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Diabetiker auf dem Westweg

Pressemitteilung: Bayer Vital GmbH

Mit Bewegung den Blutzucker bei Diabetes senken

Wandertouren führen über acht Etappen von Pforzheim nach Basel

Der Marktplatz in Kandern, am Fuße des Schwarzwaldes, morgens um neun: Aus einem Bus steigen 40 Wanderer mit leichtem Gepäck. 14 Kilometer Fußmarsch und einen Höhenunterschied von 800 Metern wollen sie an diesem Samstag gemeinsam bewältigen.

Ihr Ziel ist ein Tausender, der "Blauen", mit 1.165 Metern. Doch bevor es über naturbelassene schmale Pfade durch das Markgräfler Land geht, sind noch einige Vorbereitungen zu treffen: Die Wanderer klemmen sich den Schrittzähler an die Hose, kontrollieren ihren Blutzucker und dokumentieren alle Werte im Wanderprotokoll.

Alle in der Gruppe haben Diabetes und ihr Blutzuckermessgerät ist immer dabei. Beim Marsch auf dem schönen Westweg wollen sie den blutzuckersenkenden Effekt von Bewegung positiv erfahren und dabei lernen, frühzeitig und umsichtig auf Stoffwechselveränderungen zu reagieren.

Auf den Westweg-Etappen: Sicherheit und Selbstvertrauen gewinnen

Zu den Wanderern der zweiten Wochenendtour in diesem Jahr gehören auch Silvia und Ulrich. Das Ehepaar ist zum ersten Mal dabei. Die 58-jährige Silvia kämpft seit sechs Monaten mit "Blutzucker Berg- und Talfahrten", ihr Ehemann Ulrich hat bereits fünf Bypässe und sieben Stents. Seinen Typ-2-Diabetes therapiert er mit bewusster Ernährung und Bewegung. Dazu kontrolliert er, um sich nicht zu überlasten, regelmäßig seinen Puls. "Sport, vor allem Wandern und bergige Radtouren, waren schon immer unsere Leidenschaft", erzählt Silvia, schultert den Rucksack und fühlt sich mit ihrem Mann in der bunt gemischten Gruppe gut aufgehoben. Bevor es über mehrere Kilometer Anstieg in Richtung Tausender geht, kontrolliert Silvia ihren Blutzucker mit Contour®: Ihr Ausgangswert liegt bei 208 mg/dl (11.6 mmol/l). Ulrich startet mit 111 mg/dl (6,2 mmol/l.

Ella ist mit ihrem Ehemann schon im zweiten Jahr dabei und möchte wieder alle acht Etappen laufen. "Wir sind sehr aktiv und sportlich", erzählt die 62-Jährige. Sie profitiert von den Wanderungen, da sie "mehr Sicherheit und Selbstvertrauen im Umgang mit dem Typ-1-Diabetes bekommen" habe. Selbst ihre Angst vor Unterzuckerungen hat sie durch den Westwanderweg überwunden.

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Aktiv gegen Diabetes: Bewegung als Event

Vor drei Jahren kam Anne-Marie Schnäbele auf die Idee, Menschen mit Diabetes die Vorteile von körperlicher Aktivität nicht nur in theoretischen Schulungen, sondern auch praktisch zu vermitteln. Gemeinsam mit Dr. Alexander Hemmann gründete die Krankenschwester und Diabetesassistentin die Arbeitsgemeinschaft "Aktiv gegen Diabetes – Diabetiker auf dem Westweg".

280 Kilometer in acht Etappen – von April bis November finden alljährlich die Wandertouren statt, die Anne-Marie Schnäbele mit der Hilfe von Unterstützern wie Bayer organisiert. Mehr als 400 Teilnehmer und viele ehrenamtliche Helfer haben seit 2008 eine oder mehrere Etappen auf dem Höhenwanderweg von Basel nach Pforzheim erwandert und dabei die Schwarzwälder Bergluft mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Betreut werden die Gruppen auf jeder Etappe von einem Facharzt für Diabetologie, drei Diabetesberaterinnen und zwei professionellen Wanderführern, die den Weg selbst im dichtesten Nebel finden.

Sprechstunde unter freiem Himmel

Unter den Wanderern ist an diesem Wochenende auch der Endokrinologe und Diabetologe Carsten Maaßen. Auf seinem Rücken trägt er einen auffälligen, orangefarbenen Notfallrucksack. Während seiner ehrenamtlichen "Sprechstunde" unter freiem Himmel ist er überrascht, wie gut und ausdauernd die Frauen und Männer trotz Diabetes unterwegs sind. Der Lerneffekt ist auch für den Oberarzt sehr groß: "Da werden aus einer theoretischen Sport-Kohlenhydrateinheit bei Bedarf auch mal vier", stellt er fest.

"Falsche" Helden fehl am Platz

An jeder größeren Wegkreuzung trifft die Gruppe auf einen Kleinbus. Fahrer Andreas Jung ist immer in der Nähe und transportiert auch das Übernachtungsgepäck. Er ist für jedes Bedürfnis der Wanderer gewappnet: Im Kofferraum sind Getränke, Obst, Gemüse, Traubenzucker, Riegel und Müllbeutel verstaut. Wer nicht mehr laufen kann, weil der Schuh drückt, ihm die Puste ausgeht oder der Blutzucker zu stark absinkt, fährt einfach eine Etappe mit. Denn "falsche Helden" sind hier fehl am Platz.

Auch Ella, Silvia und Ulrich entschließen sich schweren Herzens, das letzte Stück mit dem Kleinbus zu fahren. Die Kräfte sind aufgezehrt, der Abstieg ist steil und rutschig. Das Wetter zeigt sich von seiner rauen Seite. Auf dem Tausender pfeift bei fünf Grad ein eisiger Wind, dichter Nebel und Regen verhindern die Fernsicht auf die Alpen.

"Das Medikament Bewegung ist einfach klasse"

Zwei Stunden später sitzen alle im Restaurant. Stolz und mit roten Wangen lassen sie den Tag Revue passieren: 14 Kilometer, 800 Höhenmeter und kein medizinischer Notfall bei einer Außentemperaturkurve von 24 auf fünf Grad - das kann sich sehen lassen. Der Blick in die Blutzuckerprotokolle bestätigt Anne-Marie Schnäbeles These: "Das Medikament Bewegung ist einfach klasse". Morgen geht es mit dem zweiten Teil der Etappe weiter. Der nächste Tausender wartet, und die 40 Wanderer wollen erneut dem Wetter – und ihrem Diabetes – trotzen.

"Aktiv gegen Diabetes" ist eine Arbeitsgemeinschaft mit Mitgliedern aus der AOK Baden-Württemberg, dem Deutschen Diabetiker Bund Landesverband Baden-Württemberg, Schwarzwaldverein e.V., Diabetiker-IGEL e.V. und dem SC82 Sprantal e.V.

Verbleibende Westweg-Touren bis November:

  • Tour 6: 24.09.11 - 25.09.11
  • Tour 7: 15.10.11 - 16.10.11
  • Tour 8: 12.11.11 - 13.11.11

Informationen zur Wandertour und den Etappen unter: www.aktivgegendiabetes.de.

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zuletzt bearbeitet: 24.08.2011 nach oben

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