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Ärztliche Kommunikation reduziert Kosten

Diabetiker profitieren von Informationsaustausch

Menschen mit Diabetes mellitus haben eine bessere ärztliche Weiterbehandlung, wenn der Informationsaustausch beim Übergang vom Hausarzt zur Diabetologischen Schwerpunktpraxis gut funktioniert. Weiterhin könnten Kosten reduziert werden, die durch unnötige Doppeluntersuchungen entstehen. Dies ergab eine aktuelle Publikation des wissenschaftlichen Instituts der niedergelassenen Diabetologen (winDiab), die diabetesDE im Ergebnis unterstützt.

In 38 Diabetologischen Schwerpunktpraxen wurden die Daten von 925 Patienten mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 erfasst, die überwiegend von Hausärzten überwiesen wurden: Bei lediglich 17,4 Prozent der Patienten lagen zu diesem Zeitpunkt alle notwendigen Informationen vor. Dazu gehören ein definierter Versorgungsauftrag, aktuelle Laborwerte, aktuelle Diagnosen und Angaben zur Medikation. 88,8 Prozent brachten teilweise Daten mit und etwa jeder zehnte Patient (11,2 Prozent) erhielt die Überweisung in die Diabetologische Schwerpunktpraxis, ohne eine Weitergabe von Daten zu seiner Erkrankung.

diabetesDE begrüßt die Ergebnisse dieser Studie. Bereits im Februar diesen Jahres hatte die Organisation in einer Meldung auf die unzureichende Datenlage bei der Versorgung von Diabetikern hingewiesen: "Wir wissen heute zu selten, wie erfolgreich eine Therapie auf längere Sicht gesehen ist, weil wir keine Langfristerhebungen haben", kritisierte Dr. med. Hans-Martin Reuter, diabetesDE-Vorstandsmitglied für "Prävention und Versorgung".

Die nun vorliegende Auswertung von winDiab belegt, dass bei Diabetikern, die in ein Disease-Management-Programm (DMP) eingeschrieben waren, insgesamt deutlich mehr Daten vorlagen. Sie erhielten deshalb vermutlich schneller eine passende Therapie. Auch die Kosten sanken, da Doppeluntersuchungen seltener notwendig waren. Die Autoren der Studie weisen in ihrer Auswertung auf einen weiteren Vorteil der DMPs hin. In diesen ist festgelegt, wann Diabetiker in eine Schwerpunktpraxis überwiesen und welche Informationen weitergegeben werden sollten.

Die Diabetes-Experten von winDiab ziehen daraus den Schluss, dass die Informationen, die Diabetiker bei ihrer Überweisung in eine Schwerpunktpraxis mitbringen, in vielen Fällen lückenhaft ist, was zu einer schlechteren Behandlung führen kann. Mehraufwand und zusätzliche Kosten könnten durch eine klar definierte Schnittstellenkommunikation vermieden werden.

Daten aus der Versorgung bei Diabetes mellitus liegen in Deutschland bisher nur wenige vor. Konkrete Zahlen sind jedoch notwendig, um bestehende Diagnose- und Therapiemaßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und Schwachstellen in der Versorgung aufzudecken. Aufgrund der hohen Anzahl von Diabetikern in Deutschland, die voraussichtlich weiter wachsen wird, ist dies auch notwendig.

Die nun vorliegende Studie von winDiab ist eines von mehreren Projekten dieses Instituts, die das Ziel haben, Ergebnisse von klinischen Studien mit der Realität abzugleichen. Klinische Studien werden normalerweise mit Patientenpopulationen durchgeführt, die eher nicht den normalen Patienten-Kollektiven entsprechen. Der mit den Patienten unmittelbar befasste Therapeut erlebt eine andere Realität als die Wissenschaftler aus der Grundlagen- und klinischen Forschung. Hinzu kommt, dass die Erfahrungen und vielfältigen Beobachtungen der Diabetologen in den Schwerpunktpraxen bisher in keiner Form systematisch erfasst, analysiert und publiziert wurden.

Quelle: von Hübbenet J, Weber D, Kaltheuner M, Krakow D, Molinski M, Scheper N, Simonsohn M, Faber-Heinmann G, Heinemann L; Umfang der Kommunikation bei der Schnittstelle Hausarzt - Diabetologische Schwerpunktpraxis: Vergleich von DMP-Patienten vs. Nicht-DMP-Patienten Diabetes, Stoffwechsel und Herz 19:255-259, 2010.

zuletzt bearbeitet: 04.08.2010 nach oben

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