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Gute Blutzuckereinstellung gegenüber Hypoglykämien

Pressemitteilung: LifeScan Deutschland

Eine Frage der Balance

Hypoglykämien sind ein häufig unterschätztes Problem bei der Therapie insulinpflichtiger Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, insbesondere bei Patienten unter intensivierter konventioneller Insulintherapie (ICT). Aus der Unsicherheit heraus, in den hypoglykämischen Bereich zu kommen, halten viele Patienten ihre Blutzuckerwerte über dem angestrebten Normalbereich. Dabei steigt jedoch das Risiko für diabetesbedingte Komplikationen.

Um eine Balance zwischen einer guten Blutzuckereinstellung und dem Auftreten von Hypoglykämien zu finden, sind eine regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle sowie eine möglichst hohe Genauigkeit der Blutzuckermesssysteme wichtig. Die Hintergründe erläuterte Dr. Hans-Martin Reuter auf zwei Impulsvorträgen im Rahmen der 4. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft am 4. und 5. November 2010 in Berlin.

Risikofaktoren reduzieren, Hypoglykämien verhindern

Der Ressortleiter für Prävention und Versorgung von DiabetesDE betont im Rahmen seiner Vorträge die große Bedeutung einer Erreichung des Therapieziels. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der HbA1c-Wert. Durch eine bessere Einstellung dieses Parameters verringert sich zum Beispiel die Häufigkeit diabetes-assoziierter Todesfälle, Myokardinfarkte und mikrovaskulärer Komplikationen. Einhergehend mit der Senkung des HbA1c-Wertes steigt jedoch das Risiko von ernsthaften Hypoglykämien, weshalb es wichtig ist, zwischen diesen beiden Bereichen die Balance zu halten. Gemäß der Leitlinie der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) ist ein HbA1c unter 6,5 anzustreben, sofern es nicht zu Hypoglykämien oder Gewichtszunahme kommt.

"Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes im Alter unter sechzig Jahre sollte generell eine Einstellung eines HbA1c unter 6,5 Prozent angestrebt werden, wobei die Diabetesdauer berücksichtigt werden muss", betont Reuter.

Relevanz der Blutzuckerselbstkontrolle

Für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker unter ICT ist die Blutzuckerselbstkontrolle unerlässlich, um ihre Insulindosierung gezielt anzupassen. Reuter demonstriert ihren Nutzen in Hinblick auf die Vermeidung von Hypoglykämien in seinen Vorträgen. So kann die Hypoglykämie-Rate durch regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle deutlich reduziert werden, sofern sie in eine adäquate Schulung integriert ist. Somit wird der Patient darin unterstützt, den Blutzucker zur richtigen Zeit zu messen und die Messwerte entsprechend zu interpretieren.

Gegenüber Diabetikern ohne eine entsprechende Schulung kann die Häufigkeit ernsthafter Hypoglykämien über die Hälfte reduziert werden. "Jede Blutzuckermessung muss aber für den Patienten mit einer entsprechenden Konsequenz verbunden sein, entweder in der Insulindosisanpassung oder einer Änderung im Ernährungsverhalten", betont der Experte. Reuter sieht damit in der Blutzuckerselbstkontrolle eine adäquate Möglichkeit für Patienten, sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen und selbst zu einer verbesserten Lebensqualität beizutragen.

Messgenauigkeit – Eine Schlüsselrolle in der Patientensicherheit

Problematisch ist in Bezug auf die Blutzuckerselbstkontrolle allerdings die hohe Messabweichung vieler Messgeräte. Die ISO-Norm verlangt zur Markteinführung von Blutzuckermessgeräten eine Abweichung von +/- 20 Prozent zu den Laborwerten. Dabei könnte bereits bei einer Abweichung von lediglich +/- 15 Prozent die Häufigkeit von Hypoglykämien signifikant reduziert werden. "Insbesondere für Patienten mit intensivierter Insulintherapie, bei denen eine größere Gefahr von Hypoglykämien besteht, ist eine hohe Messgenauigkeit für die Entscheidung zur therapeutischen Konsequenz, wie die selbstgesteuerte Anpassung der Insulindosis, sinnvoll", so Reuter.

Quellen

Impulsvorträge von Dr. Hans-Martin Reuter anlässlich der 4. Herbsttagung der DDG in Berlin:

  • "Eine Frage der Balance: Gute Blutzuckereinstellung vs. Hypoglykämien. Was ist erstrebenswert? Welche Ziele haben wir mit welchen Patienten?" am 04. November 2010.
  • "Wieviel Blutzuckermessung brauchen wir? Welche Messfrequenzen sind bei welcher Therapie sinnvoll?" am 05. November 2010

Literatur

  • Reach G. et al. "Adjusting insulin doses: from knowledge to decision. Patient Education and Counselling, 2005; 56: 98-103
  • Stratton IM et al. UKPDS 35. BMJ 2000; 321: 405-412.
  • N Engl J Med 1993; 329:977-86
  • Cox et al: International J Behavioral Med 2004; 11: 212-218
  • Breton, MD, Kovatchev, BP, "Impact of Blood Glucose Self-Monitoring Errors on Glucose Variability, Risk for Hypoglycemia, and Average Glucose Control in Typ-1-Diabetes: An Silico Study", JDST 2010, 4: 562-70

zuletzt bearbeitet: 10.11.2010 nach oben

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