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Insulinpumpen-Therapie in Deutschland: Stiefkind der Versorgung von Diabetes Typ 1?

Pressemitteilung: Roche Diagnostics GmbH

Langwierige Genehmigungsverfahren für die Kostenübernahme erschweren Einsatz von Insulinpumpen

Dr. Jens Kröger Programmierbare Insulinpumpen stehen bereits seit 1976 zur Verfügung, um Menschen mit Diabetes kontinuierlich mit Insulin zu versorgen und so besonders effektiv ihre Blutzuckerwerte zu stabilisieren. Experten weisen bei den Elmauer Gesprächen 2008 darauf hin, dass der Zugang von Patienten mit Diabetes Typ 1 zur Insulinpumpen-Therapie (CSII) in Deutschland schwieriger wird. Dies liegt unter anderem an der derzeitig zurückhaltenden Genehmigungspraxis der Kostenträger und des in der Regel eingebundenen Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK).

Schätzungen zufolge tragen etwa 50.000 Menschen mit Diabetes Typ 1 hierzulande eine Insulinpumpe - angesichts von insgesamt knapp 600.000 Betroffenen in Deutschland nutzt demnach nur ein geringer Anteil diese moderne Therapieform. Beim Einsatz der Insulinpumpen-Therapie sind andere Industrieländer dem deutschen Gesundheitswesen voraus, stellen die Experten bei den Elmauer Gesprächen vom 29. Februar bis 2. März 2008 in Elmau fest.

Dabei ist die kontinuierliche subkutane lnsulininfusion (CSII), wie die Insulinpumpen-Therapie auch genannt wird, eine sehr effektive Methode, um neben der Lebensqualität der Patienten vor allem ihr Diabetes-Selbstmanagement sowie die Diabeteseinstellung zu verbessern. Sie empfiehlt sich beispielsweise bei Indikationen wie dem Dawn- und dem Dusk-Phänomen, häufigen Hypoglykämien, Schwangerschaft und Kinderwunsch sowie unregelmäßigem Ernährungs- und Lebensrhythmus. Aber auch bei niedrigen Insulindosen, fortgeschrittenen Diabeteskomplikationen oder bei Kindern und Jugendlichen ist die Insulinpumpen-Therapie empfehlenswert.

Besonders physiologische Regulierung des Insulinbedarfs

CSII-Anwender tragen eine kleine programmierbare Pumpe am Körper, die ihnen über das Subkutangewebe kontinuierlich Insulin zuführt. Die Insulinpumpe gibt automatisch in kleinen, gleichmäßigen Abständen schnellwirksames Insulin ab und erzielt damit besonders gleichmäßige Blutzuckereinstellungen, die sich individuell an die Bedürfnisse des Patienten anpassen lassen. Damit kommt die CSII der natürlichen Ausschüttung von Insulin am nächsten.

Ein breiterer Einsatz der Insulinpumpen-Therapie könnte die Versorgungsqualität in der Diabetestherapie verbessern und damit langfristig dazu beitragen, die Folgekosten für die Behandlung des Diabetes Typ 1 einzudämmen.

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Zurückhaltende Genehmigung der Kostenübernahme

Der allgegenwärtige Kostendruck im Gesundheitswesen spiegelt sich auch in der Versorgung von Menschen mit Diabetes Typ 1 wieder. Daher bewilligen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Insulinpumpen-Therapie eher zurückhaltend, obwohl Anwender und ihre Ärzte seit langem auf die therapeutischen Vorteile der Methode hinweisen.

Dr. Jens Kröger, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe am Diabeteszentrum Hamburg-Bergedorf, kritisiert: "Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) empfiehlt eine Kostenübernahme nur, wenn der Arzt ein umfangreiches Antragsverfahren bewältigt - und dann erfolgt die Genehmigung an den Patienten auch nur für eine Erprobungsphase von meist vier Monaten." Eine Fortsetzung der Kostenübernahme ist im Anschluss nur dann möglich, wenn sich der HbA1c-Wert deutlich verbessert hat und der Blutzuckerspiegel keinen Schwankungen mehr unterliegt. "Doch der Zeitraum von vier Monaten ist einfach zur kurz um den Therapieerfolg wirklich beurteilen zu können", entgegnet Kröger.

Niederlande: Erfolg der Insulinpumpen-Therapie dank Kostenübernahme

Ein Blick über die Grenzen in die Niederlande zeigt: Eine weniger restriktive Praxis der Kostenübernahme führt dazu, dass mehr Menschen mit Diabetes von der Insulinpumpen-Therapie profitieren. Dr. Roel Hoogma, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologe am Groene-Hart-Krankenhaus im niederländischen Gouda, berichtet: "Es ist ein großer Erfolg für die Insulinpumpen-Therapie, dass die Versicherungsunternehmen die Kosten für diese Therapieform nun bereitwillig übernehmen."

Die Kostenübernahme gilt für genau die Indikationen, für die führende Diabetologen eine Insulinpumpen-Therapie empfehlen. In Hoogmas Fachklinik hat sich ein engmaschiges Betreuungssystem etabliert, das Menschen mit Diabetes bei Beginn der Insulinpumpen-Therapie im Umgang mit der neuen Therapiemethode schult: "Die meisten Patienten werden von einer spezialisierten Krankenschwester betreut, die sie alle zwei Tage untersucht und engen Kontakt per Telefon oder E-Mail hält. Nach zwei Wochen kontrolliert der behandelnde Arzt dann die Therapieeinstellung", beschreibt Hoogma das individuelle Behandlungs-Schema in seinem Haus, dessen Erfolg sich in der hohen Therapie-Qualität der Patienten widerspiegelt.

Bildunterschrift: Dr. Jens Kröger
Bildquelle: Roche Diagnostics GmbH

zuletzt bearbeitet: 17.03.2008 nach oben

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