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Kardiovaskuläre Protektion

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Diethelm Tschöpe im Rahmen der 42. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Hamburg.

Der beste Schutz: Prävention

Prof. Dr. Diethelm Tschöpe Unverändert gilt, dass mehr als 75 % aller Diabetiker an akuten Gefäßereignissen, vor allem an Herzinfarkt und Schlaganfall versterben. Die Verhinderung solcher Gefäßkomplikationen bzw. die optimale Versorgung gefäßkranker Diabetiker ist heute die herausragende Aufgabe aller am Versorgungsprozess beteiligten Institutionen unter dem Leitgedanken "Prävention vor Intervention".

Dabei hat die individuelle Komorbidität von Gefäßrisikofaktoren im Rahmen des metabolischen Syndroms besondere Bedeutung. Einerseits prädisponiert es zur Diabetesmanifestation und andererseits begründet es den starken Anstieg kardiovaskulärer Erkrankungen wie Herzinfarkt und Herzinsuffizienz und sollte deshalb besser kardiometabolisches Syndrom genannt werden.

Umgekehrt ist Stoffwechselgesundheit bei akut herzkranken Patienten die Ausnahme, d. h. mehr als 2/3 aller Patienten mit akutem Koronarsyndrom haben zeitgleich auch Störungen ihres Kohlehydratstoffwechsels. In der Berücksichtigung dieser Zusammenhänge liegt ein hohes primär-, sekundär- aber auch tertiärpräventives Potenzial zur Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität.

Eine primäre Prävention der Diabetesentstehung mit den damit verbundenen Gefäßkomplikationen lässt sich idealerweise allein durch moderate Lebensstilintervention (Nikotinentzug, Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie) erreichen. Allerdings können auch pharmakologische Strategien mit oralen Antidiabetika die Progression von der gestörten Glukosetoleranz in den manifesten Diabetes zwischen 25 und 60 % reduzieren. Die kombinierte Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren beginnend mit Lebensstilmodifikation, Blutzucker, Blutfett- sowie Blutdrucknormalisierung und antithrombotische Therapie (Multimodale Komplexbehandlung) ist ein besonders effektives Instrument zur Verhinderung akut ischämischer Ereignisse.

Die besondere Indikationssituation des Diabetikers besteht nunmehr darin, dass auch asymptomatische Patienten häufig nicht gefäßgesund sind und die Therapiestrategie als frühe Sekundärprävention eingestuft werden muss. Besonders beim akuten Koronarsyndrom, dem Herzinfarkt bzw. dem ischämischen Schlaganfall, kommt es auf eine zeitnahe, aktiv interventionelle Therapie dieser Patienten mit revaskularisierenden Verfahren sowie adjuvanter Pharmakotherapie an. Der Erfolg solcher Interventionen, z. B. der Bypasschirurgie, lässt sich dann mit den oben beschriebenen sekundärpräventiven Strategien absichern, wobei allerdings bedauert werden muss, dass Diabetiker sowohl in der akuten Notfallsituation wie in der chronischen Dauertherapie signifikant unterversorgt werden. Dies hängt wesentlich von der sezessionistischen Organisation der Versorgung von Diabetikern bzw. Koronarpatienten ab, wobei die Chance einer verbundenen Versorgungssystematik durch ein gemeinsames Diseasemanagementprogramm ("Diabetes-KHK") bisher nicht genutzt wurde.

Zusammenfassend besteht die beste kardiovaskuläre Protektion in der Nachhaltigkeit präventiver Maßnahmen sowohl in der Primärprävention der Stoffwechselerkrankung sowie in der Tertiärprävention zur Erhaltung von Gefäßoffenheit und Organfunktion. Die Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" in der Deutschen Diabetes-Stiftung sieht sich als Interessenvertreter der vielen zuckerkranken Menschen, die auch Probleme am Herz- und Gefäßsystem entwickelt haben und wirkt an einer konzertierten Anstrengung aller Fachgesellschaften, z. B. im Rahmen des "Nationalen Aktions Forums Diabetes Mellitus", mit.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Diethelm Tschöpe, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität, Bad Oeynhausen.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 18.05.2007 nach oben

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