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Viele Diabetiker gehören zu den Leidtragenden des Irak-Krieges

DiabSite, das unabhängige Diabetes-Portal, ruft zu Spenden auf

Berlin - Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak lassen nach, doch der Kampf ums Überleben hat noch lange kein Ende! Wie das Internationale Rote Kreuz (IKRK) berichtet, ist die Gesundheitsversorgung praktisch zusammengebrochen. Krankenhäuser bleiben geschlossen, die Patienten sind geflüchtet oder sich selbst überlassen. Nach ersten Einschätzungen gibt es noch zwei funktionsfähige Gesundheitsstationen, wobei Bagdad bis vor kurzem über 50 Kliniken verfügte.

Neben den direkten Kriegsopfern und den Kindern gehören insbesondere alte Menschen, Behinderte und chronisch Kranke zu den Hauptleidtragenden. Wie deren Situation einzuschätzen ist, ist noch völlig ungeklärt. Für Diabetiker ergibt sich annähernd folgendes Bild:

Die Diabeteshäufigkeit im Irak lässt sich aus Angaben einer arabischen Studiengruppe Diabetes zum Vorkommen der Erkrankung in Syrien hochrechnen. Dort leiden ca. 9 Prozent der Bevölkerung an Diabetes mellitus. Weitere Hinweise ergeben sich aus Veröffentlichungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die feststellt: Wenn 10.000 Iraker für einen Monat keinen Zugang zu einer Einrichtung des Gesundheitswesens erhalten, so bedeutet das, dass 30 insulinpflichtige Diabetiker keine Behandlung erfahren werden (siehe Infokasten).

Derzeit sendet unseres Wissens nach nur eine Hilfsorganisation Tabletten für Diabetiker in den Irak. Insulin, das während des Transportes gekühlt werden muss, ist ein schwieriges Transportgut. Ob es ins Land gebracht wird, ist zurzeit nicht recherchierbar. Zu vermuten ist jedoch, dass die Medikamenten-Lieferungen bisher kaum oder kein Insulin enthalten. Diabetiker erleiden ohne Insulin ein diabetisches Koma, das unbehandelt tödlich ist.

Für DiabSite erläuterte der Gesundheitswissenschaftler und Kinderarzt, Prof. Dr. med. Joachim Gardemann, die Auswirkungen des Krieges auf die Versorgung chronisch Kranker im Irak.

Prof. Gardemann, FH Münster, der an vielen Einsätzen der internationalen humanitären Nothilfe teilgenommen hat, ist selbst Vater eines sechsjährigen Kindes mit Diabetes.

Wie heute Vormittag durch Mitarbeiter einer Hilfsorganisation nochmals betont wurde, ist die Lage für chronisch Kranke, wie zum Beispiel Dialyse-Patienten und Diabetiker, extrem kritisch. Die Grundversorgung ist keinesfalls gewährleistet und die direkte Gefahr für Gesundheit und Leben außerordentlich groß. Deshalb ruft DiabSite gemeinsam mit Prof. Gardemann zu Spenden auf. Denn nicht zuletzt die Diabetiker im Irak warten verzweifelt auf Hilfe aus dem Ausland.

Infokasten

Wenn 10.000 Iraker für einen Monat keinen Zugang zu einer Einrichtung des Gesundheitswesens erhalten, so bedeutet das:
  • 30 Kinder mit Durchfallerkrankungen werden nicht behandelt,
  • 55 Kinder mit Atemwegserkrankungen werden nicht behandelt,
  • 5 Kinder mit Lungenentzündung werden keine lebenserhaltenden Antibiotika erhalten,
  • 30 insulinpflichtige Diabetiker werden keine Behandlung erfahren,
  • 150 schwangere Frauen werden keine vorgeburtliche Gesundheitsversorgung erhalten,
  • 20 schwangere Frauen werden ohne professionelle Hilfe ihre Kinder gebären müssen.

Quelle: www.who.int/features/2003/iraq/briefings/iraq_briefing_note/en

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Autor: hu; zuletzt bearbeitet: 15.04.2003 nach oben

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