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Deutscher Diabetiker Bund demonstriert erneut für Teststreifen

Patienten sind nicht der Sparstrumpf des Gesundheitswesens

Demonstranten vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss In letzter Minute wollten mehrere hundert Demonstranten vor dem Gebäude des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Beschlussfassung zur Verordnungsfähigkeit von Blutzuckerteststreifen bei nicht insulinpflichtigen Diabetikern verhindern. Aber auch die zweite Demonstration vor dem G-BA innerhalb von fünf Wochen konnte keinen Sinneswandel herbeiführen. Deshalb zogen die Demonstranten anschließend vor das Bundesgesundheitsministerium. Sie überreichten dort Ihre Forderung, dass der Minister den Beschluss nicht wirksam werden lassen sollte.

Die Entscheidung von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler muss nun abgewartet werden. Zu der Demo hat der Deutsche Diabetiker Bund (DDB), Deutschlands größte Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Diabetes, aufgerufen.

Mit solchen und ähnlichen Plakaten wollten rund 250  Demonstranten am Donnerstag vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Berlin eine Beschlussfassung des G-BA zur Streichung der Erstattungsfähigkeit von Blutzuckerteststreifen durch die Krankenkassen bei nicht-insulinpflichtigen Diabetiker in letzter Minute verhindern.

Mit einem lauten Pfeifkonzert machten die Teilnehmer vor dem G-BA-Gebäude und später vor dem Bundesgesundheitsministerium auf ihr Anliegen aufmerksam. "Diabetes ohne Blutzuckermessung ist wie Fahren ohne Führerschein", "Teststreifen schaffen Lebensqualität", "Diabetes ohne Teststreifen = Blindflug", "Teststreifen verlängern Leben", "8 Mio. Diabetiker sind auch Wähler".

Mit solchen und ähnlichen Transparenten haben die Betroffenen auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Doch das Plenum des G-BA hat den Verordnungsausschluss von Blutzuckerteststreifen für Typ-2-Diabetiker mit oraler Therapie beschlossen. Von der Entscheidung sind rund 4,7 Millionen Menschen mit Diabetes betroffen. Für das Selbstmanagement der Patienten ist die Blutzuckerselbstmessung unerlässlich. Durch Blutzuckertests können sie gefährliche Unterzuckerungen frühzeitig erkennen und eine gute Blutzuckereinstellung erreichen.

Nach der Beschlussfassung machten die Demonstranten ihrer Wut vor dem Bundesgesundheitsministerium Luft. Sie übergaben dem Vertreter von Minister Dr. Philip Rösler die Forderungen des Deutschen Diabetiker Bundes und forderten den Minister auf, den Beschluss zu kippen und auch zukünftig eine patientenindividuelle Therapie zu ermöglichen.

"Starke Signalwirkung"

"Ich erhoffe mir durch die Demonstrationen eine starke Signalwirkung auf das Bundesgesundheitsministerium: Die Belange chronisch kranker Diabetiker zu beachten und ihnen eine weitere Teilhabe an unserer Gesellschaft in den Bereichen Freizeit und Beruf zu ermöglichen", betonte der DDB-Bundesvorsitzende Dieter Möhler. Diabetiker müssen z. B. in bestimmten Situationen ihre Fahrtauglichkeit durch eine Blutzuckermessung selbst nachweisen, um sich und andere Menschen im Straßenverkehr nicht zu gefährden.

"Im Rahmen der Kostensenkung im Gesundheitswesen gibt es ständig neue Beschlüsse, die insbesondere Diabetiker betreffen. Nach den Insulinanaloga, Glitazonen und Gliniden, sind jetzt die Blutzuckerteststreifen dran", sagte der DDB-Vorsitzende Dieter Möhler zu den Teilnehmern. "Für Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin spritzen, wird die Umsetzung des Beschlusses erhebliche Einschränkungen haben.

"Der Deutsche Diabetiker Bund vertritt die Auffassung, dass "nicht jeder alles haben muss. Aber es muss jeder das bekommen, was er braucht, um seinen Diabetes im Griff zu behalten", sagte er. "Blutzuckermessung heißt auch, dass man den Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention zur Teilnahme am Leben wirklich näher kommen kann. Wir fordern, dass die Ärzte die Verantwortung dafür übernehmen, wer messen kann und wer messen muss."

Forderungspapier übergeben

"Es kann nicht sein, dass es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die zeigen, wie wichtig die Blutzuckerselbstmessung ist, und diese jetzt eingeschränkt werden soll", erklärte Dieter Möhler. Er übergab Herrn Ministerialrat Joachim Becker als Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums ein Papier des DDB, in dem der Bundesgesundheitsminister als Aufsichtsbehörde aufgefordert wird, dem Beschluss des G-BA zu widersprechen, um die Verordnungsfähigkeit von Blutzuckertestreifen durch die gesetzlichen Kassen weiterhin zu erhalten und eine patientenindividuelle Therapie sicherzustellen.

Bildunterschrift: Demonstranten vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 17.03.2011 nach oben

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