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Insulinpumpen können Lebensqualität von Kindern mit Diabetes verbessern

Pressemitteilung: diabetesDE

diabetesDE Experten-Chat am 2. Februar 2012

Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland. Etwa 25.000 Kinder unter 20 Jahren sind von Diabetes Typ 1 betroffen. Davon tragen heute schon mehr als 3.000 dauerhaft eine Insulinpumpe am Körper. Solche Pumpen helfen Kindern wie Erwachsenen mit Diabetes, ihre Diabetestherapie einfacher im Alltag umzusetzen und die Stoffwechsellage zu verbessern.

Bei Kleinkindern etwa verminderten sich mithilfe einer Pumpe gefährliche Unterzuckerungen deutlich. Krankenkassen genehmigen jedoch leider noch nicht jedem Betroffenen eine Pumpe. Für wen sie geeignet ist, was neue Techniken bieten und wie Ärzte diese Therapie für ihre Patienten beantragen können, erklärt Dr. med. Simone von Sengbusch, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, im nächsten Experten-Chat von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Fragen können ab sofort an diabetesDE gestellt werden.

Menschen mit Diabetes Typ 1 können kein Insulin mehr produzieren und benötigen daher ihr Leben lang das Hormon Insulin. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Typ-1-Diabetes spritzen dafür mehrmals täglich mit speziellen Insulin-Pens, wobei sie mit mehreren Insulinsorten (Mahlzeiteninsulin, Basalinsulin) versuchen, die natürliche Insulinausschüttung so gut wie möglich nachzuahmen. Diese Therapie nennt man Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT), die etwa 2.000 Insulininjektionen pro Jahr erfordert.

Gerade bei Kindern lässt sich der Stoffwechsel trotz einer solch aufwändigen Therapie nicht immer ausreichend gut und stabil einstellen. Die Insulinpumpe ermöglicht eine genaue und individuelle Dosierung des Mahlzeiteninsulins (Bolus) und des mahlzeitenunabhängigen Basalbedarfs (Basalrate): Die Pumpe wird in einer kleinen Tasche zumeist am Bauch getragen oder am Gürtel befestigt. Eine Insulinpatrone in der Pumpe ist über einen dünnen Plastikschlauch mit einem Pumpenkatheter verbunden, der im Unterhautfettgewebe platziert ist. Der Katheter ist aus Stahl oder biegsamem Plastik, so dünn wie eine Pennadel und mit einem Pflaster auf der Haut befestigt. Die Insulinpumpe enthält ausschließlich schnellwirkendes Insulin. Die Insulininjektion für die Mahlzeiten löst das Kind per Knopfdruck aus. Für den mahlzeitenunabhängigen Bedarf (Basalrate) ist die Pumpe vorprogrammiert und läuft Stunde für Stunde automatisch.

Vor allem für kleine Kinder mit sehr geringem Insulinbedarf eignet sich die Pumpe gut, da sie sehr fein dosiert. "Zudem entfällt die Erfahrung, dass Essen immer mit einem Pieks verbunden ist, was die Eltern-Kind-Beziehung sehr entlastet", sagt Dr. med. Simone von Sengbusch vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Auch die nächtliche Insulinversorgung kann mit einer Insulinpumpe bedarfsgerecht gestaltet werden, vor allem im Wachstumsschub der Pubertät.

Eine Insulinpumpe ist jedoch kostenintensiver als die ICT. Krankenkassen genehmigen daher nicht jedem Betroffenen eine Pumpe. Während die Genehmigung bei Kindern mit Typ-1-Diabetes, die jünger als etwa sechs Jahre sind, oft recht problemlos gelingt, wird es mit zunehmendem Alter etwas schwieriger. Erst wenn die Kinder und Jugendliche trotz aller Bemühungen hohe Langzeitblutzuckerwerte (HbA1c-Werte) aufweisen, viele Unterzuckerungen auftreten oder ein "Dawn-Phänomen" besteht (hohe Blutzuckerwerte in den frühen Morgenstunden), sind die Voraussetzungen für einen Wechsel auf eine Insulinpumpentherapie erfüllt.

Die Beantragung einer Insulinpumpe ist jedoch mit bürokratischem Aufwand verbunden. "Damit es keine Probleme mit der Kostenübernahme gibt, sind einige Punkte vor allem in der Blutzuckerdokumentation zu bedenken", erläutert Frau Dr. von Sengbusch

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zuletzt bearbeitet: 26.01.2012 nach oben

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