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Parodontitis und Diabetes - ein gefährliches Duo

SEKTION ZAHNGESUNDHEIT im Deutschen Grünen Kreuz e. V. informiert

Eine sorgfältige Zahn- und Mundhygiene trägt wesentlich dazu bei, das Parodontitis-Risiko zu senken. Wenn zwei Volkskrankheiten wie Diabetes und Parodontitis aufeinandertreffen, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund acht Millionen Menschen an Diabetes. Etwa 80 Prozent der Diabetes-Patienten sind älter als 40 Jahre und leiden an Diabetes Typ 2, auch Altersdiabetes genannt. Von einer Parodontitis an mindestens einem Zahn sind rund 70 Prozent der Erwachsenen im Alter von 35 bis 50 Jahren und über 80 Prozent der Senioren betroffen. Beide Erkrankungen stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander.

Diabetiker haben ein dreimal höheres Risiko, an der durch Bakterien verursachten Entzündung des Zahnhalteapparates zu erkranken, als gesunde Menschen. "Verantwortlich dafür sind vor allem die hohen Blutzuckerwerte bei schlecht eingestelltem Diabetes, die die Widerstandskraft des Zahnhalteapparates schwächen und so eine Infektion begünstigen", erklärt Professor Jörg Meyle, Direktor der Poliklinik für Parodontologie der Universität Gießen und Vorstandsmitglied der European Federation of Periodontology.

Gleichzeitig ist häufig das Immunsystem bei Diabetikern geschwächt. Dies beeinflusst die Regenerationsfähigkeit des Zahnhalteapparates, wodurch sich Bakterien in der Mundhöhle stärker vermehren können. Studien haben nachgewiesen, dass eine nicht behandelte Parodontitis bei schlecht eingestellten Diabetikern schneller und heftiger verläuft als bei gut kontrollierten Diabetikern und gesunden Menschen. Außerdem leiden Diabetiker häufiger an eitrigen Zahnfleischabszessen, Zahnfleischentzündungen mit Geschwüren und Rissen in den Mundwinkeln. Ebenso treten Wundheilungsstörungen nach Zahnentfernungen bei Diabetikern gehäuft auf. Mundtrockenheit, die durch bestimmte Medikamente verursacht wird, kann diese Symptome noch verstärken.

Umgekehrt kann eine nicht behandelte Parodontitis auch den Diabetes negativ beeinflussen. "Die Entzündung im Mund kann, wie andere Entzündungen im Körper auch, eine Insulinresistenz an Zielzellen, beispielsweise der Leber, des Fettgewebes und der Muskeln, auslösen, so dass das Hormon Insulin, welches für die Senkung des Blutzuckers verantwortlich ist, nicht mehr ausreichend wirkt. Dies führt zu einer Verschlechterung der Blutzuckerwerte und erschwert die Einstellung des Blutzuckers", sagt Professor Reinhard G. Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie der Universität Gießen. Darüber hinaus kann eine Parodontitis das Risiko für Folgererkrankungen des Diabetes erhöhen, insbesondere für Nierenschäden und arterielle Verschlusskrankheiten der Beine.

"Die zahnärztliche Behandlung einer bestehenden Parodontitis kann wesentlich zur Verbesserung des Diabetesstaus' beitragen. Und umgekehrt: Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto erfolgreicher ist die Parodontitis-Behandlung", so Professor Meyle. Insbesondere Diabetes-Patienten sollten also auf ihre Mundgesundheit achten, um einer Parodontitis vorzubeugen. Grundlage ist eine sorgfältige Zahnpflege und Mundhygiene, die auch die Reinigung der Zahnzwischenräume einschließt, kombiniert mit regelmäßigen zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen. Besonders effektiv sind regelmäßige professionelle Zahnreinigungen. Sie tragen wirkungsvoll dazu bei, eine Entzündung des Zahnhalteapparates zu verhindern und eine bestehende Erkrankung abklingen zu lassen. Bei schweren Formen der Erkrankung kann eine spezielle Parodontitisbehandlung durch den Zahnarzt notwendig sein.

Diabetespatienten sollten den Zahnarzt frühzeitig über ihre Erkrankung informieren, vor allem im Vorfeld von chirurgischen Eingriffen, damit er die Behandlung darauf abstimmen kann. Überdies sollten Risikofaktoren wie das Rauchen vermieden werden. Raucher entwickeln häufiger eine Parodontitis und haben deutlich schlechtere Heilungschancen. Eine effektive Mundhygiene, eine professionelle zahnärztliche Betreuung und die frühzeitige Behandlung einer Parodontitis in Verbindung mit einer gesunden Lebensweise werden sich positiv auf den Diabetes auswirken und auch das Risiko für Folgeerkrankungen verringern.

"Aufgrund der engen Wechselbeziehung zwischen Diabetes und einer Parodontitis kommt der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Diabetologen und Zahnmedizinern eine wichtige Bedeutung zur Eindämmung beider Erkrankungen und zur Verringerung von Folgerisiken zu", so Professor Bretzel.

Eine individuelle Prophylaxeberatung sowie Informationen zur Parodontitis-Behandlung geben der Zahnarzt und sein Team.

Bilsquelle: Photo Disc.

Bildquelle: Grünes Kreuz e.V.

zuletzt bearbeitet: 18.06.2008 nach oben

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