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Arzneimittel: Was Leitlinien in der Praxis wirklich bringen können

Pressemitteilung: BARMER

BARMER pro Disease-Management-Programme

Disease Management: Der Begriff kommt aus dem Englischen und steht für die Strategie, vor allem die Behandlung chronischer Erkrankungen zu verbessern. Basis des Krankheitsmanagements sind Leitlinien für die medizinische Betreuung. Sie geben den wissenschaftlich begründeten Rahmen vor, in dem Patient und Arzt gemeinsam die individuellen Behandlungsziele festlegen und Diagnostik und Therapie durchgeführt werden.

Die BARMER setzt sich mit Nachdruck für dieses Reformkonzept ein, weil dadurch das partnerschaftliche Miteinander im Gesundheitswesen ausgebaut, die Qualität der medizinischen Versorgung gesteigert und die Wirtschaftlichkeit erhöht werden kann. Zugleich ermöglicht es mehr Verteilungsgerechtigkeit im Finanzausgleich der Krankenkassen, dem Risikostrukturausgleich.

Dabei geht es auch um die richtigen Arzneimittel - und da lässt sich in dem deutschen Gesundheitswesen noch einiges verbessern. Gerade mit einem Disease Management bietet sich die Chance, die Arzneimitteltherapie effizienter zu gestalten, so Dr. Eckart Fiedler, Vorstandsvorsitzender der BARMER Ersatzkasse, und verweist auf den Ansatz, Leitlinien und Therapieempfehlungen stärker zu berücksichtigen. Neue Belege dafür lieferte die BARMER mit einer Analyse ihrer Arzneimitteldaten. "Die Auswertung hat gezeigt: Nicht nur die Auswahl, auch die Anwendung von Arzneimitteln ist verbesserungsbedürftig", bilanziert Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, der die BARMER-Daten ausgewertet hatte, am Beispiel der chronischen Herzinsuffizienz.

Seit Jahren wird in internationalen Behandlungsleitlinien darauf hingewiesen, dass die sogenannten ACE-Hemmer das schwache Herz der Patienten am besten unterstützen. Sie belasten die Patienten am wenigsten und erhöhen dabei auch deren Lebenserwartung. Dennoch zeigen Statistiken der Pharmaindustrie, dass immer noch auf das Herz einwirkende Digitalisglykoside und Diuretika die am meisten verordneten Mittel sind. Ein ähnliches Bild zeigen die BARMER-Daten. Demnach werden die herzwirksamen Digitalisglykoside und - vor allem Weißdornextrakt enthaltende - pflanzliche Herzmittel häufiger als ACE-Hemmer verordnet, die nach den gängigen Leitlinien zur Behandlung von Herzinsuffizienz eingesetzt werden sollten.

Eine Ursache für diesen Trend sieht Glaeske u. a. auch im Preis der Präparate. So kosten Digitalisglykoside mit 0,13 Euro am wenigsten, dagegen sind ACE-Hemmer mit 0,55 Euro und pflanzliche Herzmittel mit 0,48 Euro sehr viel teurer. "Das Bild ändert sich jedoch drastisch, wenn man die Gesamtkosten für die Behandlung der Herzinsuffizienz betrachtet, inklusive des Krankenhauses." Dabei fällt auf: Patienten, die mit Digitalisglykosiden oder pflanzlichen Herzmitteln behandelt werden, haben einen zehnmal so hohen Anteil an Krankenhauspatienten mit Herzinsuffizienz wie die mit ACE-Hemmern behandelten Patienten.

Die Konsequenz daraus: Würden alle Patienten mit ACE-Hemmern versorgt, stiegen zwar die Arzneimittelkosten, zugleich aber könnte der Aufwand für Krankenhausbehandlungen deutlich verringert werden. Allein bei der BARMER reduzierten sich die Behandlungskosten um mehr als die Hälfte. Die entsprechenden Zahlen sind beeindruckend: Statt wie bisher rund 42,2 Millionen Euro für die Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz, müssten bei einer leitlinienorientierten Behandlung nur noch etwa 18,2 Millionen Euro aufgewandt werden. "Dieses Beispiel zeigt, dass man besser mit als an Arzneimitteln spart", so Gerd Glaeske, der dabei zugleich darauf verweist, dass eine solche Sichtweise durch die heutige Trennung in Ausgabensektoren (zum Beispiel nach ambulant und stationär) erschwert wird. "Unabhängig davon zeigt das Beispiel der Herzinsuffizienz, dass Leitlinien, nicht nur die Kosten beeinflussen, sondern auch den betroffenen Menschen zu einer höheren Lebensqualität verhelfen können", so Dr. Eckart Fiedler. Ein sinnvoller Wettbewerb um die Qualität der Behandlung ist das Ziel von Disease-Management-Programmen, so Fiedler.

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zuletzt bearbeitet: 23.01.2002 nach oben

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