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Müdigkeit und ständig Durst

Pressemitteilung: Elisabeth-Krankenhaus

Wie Eltern eine Zuckerkrankheit bei ihren Kindern erkennen

Marius (9) war in letzter Zeit häufig müde und hing lieber in seinem Zimmer herum, als mit seinen Freunden etwas zu unternehmen. Neben seinem Schreibtisch stapelten sich leere Flaschen und Dosen, denn während Marius antriebslos vor seinem Computer saß, schüttete er Unmengen Saft und Limonade in sich hinein. Seine Eltern hatten sich zunächst nichts dabei gedacht, denn in den heißen Sommertagen fühlten auch sie sich oft schlapp und tranken mehr als sonst. Erst als es wieder deutlich kühler wurde und Marius' Verhalten sich nicht änderte, machten sie einen Termin beim Kinderarzt. Dieser stellte bei einer einfachen Blutuntersuchung fest, dass Marius' Blutzuckerwert deutlich erhöht war.

Körpereigenes Abwehrsystem greift an

Diabetes mellitus, allgemein Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Störung des Stoffwechselsystems. Sie kommt weltweit in jeder Altersgruppe vor und die Anzahl der Erkrankten steigt seit Jahren deutlich an. In Deutschland leben ca. sechs Millionen Betroffene - davon sind etwa 200.000 sogenannte Typ-1-Diabetiker. "Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen", erklärt Dr. Nicole Treptau, Diabetologin und Oberärztin in der Klinik für Neonatologie, Kinder- und Jugendmedizin des Elisabeth-Krankenhauses Essen. "Die Krankheit kann sich zwar auch im Erwachsenenalter entwickeln, gehäuft tritt sie aber zwischen fünf und sechs Jahren und zu Beginn der Pubertät auf. Rund 15.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland neu."

Verursacht wird der Diabetes Typ 1 durch einen absoluten Insulinmangel. Die Folge: Im Blut der Betroffenen zirkuliert zuviel Glucose - also Zucker. Denn das Hormon Insulin bewirkt, dass der Energiespender Zucker - der über den Darm in das Blut aufgenommen wird - in die Körperzellen gelangen kann. Beim Diabetes Typ 1 bildet das körpereigene Abwehrsystem Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse und zerstört diese. Die Ursachen für diese Fehlsteuerung des Immunsystems sind derzeit noch weitgehend unbekannt.

Im Gegensatz zu Typ 1 wird bei Diabetes Typ 2 zwar noch Insulin produziert, allerdings reagieren die Körperzellen nicht mehr richtig darauf. "Bis vor einigen Jahren trat diese Erkrankung nur bei älteren Menschen auf, heute findet sich diese Form des Diabetes zunehmend auch bei Kindern und Jugendlichen", so Treptau. "Ursache dieses Diabetestyps ist nicht ein fehlgesteuertes Immunsystem, sondern neben dem fortgeschrittenen Alter auch Bewegungsmangel, Übergewicht und Ernährungsgewohnheiten."

Der Duft von Nagellackentferner

Während das Auftreten eines Typ-2-Diabetes oft symptomlos verläuft, sind die körperlichen Zeichen beim Typ 1 zumeist stark ausgeprägt. "Typisch für die Erkrankung ist ein ungeheures Durstgefühl - es werden mehrere Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken", erläutert Treptau. "Auch werden enorme Mengen klaren Urins ausgeschieden. Grund dafür: Bei einer erhöhten Zuckerkonzentration im Blut gelangt Zucker in den Harn. Um die Konzentrationsunterschiede auszugleichen, wird vermehrt Wasser in den Urin abgegeben. So verliert der Körper große Flüssigkeitsmengen, die ersetzt werden müssen. Nicht nur bei kleineren Kindern führt der Diabetes deshalb manchmal zu erneutem nächtlichen Einnässen." Die Betroffenen haben aber nicht nur Durst, sondern auch ein Kaloriendefizit. Verständlich, wenn man überlegt, dass der Zucker, den sie aufnehmen, ja gar nicht in die Körperzellen gelangt. Es kommt oft zu einer enormen Gewichtsabnahme, denn zur Energiegewinnung baut der Körper nun die Fettreserven ab. Da Zucker besonders für unsere Hirnleistung notwendig ist, kommt es beim beginnenden Diabetes Typ 1 zu Schwächegefühlen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Stimmungsschwankungen.

Eine vermehrte Anfälligkeit für Infektionen kann ebenfalls häufig beobachtet werden. "In einer fortgeschrittenen Phase der Erkrankung können auch Bauchschmerzen und Acetongeruch auftreten. Aceton riecht in etwa so wie Nagellackentferner", so die Diabetologin. All diese Symptome entwickeln sich im Laufe von einigen Tagen bis Wochen. Wenn einige davon bei einem Kind auftreten, sollte rasch der Kinderarzt aufgesucht werden, um einen Diabetes auszuschließen. "Bei etwa einem Viertel der Patienten zeigen sich allerdings überhaupt keine Symptome", konstatiert Treptau. "Erst die Entwicklung einer gefährlichen Komplikation - die sogenannte Ketoazidose - führt zur Diagnose. Ketoazidose ist eine Entgleisung des gesamten Stoffwechsels, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Durch den Flüssigkeitsverlust und den Verlust von Blutsalzen trocknet der Körper aus. Die Folgen können Herz-Kreislauf-Probleme und Bewusstseinseintrübungen bis hin zum Koma sein."

Leben mit dem Diabetes

Wird eine Diabeteserkrankung diagnostiziert, erfolgt in der Regel die sofortige Einweisung in eine erfahrene Kinderklinik zur weiteren Diagnostik und Therapie. "Diabetes ist derzeit noch nicht heilbar, lässt sich aber gut mit Insulin behandeln. Dies erfolgt in der Regel mit drei oder vier Injektionen pro Tag oder durch den Einsatz einer Insulinpumpe", erläutert Treptau. "Gerade für junge Diabetiker ist es wichtig, den Blutzucker optimal einzustellen. Nicht nur, um akute Entgleisungen des Stoffwechsels wie eine Unterzuckerung zu verhindern, sondern auch um diabetische Folgeerkrankungen zu vermeiden oder hinauszuzögern.

Die Diabeteserkrankung führt zu vielfältigen Veränderungen im Alltag. In speziellen Schulungen lernen die Kinder und auch die Eltern deshalb, wie man den Blutzucker bestimmt, wie man Insulin spritzt, wie sich Ernährung und Bewegung auf den Blutzucker auswirken und wie man bei Stoffwechselentgleisungen richtig reagiert. Neben der Wissensvermittlung steht bei unseren Schulungen aber auch die ganz persönliche Krankheitsbewältigung im Vordergrund. Ziel der Betreuung ist es, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen lernen, mit dem Diabetes zu leben, ohne dass durch diese chronische Erkrankung ihre Entwicklung oder Lebensqualität eingeschränkt wird."

zuletzt bearbeitet: 09.11.2008 nach oben

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