordernd, sondern auch zeitintensiv und hat erhebliche Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung der Eltern.

Dabei tragen anscheinend die Mütter die Hauptverantwortung: Sie fühlen sich am meisten belastet und in ihrem beruflichen Fortkommen eingeschränkt. Möglicherweise trägt dazu auch der verbesserungswürdige Umgang des sozialen Umfelds mit dem Diabetes bei: Während Eltern, Geschwister, Freunde und andere Kinder am besten mit dem Diabetes umgehen, werden die Kollegen der Eltern neben Lehrern und Großeltern am schlechtesten bewertet.

Fine Star 2011: Fördern, was Kinder mit Diabetes stark macht

Um die Selbstmanagementfähigkeiten der erkrankten Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien zu fördern, brauchen die Betroffenen deshalb - neben einer optimalen medizinischen Versorgung - auch didaktische Angebote, psychologische Unterstützung und persönliche Entlastung. Kreative Schulungskonzepte können eine ebenso große Hilfe sein wie außergewöhnliche Projekte zur Integrationsförderung von Kindergartenkindern oder altersgerechte Freizeiten, in denen sich Jugendliche mit Diabetes austauschen können.

Doch nur selten werden solche Maßnahmen durch öffentliche Institutionen organisiert und finanziert. Häufig entstehen sie aus dem Engagement und der Kreativität Einzelner: betroffene Eltern, medizinische Betreuer, Ärzte oder Erzieher. "Deren Initiativen sichtbar zu machen, sie zu fördern und finanziell zu unterstützen, ist eine wichtige Aufgabe, der wir uns mit dem "Fine Star" gerne verschrieben haben", so Claudia Geis, Leiterin Bayer Vital, Diabetes Care. Der deutschlandweit einzige Preis für kreative Kinderdiabetesprojekte wird 2011 zum vierten Mal ausgeschrieben und ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert.

Camp D: Austausch und neue Erfahrungen für Jugendliche mit Diabetes

Mit fortschreitendem Alter entziehen sich Jugendliche dem Einfluss und der Kontrolle der Eltern und Diabetesteams, bei Jugendlichen mit Diabetes kann dies gravierende Folgen für ihre gesundheitliche und persönliche Entwicklung haben. Um junge Menschen in dieser wichtigen Lebensphase, in der die Weichen für die persönliche und berufliche Zukunft gestellt werden, zu unterstützen, veranstalten Novo Nordisk und Bayer HealthCare vom 7. bis 10. Juli gemeinsam das dritte "Camp D". Rund 700 Teilnehmer, begleitet von rund 200 Betreuern, werden in Europas größtem Erlebniscamp für Jugendliche und junge Erwachsene mit Diabetes zusammenkommen, ihre Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und sich Mut machen.

In einem umfangreichen Workshop-Programm wird Diabeteswissen von A-Z vermittelt, und beim gemeinsamen Sport können die Teilnehmer wichtige Erfahrungen mit körperlicher Aktivität machen. Anmeldungen und Informationen unter www.campd.info.

Quelle: www.thelancet.com, online veröffentlicht am 28. Mai 2009: Incidence trends for childhood type 1 diabetes in Europe during 1989-2003 and predicted new cases 2005-20, C. Patterson, G. Dahlquist, E. Gyürüs, A. Gren, Soltész and the Eurodiab Study Group.

Bildunterschrift: Claudia Geis
Bildquelle: Bayer HealthCare AG

zuletzt bearbeitet: 01.06.2011 nach oben

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