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Kardiovaskuläre Krankheiten - Risikobestimmung mit den PROCAM-Tests

Langzeitstudie PROCAM untersucht Risikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen

Assmann-Stiftung für Prävention entwickelt Tests zur Bestimmung des individuellen Risikos

Herzkreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind weltweit die häufigste Todesursache. Zudem sind sie verantwortlich für die meisten Fälle von Langzeitinvalidität. Zusammen mit der Tatsache, dass die Deutschen immer älter werden und damit das Risiko für eine solche Erkrankung steigt, ergibt sich die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Prävention.

Vor mehr als 30 Jahren hat Professor Gerd Assmann die Prospektive Cardiovaskuläre Münster Studie (PROCAM-Studie) am Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung in Münster ins Leben gerufen. Sie ist eine der weltweit größten Untersuchungen zu Risikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen. Unter der Federführung von Assmann haben Wissenschaftler verschiedene Punktesysteme, sogenannte Scores, entwickelt, die auf Ergebnissen dieser breit angelegten Studie basieren. Mit Hilfe dieser Scores ist es möglich, die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls mit einiger Sicherheit zu berechnen.

Die PROCAM-Tests im Einzelnen

Als Ursache für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall spielen nur wenige Risikofaktoren eine ausschlaggebende Rolle. Dazu zählen neben erblicher Veranlagung vor allem Rauchen, zu hoher Blutdruck, zu hohe Blutfettwerte sowie Diabetes mellitus. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto größer ist das Risiko einer Erkrankung. Die Ergebnisse der PROCAM-Studie haben gezeigt, wie einzelne Faktoren zu gewichten sind und in welchem Zusammenspiel sie ein ernstes Risiko darstellen. Die Daten für die Studie stammen aus umfassenden Vorsorgeuntersuchungen von 50.000 Personen seit 1978. Aus diesen Daten haben Professor Gerd Assmann und sein Team die PROCAM-Tests entwickelt. Sie geben darüber Aufschluss, wie hoch bei einer Testperson das Risiko ist, in den nächsten zehn Jahren eine kardio-vaskuläre, also Herzkreislauf-Erkrankung zu erleiden. Jeder Interessierte kann diese Tests unkompliziert in seiner Apotheke machen.

Zu Bestimmung des persönlichen Herzinfarktrisikos gibt es zwei Möglichkeiten: den PROCAM Schnelltest und den PROCAM-Gesundheitstest.

Beim PROCAM-Schnelltest überprüft der Apotheker rasch anhand einiger Angaben und ohne Blutuntersuchung, ob ein hohes Risiko besteht, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen. Für diesen Schnelltest gibt der Patient sein Alter an, seinen Body Mass Index, gibt Auskunft darüber, ob er raucht oder nicht, ob er unter Bluthochdruck leidet oder ob in der Familie ein Herzinfarkt vor dem 60. Lebensjahr vorgekommen ist. Anhand eines Punktesystems sind dann Aussagen zum Herzinfarktrisiko möglich: Männer mit 62 Punkten oder mehr bzw. Frauen mit 65 Punkten oder mehr haben ein deutlich erhöhtes Risiko – nämlich über zehn Prozent – in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden. Der Schnelltest eignet sich für Frauen und Männer im Alter von 35 bis 65 Jahren. Dabei hat er eine zuverlässige Trefferquote: Er erkennt 9 von 10 Personen, die ein hohes Herzinfarktrisiko aufweisen.

Für eine genauere Bestimmung des Herzinfarktrisikos eignet sich der PROCAM-Gesundheitstest. Er ist präziser und erfasst eine größere Altersgruppe, nämlich Frauen und Männer zwischen 20 und 75 Jahren. Er erfordert neben persönlichen Angaben zu Rauchverhalten und erblicher Vorbelastung auch bestimmte Blutwerte: Blutfette (LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride), Nüchternblutzucker bzw. die Kenntnis über einen vorhandenen Diabetes sowie den oberen, also systolischen Wert des Blutdrucks. All diese Werte kann der Apotheker mit einer Vorort-Untersuchung des sogenannten Kapillarbluts bestimmen, also mit der Entnahme von Blut z. B. aus der Fingerkuppe. Der PROCAM-Gesundheitstest gibt Auskunft darüber, ob ein niedriges (unter 10 Prozent in 10 Jahren), ein mittleres (10 bis 20 Prozent in 10 Jahren) oder ein hohes Herzinfarktrisiko (über 20 Prozent in 10 Jahren) besteht.

Auch für den PROCAM-Schlaganfalltest sind bestimmte Blutwerte erforderlich: der systolische Wert des Blutdrucks und der Nüchternblutzuckerwert, wenn die Testperson nicht weiß, ob sie Diabetes hat. Zusammen mit Angaben zum Alter und zum Rauchverhalten wird auch hier das Ergebnis nach einem Punktesystem ermittelt. Es zeigt, ob das Risiko eines Schlaganfalls in den nächsten 10 Jahren über 5 Prozent liegt und damit deutlich erhöht ist. Je nach Ergebnis sind Vorsorgemaßnahmen erforderlich. Das können eine Änderung des Lebensstils oder auch eine gezielte medikamentöse Behandlung sein.

zuletzt bearbeitet: 06.03.2009 nach oben

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