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Diabeteswirkstoff aus Bakterien

Schrott aus der Darmflora schützt gegen Diabetes

Vergessen Sie Präbiotika! Postbiotika sind der neue Trend, zumindest wenn man einer neuen Studie aus Kanada glaubt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten in 'Cell Metabolism' über einen Wirkstoff, der von Bakterien der Darmflora stammt. Er soll davor schützen, dass sich aus Übergewicht ein Diabetes entwickelt.

Die Anzahl von Menschen mit starkem Übergewicht, auch Adipositas genannt, hat hierzulande in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Etwa jede und jeder Vierte in Deutschland ist stark übergewichtig. Experten sprechen längst von einer Epidemie. Eine der häufigsten Folgeerkrankungen von Übergewicht ist Diabetes vom Typ 2, der sich über eine Prädiabetes genannte Vorstufe entwickelt.

Auch die Darmflora scheint in diesem Zusammenhang eine Rolle zu spielen. In jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, dass die Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes auch mit den Bakterien im Darm zusammenhängen könnte. Wie genau, das ist allerdings nur ansatzweise verstanden.

Den Autoren der Arbeit zufolge ging man bisher allerdings davon aus, dass die Bakterien im Darm eher für ungünstige Effekte wie Entzündungsprozesse und erhöhte Blutzuckerwerte verantwortlich sind. Nun hätten sie allerdings eine Substanz gefunden, die sich positiv auf den Stoffwechsel auswirke.

Bakterienschrott aus der Darmflora verbessert Wirkung von Insulin

Bei der Substanz handelt es sich um einen Bestandteil aus der Zellwand von Bakterien. Er trägt den Namen Muramyl Dipeptid oder kurz MDP. Die Zellwand ist für zahlreiche Bakterien eine Art Panzer, der sie vor schädlichen Einflüssen der Umwelt schützt. Sterben die Bakterien ab, zerfällt die Zellwand und die einzelnen Bestandteile werden freigesetzt.

In der aktuellen Studie behandelten die Wissenschaftler übergewichtige Mäuse mit MDP. Daraufhin verbesserte sich deren Zuckerstoffwechsel und Entzündungsmarker aus dem Fettgewebe gingen zurück. Dabei verloren die Tiere jedoch weder an Gewicht, noch änderte sich die Zusammensetzung ihrer Darmflora. Entsprechend vermuten die Forscher, dass MDP tatsächlich auf den Stoffwechsel wirkt. In weiteren Untersuchungen konnte die kanadische Gruppe herausfinden, über welche molekularen Stellschrauben dieser Mechanismus vermittelt wird und dass nicht alle Bakterienarten diese Wirkung haben.

Um einen möglichen Nutzen für die Behandlung von Menschen mit Diabetes zu untersuchen, testeten die Wissenschaftler einen Wirkstoff namens Mifamurtid, der mit MPD verwandt ist. Eigentlich wird das Medikament bisher bei Knochenkrebs angewendet. Die Forscher konnten aber zeigen, dass er bei übergewichtigen Mäusen auch die Insulinwirkung verbessert und einen Prädiabetes verhindert. Künftige Studien müssen zeigen, ob die Übertragung von Tier auf Mensch gelingt.

Hintergrundvideo

Einfluss der Darmflora auf die Typ-2-Diabetes-Entstehung. Interview mit Prof. Dr. Michael Roden, Deutsches Diabetes Zentrum Düsseldorf, DDG Kongress 2016

Quellen

  • Cavallari, JF. et al.: Muramyl Dipeptide-Based Postbiotics Mitigate Obesity-Induced Insulin Resistance via IRF4. In: Cell Metabolism, 2017, doi: 10.1016/j.cmet.2017.03.021

  • McMaster University: Post-biotics may help shield obese from diabetes. Pressemitteilung vom 20. April 2017

zuletzt bearbeitet: 16.06.2017 nach oben

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