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Leicht positiver Effekt von Weingenuss auf Diabetes

Rotwein, Weißwein oder doch lieber Wasser?

Ein Wissenschaftlerteam aus Israel hat erstmals eine größere Studie zum Thema Alkohol und Diabetes durchgeführt. Sie spendierten Diabetikern, die bisher keinen oder kaum Alkohol getrunken hatten, über zwei Jahre hinweg zu jedem Abendessen entweder ein Glas Rotwein, Weißwein oder Wasser. Die Ergebnisse wurden kürzlich in 'Annals of Internal Medicine' publiziert und beschreiben moderate positive Effekte auf Blutzucker- und Blutfettwerte.

Für Ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler der Universität in Beer Sheva insgesamt 224 gut eingestellte Typ-2-Diabetiker zwischen 40 und 75 Jahren, die bisher nicht mehr als ein alkoholisches Getränk pro Woche zu sich genommen hatten und in deren Familie keinerlei Suchtprobleme bekannt waren. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt: 73 bekamen Rot- und 68 Weißwein von den Golanhöhen, die übrigen 83 mussten sich mit Wasser zufriedengeben, jeweils abends 150 ml zum Essen.

Zwei Jahre nach Studienbeginn hatten die Rotweintrinker leicht aber signifikant bessere Blutfettwerte (HDL-Wert und Apolipoprotein-A1-Spiegel) als die Wassertrinker. Weißweintrinker profitierten dagegen von besseren Nüchternglukosewerten, die Triglyzeridwerte waren in beiden Weingruppen besser als mit Wasser.

Bei einer Reihe weiterer Faktoren wie Blutdruck, Leberwerte, Gewicht oder Bauchumfang gab es keine statistisch belastbaren Unterschiede zwischen den drei Gruppen. Gleiches galt für die Lebensqualität, Weintrinker berichteten lediglich über einen besseren Schlaf.

Die Wissenschaftler untersuchten auch vererbbare Einflüsse. So konnten sie zeigen, dass der Effekt des Weinkonsums auf die Glukosewerte auch genetisch beeinflussbar ist. Die Auswirkungen von Alkohol auf die Blutfettwerte schienen hingegen nicht in den Genen festgelegt zu sein.

Aus den Ergebnissen ziehen die Forscher drei wesentliche Schlussfolgerungen. Erstens: Es hat offenbar keine negativen Auswirkungen, wenn Diabetiker mit einem moderaten Alkoholkonsum beginnen. Zweitens: Rotwein scheint einen besseren Effekt auf das Lipidprofil zu haben als Weißwein - offenbar sind dafür noch andere Faktoren als der Alkohol relevant. Drittens: Es liegt auch an den Genen, wer wie stark profitiert. Die Studie sollte für Alkoholabstinenzler allerdings keine Ermutigung sein, mit dem Trinken anzufangen, schreiben die Autoren. Schließlich müsste der eher moderate Nutzen gegen die Risiken des Alkoholkonsums abgewogen werden.

Die Besonderheit der Studie liegt unter anderem darin, dass sie erstmals beschreibt, wie sich der einsetzende Alkoholkonsum auf die Testpersonen auswirkt (sogenannte randomisiert-kontrollierte Interventionsstudie). Bisher durchgeführte epidemiologische Studien konnten immer nur Zusammenhänge aber eben keine Ursachen aufdecken: Da Alkoholkonsum aber Teil des Lebensstils ist, ließ sich bisher nie mit Sicherheit sagen, ob die Effekte, die dem Alkohol zugeschrieben werden, tatsächlich existieren oder beispielsweise der insgesamt gesündere Lebensstil der rotweintrinkenden Klientel positiver auf Herz und Gefäße auswirkt, als beispielsweise bei einem eher ungesund lebenden Konsumenten von Hochprozentigem.

Quellen

zuletzt bearbeitet: 04.01.2016 nach oben

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