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Active-in-Diabetes-Prevention-Newsletter auf Deutsch

Prof. Peter Schwarz Liebe Mitglieder des Netzwerks "Who are active in diabetes prevention",

Die Universität Pittsburgh ist international eines der führenden Zentren auf dem Gebiert der Diabetesprävention. Kay Kramer leistet mit seinem Team Pionierarbeit um Präventionsmanager auszubilden - das ist ein essentieller Bestandteil um Präventionsprogramme letztendlich in der Praxis umzusetzen. Mehr als 850 Präventionsmanager wurden bereits ausgebildet - eine hervorragende Arbeit.

Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit der explosionsartigen Verbreitung chronischer Erkrankungen auch in Entwicklungsländern. Wir rechnen heute mit einer Zahl von 435 Millionen Diabetikern im Jahr 2030, was 7,8 % der Weltbevölkerung entspricht. Der stärkste Zuwachs wird in Afrika zu beobachten sein - 70 % der Diabetiker leben heute schon in Entwicklungsländern. Akhtar Hussein ruft in dem zweiten Artikel auf, etwas dagegen zu tun und lädt die Leser ein, sich an einem Sonderheft zu diesem Thema zu beteiligen - Viel Spass beim lesen…

Peter Schwarz, Dresden

Trainingsprogramm zur Diabetesprävention an der Universität Pittsburgh

Da die Anzahl von Personen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes kontinuierlich steigt, sind erfolgreiche evidenzbasierte Programme zur Lebensstil-Intervention für die Primärprävention entscheidend. Ein essentieller Faktor in diesem Prozess ist die Ausbildung von ärztlichem Personal für die Implementierung und Förderung von Programmen zur Primärprevention im gemeindenahen Umfeld. Das University of Pittsburgh Diabetes Prevention Support Center (DPSC) wurde für die Ausbildung von ärztlichem Personal eingerichtet, um Präventionsprogramme für der Gemeinde sowie weitere Unterstützung bei deren Umsetzung nach der Ausbildung zur Verfügung zu stellen. Im Mittelpunkt steht eine gruppenbasierte, verhaltensbezogene Lebensstil-Intervention, das sogenannte "Group Lifestyle Balance (GLB)"-Programm, welches in Anlehnung an das originale Diabetes Prevention Program (DPP)[1] gestaltet wurde.

Das Group Lifestyle Balance (GLB)-Programm ist ein gruppenbasiertes Programm, welches aus 22 Sitzungen verteilt über ein Jahr besteht. Die Lerninhalte des aus 16 Sitzungen bestehenden DPP-Curriculums wurden in 12 Basissitzungen vereint, die wöchentlich stattfinden sollen und sich auf Ernährung, körperliche Betätigung und Problemlösung konzentrieren. Im Anschluss an die 12 Basissitzungen gibt es eine Serie von vier Übergangssitzungen mit der Empfehlung, die Gruppentreffen anfangs wöchentlich, später 14-täglich und zuletzt nur noch monatlich stattfinden zu lassen. Das kann durch eine Flexibilität in der Zeitplanung in den Monaten vier bis sechs des Programms realisiert werden. All diese Sitzungen betonen die Fähigkeiten, die in den Basissitzungen vermittelt wurden und bieten Hilfestellung bei Gewichtsabnahme und -kontrolle. Wie auch im DPP sind die Ziele der GLB-Intervention eine 7%ige Gewichtsreduzierung und die zuverlässige stufenweise Erhöhung der moderaten körperlichen Betätigung (vergleichbar mit zügigem Gehen) auf 150 Minuten pro Woche. Das DPSC hat zusammen mit dem Air Force Center of Excellence for Medical Multimedia eine DVD-Reihe mit allen 12 Basissitzungen der Lebensstil-Intervention erstellt.

Das GLB-Programm, das von Präventionsexperten durchgeführt wird, die vom DPSC ausgebildet wurden, hat sich als wirksam erwiesen für die Gewichtsreduktion und die Reduzierung von Risikofaktoren für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in verschiedenen Umfeldern innerhalb der Gemeinde in der städtischen wie in der ländlichen hausärztlichen Versorgung[2], in der akademisch-medizinischen Praxis[3], in einer medizinisch unterversorgten Gemeinde[4] sowie in bestehenden ambulanten Einrichtungen zum Selbstmanagement von Diabetes[5]. Zusätzlich zeigt eine Evaluierung des GLB-Programms via DVD eine Verbesserung der Risikofaktoren von Risikopatienten für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen[6]. Das GLB-Programm wurde auch im militärischen Bereich in den USA umgesetzt und wird dort evaluiert.

Ein zweitägiger Training-Workshop für Angehörige des Gesundheitsberufes wurde vom DPSC entwickelt, um einen umfassenden, standardisierten Überblick über das GLB-Programm und seine Umsetzung zu bieten. Bis heute wurden bereits 23 dieser Workshops mit über 850 medizinischen Angestellten in den USA und international durchgeführt. Die GLB Training-Workshops umfassen die Hintergründe und die Begründung für Diabetesprävention, das Diabetes-Präventionsprogramm sowie aktuelle Bemühungen zur Übersetzung. Zusätzlich wird ein kompletter Überblick über jede Sitzung geboten und den Workshopteilnehmern wird vermittelt, wie die Sitzungen zu halten sind. Der Workshop geht auch darauf ein, wie die Gruppen geleitet werden sollen und wie das Programm im lokalen Setting umgesetzt werden kann. Nach dem Training bietet das DPSC Beratung für die ausgebildeten Teilnehmer, wenn sie das Interventionsprogramm in ihrem lokalen Setting implementieren, und steht bei auftretenden Problemen im Laufe des Programms helfend zur Seite. Krankenpfleger und Diätassistenten erhalten für die Teilnahme am Workshop 12,5 Fortbildungspunkte.

Das DPSC bietet am 12. und 13. Oktober 2011 sowie im Frühjahr 2012 jeweils einen GLB Training-Workshop in Pittsburgh, Pennsylvania, USA an. Außerdem bietet das DPSC auch Vor-Ort-Schulungen an. Mehr Informationen zum DPSC, zum GLB-Programm sowie zu bevorstehenden Training-Workshops finden Sie auf http://www.diabetesprevention.pitt.edu.

Literaturhinweise

  • Knowler WC, Barrett-Connor E, Fowler SE, et al. Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. N Engl J Med. Feb 7 2002;346(6):393-403.
  • McTigue KM, Conroy MB, Bigi L, Murphy C, McNeil M. Weight loss through living well: translating an effective lifestyle intervention into clinical practice. Diabetes Educ. Mar-Apr 2009;35(2):199-204,208.
  • Kramer MK, Kriska AM, Venditti EM, et al. Translating the Diabetes Prevention Program: a comprehensive model for prevention training and program delivery. Am J Prev Med. Dec 2009;37(6):505-511.
  • Seidel MC, Powell RO, Zgibor JC, Siminerio LM, Piatt GA. Translating the Diabetes Prevention Program into an urban medically underserved community: a nonrandomized prospective intervention study. Diabetes Care. Apr 2008;31(4):684-689.
  • Kramer, M.K., McWilliams, J.R., Chen, H.-Y. & Siminerio, L.M. A Community-Based Diabetes Prevention Program. The Diabetes Educator. 2011; 37 (5):659-668.
  • Kramer MK, Kriska AM, Venditti EM, et al. A novel approach to diabetes prevention: evaluation of the Group Lifestyle Balance program delivered via DVD. Diabetes Res Clin Pract. Dec 2010;90(3):e60-63.

Geschrieben für das Netzwerk "Who are active in diabetes prevention" von Kaye Kramer, DrPH, Andrea Kriska, PhD, Linda Semler, MS, RD, LDN, Elizabeth Venditti, PhD, and Karl Vanderwood, MPH, Diabetes Prevention Support Center, Graduate School of Public Health, University of Pittsburgh.

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Diabetes mellitus ist eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Chronische Krankheiten sind in allen Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen im Steigen begriffen. Es wird erwartet, dass nicht übertragbare Krankheiten bis 2030 drei Viertel der Krankheitslast in Ländern mit mittlerem Einkommen ausmachen werden (heute sind es bereits zwei Drittel), was dem Level von Ländern mit hohem Einkommen immer näher kommt. In Ländern mit geringem Einkommen wird der Anteil von nicht übertragbaren Krankheiten an der Krankheitslast noch schneller steigen und bald das aktuelle Level von Ländern mit mittlerem Einkommen erreichen.

Diabetes mellitus ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts für das Gesundheitswesen. Um die Auswirkungen von Diabetes mellitus im 21. Jahrhundert zu verringern, muss eine Methode gefunden werden, die nicht nur Menschen mit diagnostiziertem Diabetes optimal behandelt, sondern eine Erkrankung an Diabetes von vornherein verhindert. Aktuell leiden geschätzte 246 Millionen Menschen weltweit an Typ-2-Diabetes, einer Krankheit die sich sowohl in den Industrienationen aber vor allem in den Entwicklungsländern rasant ausbreitet.

Wenig Bewegung, veränderte Essgewohnheiten und genetische Faktoren sind einige der Schlüsselfaktoren, die die weltweite Diabetes-Epidemie vorangetrieben haben. Veränderungen der genetischen Anfälligkeit allein können allerdings nicht der Verursacher für diesen Anstieg sein, sondern es spielen eindeutig Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle. Typ-2-Diabetes ist als multifaktorielle Krankheit bekannt, da sowohl genetische Faktoren als auch die Umwelt eine Rolle in der Pathophysiologie der Krankheit spielen.

Damit Interventionen Erfolg haben können, müssen Strategien entwickelt werden, die auf Daten der betroffenen Bevölkerungsgruppen basieren, damit sie kultursensibel, individuell und langfristig erfolgversprechend sind. Es wurden mit wechselndem Erfolg verschiedene Versuche zur Diabetesprävention in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unternommen. Um die erworbenen Kenntnisse zu verstehen und für weitere Entwicklungen zu nutzen, die nötig sind, um Strategien zur Diabetesprävention zu gestalten, anstatt eine Krankheit zu haben, die den Einzelnen genauso wie die gesamte Gesellschaft belastet, haben wir die Initiative für eine Spezialausgabe namens "Diabetesprävention" im Journal of Nutrition and Metabolism ergriffen (siehe angehängte Ankündigung). Wir laden alle Wissenschaftler in diesem Bereich ein und rufen sie dazu auf, einen Beitrag zur Sammlung und Verbreitung von Wissen zu leisten um unnötiges menschliches Leiden zu verringern.

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen

Spezialausgabe zur Primärprävention des Diabetes

Akhtar Hussain Diabetes ist weltweit eine der häufigsten nicht übertragbaren Krankheiten und die viert- oder fünfhäufigste Todesursache in den meisten Ländern mit hohem Einkommen und es gibt überzeugende Belege dafür, dass sich Diabetes in vielen Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen seuchenartig ausbreitet. Diabetes mellitus ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts für das Gesundheitswesen.

Um die Auswirkungen von Diabetes mellitus im 21. Jahrhundert zu verringern, muss eine Methode gefunden werden, die nicht nur Menschen mit diagnostiziertem Diabetes optimal behandelt, sondern eine Erkrankung an Diabetes von vornherein verhindert. Veränderungen der genetischen Anfälligkeit allein können nicht der Verursacher für diesen Anstieg sein, sondern es spielen eindeutig Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle. Damit Lebensstilinterventionen erfolgreich sein können, müssen Strategien entwickelt werden, die auf Daten der betroffenen Bevölkerungsgruppen basieren, damit sie kultursensibel, individuell und langfristig erfolgversprechend sind.

Während konventionelle Risikofaktoren die hohen DM- und CHD-Raten zum Beispiel in südasiatischen genauso wie in kaukasischen Eingeborenengruppen beeinflussen, ist das charakteristische Profil der Risikofaktoren in Südasiaten anders. Ernährungsgewohnheiten sind ebenfalls sehr unterschiedlich und auch von religiösen Ansichten und der Herkunft beeinflusst. Daher sind Interventionsstrategien, die bei einer Bevölkerungsgruppe Erfolg haben, nicht zwangsweise auch für eine andere Bevölkerungsgruppe geeignet, da die Wirkung einer Interventionsstrategie von den Ernährungsgewohnheiten einer Population, der genetischen Disposition, religiösen und kulturellen Ansichten und Praktiken, die für die Ernährung relevant sind, sowie von körperlicher Aktivität, Regierungspolitik und vielen anderen noch unbekannten Faktoren abhängig.

Wir laden Forscher dazu ein, mit Forschungs- und Übersichtsartikeln zu diesem Thema dazu beizutragen, das Verständnis für die komplexen Mechanismen der genetischen Prädisposition sowie den Ernährungszustand der betroffenen Bevölkerung zu fördern, um Präventionsmaßnahmen auf die Bevölkerung zuschneiden zu können. Wir sind besonders an Artikeln zu den folgenden Bereichen interessiert:

Vor der Einsendung von Beiträgen sollten Autoren die Guideline zum Thema unter http://www.hindwai.com/journals/jop/guidelines.html lesen. Die Autoren werden aufgefordert, eine elektronische Version ihres Manuskripts über das Manuskript-Tracking-System auf http://mts.hindwai.com/ hochzuladen. Bitte beachten Sie dazu den folgenden Zeitplan:

Lead Guest Editor

Prof. Akhtar Hussain, Department of International Health, Medizinische Fakultät, Universität Oslo, P.O.Box - 1130 Blindern, N-0318 Oslo. Akhtar Hussain hussain.akhtar@medisin.uio.no.

Guest Editors

Prof. Bjørgulf Claussen bjorgulf.claussen@medisin.uio.no,
Dr. Victoria Telle Hjellset t.v.t.hjellset@medisin.uio.no
Prof. V Mohan drmohan@giasmd01.vsnl.net.in
Prof. Abdul Basit abdulbasit@bideonline.com
Prof. Peter Schwarz peter.schwarz@uniklinikum-dresden.de

Guest Editorial Office/Assistant Editors

Line Løw line.low@medisin.uio.no,
Marinnae Lunde marianne.lunde@medisin.uio.no
Bishwajit Bhowmik bishwajit.bhowmik@studmed.uio.no

Akhtar Hussain. MD; Ph.D; D.Sc Professor ((Chronic Diseases - Diabetes), University of Oslo,Faculty of Medicine, Department of International Health.

Editorial

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Herausgeber:
Prof. Dr. med. habil. Peter Schwarz
Prevention and Care of Diabetes mellitus
Department of Medicine III
University of Dresden.

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Prof. Dr. med. habil. Peter Schwarz
Prevention and Care of Diabetes mellitus
Department of Medicine III
University of Dresden
E-Mail: peter.schwarz@uniklinikum-dresden.de

zuletzt bearbeitet: 07.10.2011 nach oben

Bildunterschrift: Akhtar Hussain. MD; Ph.D; D.Sc Professor (Chronic Diseases - Diabetes) Universität Oslo, Medizinische Fakultät Department of International Health
Bildquelle: privat

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