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Individuelle Therapie statt kleinster und billigster Nenner

DGK begrüßt europäische Leitlinie zum Management der arteriellen Hypertonie

"Es ist wohltuend zu lesen, dass im Mittelpunkt des ärztlichen Handelns nach wie vor der individuelle Patient steht." So schreibt Prof. Dr. Heribert Schunkert aus Lübeck, federführender Autor eines Kommentars zur Leitlinie "Management der arteriellen Hypertonie". Diese Leitlinie wurde von der European Society of Hypertension (ESH) und der European Society of Cardiology (ESC) veröffentlicht, die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gab jetzt hierzu einen mehrseitigen Kommentar heraus, der diese Leitlinie ausdrücklich begrüßt.

In jüngster Vergangenheit gab es in der Öffentlichkeit zahlreiche gesundheitsökonomische Diskussionsbeiträge zur arteriellen Hypertonie, schließlich hat das Thema für große Teile unserer - hypertensiven - Gesellschaft sehr praktische Relevanz. Umso gespannter hatte man nun auf die europäische Leitlinie und den entsprechenden Kommentar der DGK als wissenschaftlich medizinischer Fachgesellschaft gewartet.

Die neue europäische Leitlinie führt im Detail auf, dass Herz-, Nieren-, Stoffwechsel- und zerebrovaskuläre Erkrankungen eine beträchtliche Patientenzahl betreffen, die bei gleichzeitiger Hypertonie eine sehr spezifische Abstimmung der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen verlangen. "Dem kann man also nicht mit der Empfehlung einer einzigen Stoffklasse als Standardtherapie begegnen, wie sie beispielsweise in simplifizierter Weise vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) abgegeben wurde", stellt Schunkert klar. "Die neue Leitlinie setzt vielmehr einen Kontrapunkt zu jeglichem Bemühen, die antihypertensive Therapie auf den kleinsten und somit billigsten Nenner zu bringen." Sie führe Listen von klinisch relevanten Befunden auf, die einen individuellen Zuschnitt der Behandlung verlangten. "Diese Schritte in Richtung individualisierter Medizin können als Brücke für die zu erhoffenden Fortschritte verstanden werden, die wir auf diesem Sektor in Zukunft erwarten", führt Schunkert weiter aus. "Mit dieser Sichtweise sind die Leitlinien sowohl Ärzten als auch Patienten näher gekommen, die gemeinsam bemüht sind, die optimale Behandlung in der jeweils gegebenen Situation zu finden."

Der deutsche Kommentar erwähnt auch den akademischen Streit um eine neue Grenzziehung der Hypertonie-Definition. "Für den Augenblick soll festgehalten werden, dass Antihypertensiva auch bei fehlendem Bluthochdruck indiziert sein können", fasst Schunkert zusammen. Im Zentrum müsse das kardiovaskuläre Gesamtrisiko stehen, was konkret bedeute, dass auch bei Blutdruckwerten zwischen 130 und 139 beziehungsweise 85 und 89 mmHG von Hochdruck gesprochen werden müsse, wenn ein Diabetes, eine etablierte kardiovaskuläre oder nierenbedingte Erkrankung vorläge. Schließlich senkt in dieser Konstellation - das zeigte eine Vielzahl von Studien - die Therapie mit Antihypertensiva das langfristige Risiko.

Den vollständigen Text des Kommentars zur ESC/ESH-Leitlinie zum Management der arteriellen Hypertonie finden Sie auf der Homepage der DGK www.dgk.org unter "Leitlinien".

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 29.04.2008 nach oben

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