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Herzgesundheit bei Menschen mit Diabetes verbessern

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Stephan Jacob, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Herz der DDG, niedergelassener Diabetologe aus Villingen-Schwenningen, im Rahmen der Pressekonferenz zur 10. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 11. November 2016 in Nürnberg.

Kardiovaskuläre Endpunktstudien und ihre Bedeutung für den Praxisalltag

Professor Dr. med. Stephan Jacob Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 haben eine deutlich erhöhte kardiovaskuläre Erkrankungsrate sowie auch Sterblichkeit; die Gründe dafür sind das gleichzeitige Auftreten gleich mehrerer kardio-metabolischer Risikofaktoren, wie Übergewicht, Hypertonie, Hyperglykämie und Fettstoffwechselstörungen.

Bisherige Studien, die die Effekte einer glukosesenkenden Strategie untersuchten, hatten keine Reduktion der Sterblichkeit oder der kardiovaskulären Ereignisse gesehen.

Neuerdings haben die ursprünglich als Sicherheitsstudien von der Food and Drug Administration (FDA) geforderten kardiovaskulären Endpunktstudien mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin (EMPA-REG Outcome) und mit dem GLP1-Rezeptor-Agonisten Liraglutid (LEADER) erfreulicherweise eine deutliche Verbesserung der Prognose gezeigt: Der primäre Endpunkt "MACE" (Tod beziehungsweise nicht tödlicher Schlaganfall oder Myokardinfarkt [MI]) waren signifikant reduziert.

Diese Ergebnisse sind zurzeit nicht einfach zu erklären, denn neben der besseren und schonenderen (ohne vermehrte Hypoglykämien) Blutzuckersenkung wurden durch beider Substanzen auch Gewicht und Blutdruck reduziert.

Auch scheint ein Unterschied bezüglich des zeitlichen Verlaufs zu sein: Während sich in der EMPA-REG OUTCOME-Studie die Kurven der Gruppen innerhalb von wenigen Monaten trennten, dauerte es bei der LEADER-Studie länger, bis sich die Kurven (und dann immer weiter) voneinander trennten. Hier sind noch viele Fragen offen, auch, ob die Kombination beider Substanzen die Vorteile verstärkt.

Im Licht der bisherigen fehlenden Evidenz für alle anderen Substanzen stellt sich schon die Frage, ob die beiden erfolgreichen Therapie-Prinzipien den Menschen, die der Studienpopulation entsprechen, vorenthalten werden dürfen. Auf dem Treffen der European Association for the Study of Diabetes (EASD) wurde kürzlich berichtet, dass nur ein Bruchteil der Patienten, die für eine solche Therapie infrage kämen, tatsächlich auch das Medikament (hier: Empagliflozin) erhielten. Die beste Therapie ist aber immer noch die Prävention, das heißt auch die Vermeidung von Übergewicht und Inaktivität, die als Treiber des Diabetes mellitus Typ 2 und des metabolischen Syndroms bestens bekannt sind.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Stephan Jacob
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 29.12.2016 nach oben

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