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Darmerkrankungen, Diabetes, Epilepsie und Rheuma bei Jugendlichen

Chronisch kranke Jugendliche sollten Kontakt zum Arzt nicht verlieren

119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) 6. bis 9. April 2013, Rhein-Main-Hallen Wiesbaden

Die Betreuung chronisch kranker Jugendlicher in Deutschland ist in Teilen mangelhaft. Wenn Kinder mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Rheuma, Typ-1-Diabetes, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Epilepsie erwachsen werden, fallen sie mitunter durch das Netz der medizinischen Betreuung, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).

Beim Wechsel vom Kinderarzt zum Internisten oder anderen Fachärzten geht häufig der Kontakt zum Patienten verloren. Neue Betreuungsmodelle sollen Betroffene durch diese "Transition" führen und für eine nahtlose Behandlung sorgen. Auf dem 119. Internistenkongress der DGIM vom 6. bis 9. April 2013 in Wiesbaden stellen Experten entsprechende Projekte vor.

Der Übergang chronisch kranker Jugendlicher und junger Erwachsener von der kinderärztlichen Versorgung in die Erwachsenenmedizin fällt in die späte Pubertät. "Das ist bereits für gesunde Jugendliche eine schwierige Lebensphase", sagt Professor Dr. med. Britta Siegmund von der Berliner Charité. Bei chronisch kranken Heranwachsenden sei die entwicklungsbedingte emotionale Verwundbarkeit noch höher. Die Folge: Der Kontakt zum Kinderarzt verliert sich, die jungen Patienten nehmen ihre Medikamente nicht mehr, brechen die Therapie ab. Dies wirkt sich negativ auf Krankheitsverlauf, Schule, Beruf und Alltag aus.

"Hier brauchen wir fachübergreifende, einheitliche Strukturen, die den Prozess der Transition nicht nur begleiten und absichern, sondern auch finanziell unterstützen", fordert DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann. Sie betreut an den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden auch junge Patienten mit Rheuma und arbeitet dabei eng mit Kinderärzten zusammen. Denn was die wenigsten wissen: In Deutschland leiden etwa 20.000 Kinder und Jugendliche an einer rheumatischen Erkrankung. "Jedes Jahr stehen 3.000 Rheumakranke vor dem Sprung in die Erwachsenenwelt. Ohne Kooperation zwischen Jugend- und Erwachsenenmedizinern schaffen es viele nicht." Etwa ein Drittel aller Patienten mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA), der häufigsten Rheumavariante im Kindesalter, brechen den Kontakt zu den Ärzten ab. Wenn sie sich Jahre später erneut bei einem Rheumatologen vorstellen, sei es häufig bereits zu dauerhaften Schäden an den Gelenken gekommen.

Als entsprechend mangelhaft bewertet der Sachverständigenrat Gesundheit die Betreuung chronisch kranker Jugendlicher in der Übergangsphase in Deutschland. Dieses Gremium berät die Bundesregierung zu Fragen der Krankenversorgung. Geschehen sei bisher jedoch wenig: "Von Seiten des Gesetzgebers wie auch der Kostenträger fehlt bislang die Anerkennung der besonderen Betreuungssituation", beklagt Professor Siegmund. Sie leitet die "Task Force Transition", die die DGIM und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) im Jahr 2012 ins Leben gerufen haben.

Die Task Force hat als Modellsystem ein Berliner Transitionsprogramm ausgewählt, das von den DRK-Kliniken entwickelt wurde. Innerhalb des Programms wird der Prozess der Transition durch Fallmanager begleitet und durch die Krankenkassen vergütet. Zum Angebot gehören Einzelgespräche, gemeinsame Sprechstunden und Fallkonferenzen. Fallmanager koordinieren auch die Behandlungen durch Fachärzte und sorgen dafür, dass geplante Termine stattfinden. Seit Juli 2009 wurden im Programm in Berlin und Brandenburg Jugendliche mit Diabetes mellitus oder Epilepsie im Alter von 16 bis 21 Jahren betreut. Derzeit wird es auf Krankheitsbilder wie Rheuma und chronisch entzündliche Darmerkrankungen ausgeweitet und auf weitere Bundesländer übertragen. Dieses und weitere aktuelle Transitions-Projekte stellen Experten auf dem 119. Internistenkongress in Wiesbaden vor.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 21.03.2013 nach oben

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