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BMBF-Staatssekretär Braun betont Notwendigkeit einer effektiven Versorgungsforschung

Mobile Health-Apps vereinfachen Home Care

TELEMED 2012 reflektiert Trends in der Telemedizin

Eine klinische Spitzenforschung, die schneller zur Umsetzung in die Behandlungspraxis kommt, und eine effiziente Versorgungsforschung als Schlüssel für die Gesundheitsversorgung von morgen forderte Dr. Helge Braun, der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, zum Auftakt der TELEMED 2012 in Berlin: "In Zeiten, in denen das Thema Staatsverschuldung in Europa eine wichtige Rolle spielt, müssen auch im Gesundheitswesen Wirtschaftlichkeitsreserven ausgeschöpft werden, insbesondere durch die Bekämpfung von Über-, Unter- und Fehlversorgung. Ziel ist eine qualitativ hochwertige, aber bezahlbare Gesundheitsversorgung."

Versorgungsforschung war neben Smartphone-basierten mobilen Health-Apps und aktuellen Trends in der Telemedizin ein wesentliches Thema der der TELEMED 2012, zu der am 28. und 29. Juni 2012 rund 100 medizinische Forscher, IT-Experten und Industrievertreter zusammengekommen waren. Die TELEMED, das Nationale Forum für Gesundheitstelematik und Telemedizin, wird gemeinsam vom Bundesverband Medizinischer Informatiker (BVMI), der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitstelematik (DGG) und der TMF veranstaltet.

Staatssekretär Braun berichtete, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angesichts des demographischen Wandels und des Kosten- und Innovationsdrucks auf das Gesundheitssystem an einem Aktionsplan für die Versorgungsforschung arbeite. Weiterhin kündigte er Fördermaßnahmen seines Hauses - "Assistierte Pflege von morgen" und "Arbeit plus" - an, mit denen das BMBF den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen möchte und in denen auch der Telemedizin eine wichtige Rolle zukomme.

Hürden für Versorgungsforschung und Telemedizin

Doch sowohl für die Versorgungsforschung wie auch für den Einsatz von Smartphone-basierten Health-Apps in der Telemedizin zeigte Diskussion auf der TELEMED 2012 Hürden auf. So fällt derzeit die Abgrenzung noch schwer, wann mobile Anwendungen zur Patientenversorgung unter die Regularien des Medizinproduktegesetzes (MPG) fallen und wie dessen Erfordernisse umsetzbar wären. Bei einem Einsatz von Smartphone-Apps in klinischen Studien ist zudem gesetzlich die Einhaltung der Vorgaben der Good Clinical Practice (GCP) erforderlich, die auch strenge Auflagen für IT-Systeme vorschreiben. Für die Versorgungsforschung bestehen durch die nationale und europäische Gesetzgebung zum Datenschutz viele Hürden und Grauzonen. Auch die Frage, welche Perspektive das GKV-Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) für die Versorgungsforschung und die Telemedizin bietet, lässt sich nach Einschätzung der Experten auf der TELEMED noch nicht abschließend beurteilen.

Einhellige Meinung war hingegen, dass die mangelnde Standardisierung der Daten und Prozesse eine große Herausforderung darstellt. Hier greifen, so Sebastian C. Semler, Geschäftsführer der TMF, in besonderer Weise die Bereiche der Forschung und Versorgung ineinander: "Ohne eine Standardisierung der medizinischen Dokumentation in der Krankenversorgung wird Versorgungsforschung nicht möglich sein."

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Perspektiven für die zukünftige Gestaltung des Gesundheitswesens

"Die Beiträge auf der diesjährigen TELEMED haben nicht nur den aktuellen Stand der Technik und der Wissenschaft dargestellt, sondern auch Perspektiven für die zukünftige Gestaltung des Gesundheitswesens aufgezeigt. Es gilt jetzt eine IT-Infrastruktur für die Krankenversorgung und Versorgungsforschung als Grundlage für eine hochwertige und bezahlbare Gesundheitsfürsorge von morgen zu schaffen. Das Ziel der TELEMED ist es, auch weiter hierzu einen Beitrag zu leisten." Diese Bilanz zog Dr. Rainer Röhrig (Justus-Liebig-Universität Gießen), der Vorsitzende des Programmkomitees der TELEMED 2012.

Mit dem Roll-out der Gesundheitskarte und dem Aufbau der Telematik-Infrastruktur werde die Gematik das Grundgerüst für künftige medizinische IT-Dienste liefern. Dies bekräftigte Prof. Dr. Arno Elmer, Geschäftsführer der Gematik, in seinem Eröffnungsvortrag. Er kündigte zudem an, dass die Gematik sich in Zukunft verstärkt um Kommunikation bemühen werde, um Vorbehalte in der Bevölkerung und bei den Akteuren im Gesundheitswesen abzubauen.

Health-Apps kein Allheilmittel, aber eine Erleichterung für Ärzte und Patienten

Smartphone-Apps sind in überraschend kurzer Zeit dabei, sich auch im professionellen Segment des Gesundheitswesens zu etablieren. Das betrifft sowohl Apps für Patienten in ihrem Wohnumfeld als auch Apps für Ärzte, bei denen - so die Aussage von Industrievertretern im Rahmen der Tagung - vor allem durch einfachen, mobilen Datenzugriff eine höhere Akzeptanz für IT-Anwendungen erreicht werden soll.

Die Diskussionen der TELEMED 2012 machten allerdings auch deutlich, dass die Integration mobiler Health-Apps in professionelle IT-Systeme eine vielversprechende, aber zugleich schwierige Aufgabe ist. Einigkeit bestand darüber, dass die telemedizinische Technologie - sei es mithilfe von Smartphone-Apps oder anderer Systeme - nur eine Unterstützung der direkten Kommunikation zwischen Ärzten bzw. Ärzten, Pflegern und Patienten sein kann. So betonte Dr. Stephan Schug, Geschäftsführer der DGG: "Smartphones etablieren sich in atemberaubender Geschwindigkeit als universelle Plattform für telemedizinische Behandlung und Prävention. Gleichzeitig zeigen neueste Studien, dass Technologie allein nicht ausreicht: zentrale Wirkfaktoren sind individuelle Kommunikation und persönliche Zielvereinbarungen."

TELEMED-Award: Arbeit zu mobilem Zugriff auf elektronische Patientenakten

Der TELEMED-Award für den besten Beitrag zur Gesundheitstelematik und Telemedizin, der im Rahmen wissenschaftlichen Calls eingereicht wurde, ging in diesem Jahr an Oliver Heinze, (Zentrum für Informations- und Medizintechnik des Universitätsklinikums Heidelberg) für die Arbeiten an einer App für den mobilen Zugriff auf IHE-basierte, einrichtungsübergreifende, elektronische Patientenakten.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 02.07.2012 nach oben

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